Geld zurück durch freiwillige Steuererklärung: Für wen lohnt sich der Aufwand?

Wer freiwillig seine Steuererklärung beim Finanzamt abgibt, kann sich oft Geld zurückholen. Für wen es sich lohnt und wie man am besten vorgeht.

Eine freiwillige Steuererklärung lohnt sich vor allem für Menschen, bei denen das Finanzamt im Alltag nicht alle abzugsfähigen Kosten berücksichtigt hat. Besonders profitieren in der Regel Arbeitnehmer, Studierende, Eltern mit Kinderbetreuungskosten und Menschen mit hohen Werbungskosten oder außergewöhnlichen Belastungen.

Der Vorteil: Die freiwillige Steuererklärung hat keine so strikte Frist, wie die verpflichtende Einkommensteuererklärung. Du kannst sie rückwirkend für die vergangenen vier Jahre einreichen. Die "Frist" endet somit erst am Ende des vierten Jahres nach dem jeweiligen Steuerjahr. Die Steuer für 2025 kann zum Beispiel noch bis zum 31. Dezember 2029 nachgereicht werden. Eine Verlängerung ist nicht möglich, dafür drohen auch keine Strafen oder Verspätungszuschläge.

Wer kann überhaupt freiwillig abgeben?

Eine freiwillige Steuererklärung kommt für dich infrage, wenn du Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit hast und nicht zur Abgabe verpflichtet bist. Typisch sind Fälle wie ein Arbeitsverhältnis mit Steuerklasse I, Ehepaare mit Steuerklasse III oder zwei berufstätige Partner mit Steuerklasse IV/IV.

Wichtig ist: Nur weil du nicht verpflichtet bist, heißt das nicht, dass sich eine Erklärung nicht trotzdem lohnt. Viele Steuerabzüge werden schon beim Lohnsteuerabzug nicht vollständig berücksichtigt, sodass du dir zu viel gezahlte Steuer zurückholen kannst.

Die freiwillige Abgabe ist für dich besonders interessant, wenn du den Überblick über deine Kosten behalten willst und am Jahresende prüfen möchtest, ob sich eine Erstattung ergibt. Laut der SHBB Steuerberatungsgesellschaft mbH erhalten viele freiwillige Antragsveranlager eine Rückzahlung, im Durchschnitt liegt diese bei rund 1.095 Euro.

Welche Gruppen profitieren besonders?

Besonders gute Chancen auf eine Erstattung haben Berufsanfänger, die nur einen Teil des Jahres gearbeitet haben, weil sie oft noch nicht das ganze Jahr über gleich hohe Einkünfte hatten. Auch Arbeitnehmer mit Steuerklasse I und Doppelverdiener mit Steuerklasse IV gehören häufig zu den Gruppen, für die sich die Abgabe lohnt.

Außerdem kann sich die Steuererklärung für dich lohnen, wenn du studierst, vor allem im Zweitstudium oder nach einer abgeschlossenen Ausbildung. In solchen Fällen fallen oft Kosten an, die steuerlich relevant sein können, etwa für Fachliteratur, Fahrtkosten oder andere Ausgaben rund ums Studium.

Eltern profitieren ebenfalls oft, wenn Kinderbetreuungskosten oder andere familienbezogene Ausgaben angefallen sind. Dazu kommen Menschen mit hohen Krankheitskosten, Spenden, Versicherungsbeiträgen oder Unterhaltszahlungen an volljährige Personen ohne Kindergeldanspruch.

Wann lohnt sich die Abgabe finanziell?

Eine freiwillige Steuererklärung kann sich besonders dann auszahlen, wenn deine Werbungskosten über dem Pauschbetrag liegen. Das ist zum Beispiel bei langen Arbeitswegen, vielen Homeoffice-Tagen, Weiterbildungskosten, einem Arbeitszimmer, Dienstreisen oder einem doppelten Haushalt der Fall.

Auch Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen können den Unterschied machen. Dazu zählen etwa Kirchensteuer, Spenden, Altersvorsorgebeiträge, Ausbildungskosten oder Krankheitskosten, die im Lohnsteuerabzug vorher nicht berücksichtigt wurden. Wenn du mehrere Jahre hintereinander freiwillig erklärst, kann sich der Effekt sogar bündeln.

So können freiwillige Steuererklärungen bis zu vier Jahre rückwirkend eingereicht werden, wodurch sich Erstattungen für mehrere Jahre auf einmal sichern lassen. Das ist besonders dann wichtig, wenn du erst später merkst, dass du Geld verschenkt hast. Gleichzeitig entsteht aus einer freiwilligen Abgabe nicht automatisch jedes Jahr eine Verpflichtung. Du solltest aber jedes Steuerjahr neu prüfen, ob sich eine Abgabe lohnt oder ob sich deine Situation verändert hat.

Wie gehst du praktisch vor?

Sammle zuerst alle Belege, die deine Ausgaben belegen, zum Beispiel für Fahrtkosten, Weiterbildung, Versicherungen oder Kinderbetreuung. Je vollständiger deine Unterlagen sind, desto besser kannst du prüfen, ob sich eine Rückerstattung ergibt.

Danach lohnt sich ein Blick auf deine persönlichen Lebensumstände: Hast du nur einen Teil des Jahres gearbeitet, hohe berufliche Kosten gehabt oder familiäre Änderungen erlebt, kann die Steuererklärung besonders attraktiv sein. Gerade bei solchen Fällen bleibt oft zu viel Lohnsteuer beim Finanzamt hängen.

Wenn du unsicher bist, ob sich der Aufwand lohnt, kannst du die Erklärung selbst mit einer Software erstellen oder fachliche Hilfe von einem Steuerexperten oder Steuerberater nutzen. Bei vielen freiwilligen Fällen zeigt sich erst nach der Berechnung, wie viel Geld tatsächlich zurückkommt.

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