Altersvorsorgedepot ohne Depotgebühren: Lohnt sich das Angebot von Trade Republic?

Ab 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente für Neuabschlüsse. Der Neobroker Trade Republic bietet es ohne laufende Depot- und Sparplangebühren an. Lohnt sich das?

Der Neobroker Trade Republic hat ein kostenfreies Depot für die private Altersvorsorge eingeführt. Anleger können hierbei auf bekannte ETFs der Anbieter BlackRock, DWS und Vanguard zurückgreifen – ohne dass zusätzliche Kosten anfallen. Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass Interessierte sich vor einem Abschluss gründlich informieren sollten.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Trotz hoher jährlicher Bundeszuschüsse steht die gesetzliche Rente unter Druck – auch wegen der demografischen Entwicklung. Schließlich gibt es immer mehr Rentner und im Vergleich dazu weniger Beitragszahler. Seit Jahren wird daher schon empfohlen, auf drei Säulen zu setzen:

  1. Gesetzliche Rente
  2. Betriebliche Altersvorsorge
  3. Private Altersvorsorge

Eigentlich war die Riester-Rente dazu gedacht, die dritte Säule zu stärken. Hohe Kosten und wenig Rendite haben das Produkt aber unattraktiv gemacht und viele der laut Statistischem Bundesamt rund 14 Millionen Verträge in Deutschland werden nicht mehr oder nur noch minimal bespart. Ab 1. Januar 2027 soll das Altersvorsorgedepot neue Chancen für die private Rente bieten. Wichtige Infos haben wir hier zusammengefasst.

Lesen Sie auch: Zukunft der Rente: Wie bekomme ich die Aktienrente und das Altersvorsorgedepot?

Trade Republic buhlt mit Gratis-Altersvorsorgedepot um Kunden

Trade Republic startet nach eigenen Angaben dabei "ein komplett kostenloses Altersvorsorgedepot, damit jeder Euro für die  Rente arbeitet". Das teilte die Neobank (den Unterschied zu einer klassischen Bank haben wir hier zusammengefasst) am Dienstag, 13. Oktober 2026, in einer Pressemitteilung mit.

„Deutschland gehört mit dem neuen Altersvorsorgedepot weltweit zur Spitze bei der geförderten privaten Altersvorsorge. Entscheidend ist jetzt, dass diese Förderung auch wirklich  bei den Menschen ankommt und nicht in hohen Gebühren bei Banken und Versicherungen  hängenbleibt. Deshalb bieten wir ein komplett kostenfreies Altersvorsorgedepot an. Damit jeder Euro für die Rente unserer Kunden arbeitet", wird Christian Hecker, Mitgründer von Trade Republic darin zitiert.

Was unterscheidet das Trade Republic Angebot von dem anderer Mitbewerber?

Für das Altersvorsorgedepot fallen laut der Pressemitteilung keine laufenden Depotgebühren an. Auch die regelmäßige Ausführung von Sparplänen ist kostenlos. Kostenlose Depotführung bieten aber auch andere Direktbanken und Neobanken wie Scalable Capital,  Smartbroker+, finanzen.net Zero und Deka (der Fondsanbieter der Sparkassen) an. ING hat seine Preise – Stand 13. Oktober – noch nicht veröffentlicht. Allerdings ist hier bereits jetzt das normale Direkt-Depot kostenlos.

Kostenlose Sparpläne ohne Orderkosten gibt es auch jetzt schon in vielen Aktien-Depots. Allerdings haben ETFs – wie auch andere Aktienfonds – in der Regel Verwaltungskosten. 

Trade Republic bietet hier nach eigenen Angaben "mehrere Dutzend der beliebtesten ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard langfristig ohne Produktkosten an".  Auch Scalable Capital und Smartbroker+ werben bereits mit einer Kostenübernahme – wenn auch zeitlich und auf eine gewisse Anlagesumme begrenzt und danach nur unter bestimmten Bedingungen wie einer gewissen Anzahl an Trades im Hauptdepot.

Wie hoch sind die ETF-Verwaltungskosten normalerweise?

Viele Aktien-ETFs bilden lediglich einen bestehenden Börsenindex nach – etwa den MSCI World oder den FTSE All World. Anders als bei vielen klassischen Investmentfonds entscheidet dabei meist kein Fondsmanagement aktiv über einzelne Käufe oder Verkäufe. Dadurch entstehen geringere Verwaltungs- und Personalkosten. 

Die laufenden Kosten eines weltweit gestreuten ETFs liegen heute häufig nur bei 0,1 bis 0,3 Prozent pro Jahr. Gemeint ist damit die sogenannte Gesamtkostenquote (TER – Total Expense Ratio), also die laufenden Verwaltungskosten eines Fonds. Bei aktiv gemanagten Fonds sind dagegen Gesamtkosten von rund 1,5 Prozent oder mehr möglich – teilweise kommen zusätzlich Ausgabeaufschläge hinzu. Wie viel Unterschied die Gebühren eines ETF im Vergleich zu einem gemanagten Fonds ausmachen können, haben wir hier berechnet.

Warum macht Trade Republic so ein Angebot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein riesiger Markt für Neukunden oder 15 Millionen Riester-Sparer, die theoretisch in das neue Produkt wechseln können. „Damit verdienen wir kein Geld. Aber wir verlieren auch keins“, zitiert die Bild-Zeitung den Trade Republic Mitgründer Christian Hecker.

Seine Hoffnung sei, dass Kunden, die ein Gratis-Altersvorsorgedepot abschließen, später auch kostenpflichtige Produkte kaufen.

Bringt das Trade-Republic-Angebot einen entscheidenden Kostenvorteil?

Bei 150 Euro Eigenbeitrag pro Monat  im Altersvorsorgedepot, also 1.800 Euro pro Jahr, ist der Unterschied im ersten Jahr extrem gering. Im Vergleich zu einem Standarddepot mit 0,1 Prozent Kosten spart der Anleger lediglich 1,80 Euro an Gebühren.

Die Kosten wachsen allerdings mit dem Depotwert: Erreicht dieses später die 100.000‑Euro-Marke, machen 0,1 Prozent bereits 100 Euro pro Jahr aus. Wer bereits mit Anfang 20 anfängt und sein Altersvorsorgedepot über 40 Jahre bespart, hat am Ende – je nach Wertentwicklung und durch den Zinseszinseffekt – ein paar Tausend Euro mehr im Depot.

Allerdings ist die Auswahl der kostenlosen ETFs beschränkt. Eine Alternative sind sehr günstige ETFs wie der Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF (WKN: A42B1M, ISIN: IE000VAHT5T0), über den wir kürzlich berichteten. 

Stiftung Warentest empfiehlt: Keine Hektik!

Die Stiftung Warentest empfiehlt auf ihrer Internetseite, dass Verbraucher nicht in Hektik verfallen sollten. Die allgegen­wärtige Werbung verschleiere, dass kein Grund zur Eile besteht. Denn: Die staatliche Förderung fürs gesamte Jahr 2027 gibt es auch noch im Dezember 2027 rück­wirkend.

Anleger hätten daher noch genügend Zeit, sich vor einem Kauf umfassend zu informieren. "Schließ­lich gehört die Alters­vorsorge für die meisten Verbrauche­rinnen und Verbraucher zu den wichtigsten finanziellen Entscheidungen im Leben", so die Tester.

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