Altersvorsorgedepot ab 2027: Neue Chance für die private Rente

Die Rente steht unter Finanzierungsdruck: Trotz hoher Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt fallen die Leistungen für viele Menschen niedrig aus. Ab 2027 gibt es ein neues Konzept für die private Vorsorge. Das Zauberwort heißt: Altersvorsorgedepot.

Warum sollten Sie die neue Anlagechance nutzen?

Was hinter dem Begriff Altersvorsorgedepot, kurz "AV-Depot", steckt, wissen viele noch nicht. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Commerzbank gaben gut zwei Drittel der 1.517 Befragten an, noch gar nichts vom AV-Depot gehört zu haben oder nur wenig darüber zu wissen.

Bis das AV-Depot zu dem von Commerzbank-Privatkundenchef Thomas Schaufler erwarteten "Gamechanger für die private Altersvorsorge" wird, besteht noch erheblicher Informationsbedarf. Schaufler spricht in einer Pressemitteilung von einer "historischen Chance", Millionen Menschen erstmals mit dem Aktienmarkt in Berührung zu bringen.

In der Realität gibt es allerdings noch viel Widerstand zu überwinden. Vier von zehn Befragten gaben in der YouGov-Umfrage an, dass sie 2027 ein staatlich gefördertes AV-Depot eröffnen werden. Die Mehrheit ist noch unentschlossen oder hält eine Depoteröffnung für unwahrscheinlich. Die gemischten Erfahrungen mit der privaten und freiwilligen Zusatzversorgung (bisher vor allem die Riester-Rente, die 9,5 Millionen Berufstätige nutzen) schrecken viele ab.

Was ist das "Drei-Säulen-Modell“?

Trotz vieler skeptischer Stimmen: Ab Januar 2027 startet das  AV-Depot und löst damit die Riester-Rente ab. Das Depot ist ein freiwilliges Angebot, um die langfristig für viele zu knapp bemessene gesetzliche Altersrente der Deutschen Rentenversicherung (DRV) aufzustocken.

Der Staat konzentriert seine Förderung zur privaten Altersvorsorge auf das AV-Depot. Wenn Sie von der durchaus interessanten Förderung (einige sprechen gar von einer "Rentenrevolution") der privaten Vorsorge für das Alter profitieren wollen, müssen Sie einsteigen. Und zwar möglichst gleich zum Starttermin. 

Zur Erinnerung: Die Altersvorsorge in Deutschland ruht traditionell auf drei Säulen:

  1. Erste Säule: Die verpflichtende gesetzliche Rentenversicherung (DRV).

  • Zweite Säule: Die betriebliche Altersversorgung (bAV), die je nach Branche unterschiedlich stark verbreitet ist. Die Bundesregierung spricht von rund 50 Prozent, die eine bAV haben.

  • Dritte Säule: Die bislang unterentwickelte freiwillige private Altersvorsorge – hier setzt das neue AV-Depot an.

  • Warum sind die Deutschen skeptisch bei der privaten Rentenvorsorge?

    Die Idee von der privaten Altersvorsorge ist allerdings in Deutschland ausgesprochen unpopulär, wie der Rentenexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Johannes Geyer, erläutert. "Die überwiegende Mehrheit hält eine staatliche Beteiligung für angebracht."

    60 Prozent der Befragten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) befürworten sogar eine vollständig staatliche Verantwortung. Nur ein Drittel plädiert für eine gemischte Vorsorge und befürwortet eine höhere Bedeutung der privaten Vorsorge. Nur wenige investieren in die private Altersvorsorge: Das DIW geht davon aus (DIW: Zusätzliche Altersvorsorge erreicht viele Haushalte nicht – deutliche Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen), dass nur 10 Prozent der Bevölkerung die private Zusatzrente im Blick haben und eine entsprechende Vorsorge treffen.

    "Wir wissen aus der Forschung, dass freiwillige Systeme zur zusätzlichen Altersvorsorge nicht die erforderliche Verbreitung erreichen, weil vor allem diejenigen vorsorgen, die ohnehin über ausreichende Ressourcen verfügen", sagt DIW-Rentenexperte Geyer. Ob das AV-Depot aber, wie die Bundesregierung und Finanzexperten hoffen, wirklich ein Erfolg wird, ist völlig offen.

    Vorschaubild: © CC0 / Pixabay / OleksandrPidvalnyi