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Gesundheit

"Männergrippe": Erkältung trifft Männer tatsächlich schwerer als Frauen

Eine klassische "Männergrippe": Wenn Männer unter Symptomen, wie Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Fieber leiden, wird ihnen gerne Wehleidigkeit vorgeworfen. Tatsächlich gibt es aber wirklich Unterschiede zwischen Mann und Frau.
 
"Männergrippe": Männer leiden tatsächlich mehr unter Erkältungen als Frauen. Der Grund: Das Immunsystem bei Frauen geht wirksamer gegen diese Viren vor. Symbolfoto: hans/Pixabay.com

Bei Symptomen einer "Männergrippe" liegt der kranke Mann leidend und ohne Energie auf dem Sofa oder im Bett, während Frau die Erkältung anscheinend viel besser wegsteckt. Aber woran liegt das? Gibt es tatsächlich Unterschiede bei Husten, Schnupfen und Fieber zwischen Mann und Frau?

Laut der Deutschen Familienversicherung ist eine "Männergrippe" die "übertriebene und überempfindliche Reaktion auf Symptome wie Husten und Schnupfen seitens männlicher Betroffener. Das Wort wird meistens scherzhaft gebraucht, um auf die übertriebene Wehleidigkeit bei einer leichten Erkrankung aufmerksam zu machen". Synonyme zur "Männergrippe" sind die Begriffe "Männerschnupfen" oder "Männererkältung". 

"Männergrippe": Immunsystem von Mann reagiert anders als das von Frau

Aber wieso reagieren die meisten Männer empfindlicher als Frauen auf die Erkältungssymptome? Im Durchschnitt sind Männer laut der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) bei einer Erkältung nämlich drei Tage lang krank, Frauen lediglich eineinhalb Tage. Das liegt am Immunsystem, welches beim vermeintlich stärkeren Geschlecht anders funktioniert als bei Frauen.

Die körpereigenen Immunzellen bekämpfen Krankheitserreger, wenn diese in den Körper eingedrungen sind. Es gibt zwei Arten dieser Abwehrhelfer: spezifische und unspezifische Immunzellen. Das weibliche Hormon Östrogen hilft bei der Vermehrung der spezifischen Immunzellen, die nur für die Bekämpfung einer spezifischen Krankheit wirksam sind und sich - je nach Krankheitserreger - millionenfach vermehren müssen, um diesen wirksam bekämpfen zu können. Da der Östrogenspiegel bei Männern niedriger ist als bei Frauen, können sich Viren beim weiblichen Geschlecht weniger schnell vermehren.

Genau gegenteilig wirkt sich das männliche Sexualhormon Testosteron auf die Immunabwehr aus: "Östrogen stimuliert das Immunsystem, Testosteron hingegen unterdrückt es. Das Immunsystem von Frauen reagiert deshalb schneller und aggressiver gegen Krankheitserreger als das von Männern", erklärt Marcus Altfeld vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg. Also: Je höher der Testosteron-Spiegel, desto mehr werden das Immunsystem und damit die harten Kerle geschwächt. Frauen erfreuen sich hingegen einer schnelleren, effektiveren und aggressiveren Bekämpfung von ungewollten Bakterien und Viren.

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Mehr Männer sterben an Grippe

Doch nicht nur bei einer Erkältung, sondern auch bei der echten Grippe sind Unterschiede zwischen Mann und Frau erkennbar. In einer Studie hat der kanadische Forscher Kyle Sue herausgefunden, dass das männliche Hormon auch die Immunreaktion nach einer Impfung gegen die Influenza-Viren hemmen kann. Weiterhin sterben mehr Männer an der Grippe als Frauen und würden häufiger aufgrund der Erkrankung in eine Klinik eingewiesen. Auch genetisch lässt sich der unterschiedliche Gehalt der beiden Hormone Östrogen und Testosteron erklären: Frauen haben statt einer Kombination aus X- und Y-Chromosom zwei X-Chromosomen. Auf dem X-Chromosom liegen besonders viele Gene, die für Abwehrprozesse im Körper wie dem Ausbilden sogenannter "Killer-Zellen" verantwortlich sind.

Über die Ursachen dieser Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es bisher nur wenige Forschungen. Eine mögliche Erklärung könnte in der Evolutionsgeschichte liegen: Der männliche Organismus investiert seine Energie eher in das Körperwachstum, den Muskelaufbau und die Bildung der sekundären Geschlechtsmerkmale und weniger in den Aufbau eines starken Immunsystems.

Der kanadische Forscher Sue ergänzt eine weitere Überlegung: "Auf der Couch liegen, nicht aus dem Bett aufstehen oder Unterstützung bei alltäglichen Aktivitäten zu erhalten, könnte auch evolutionäres Verhalten sein, das kranke Männer damals vor Raubtieren geschützt hat."

Frauen achten mehr auf ihre Gesundheit

Zusammenfassend können also die hormonbedingten und geschlechterspezifischen Unterschiede in der Immunabwehr tatsächlich eine Rolle spielen, weshalb Männer bei einer Erkältung mehr leiden. Allerdings kümmerten sich Männer laut einem Informationsblatt der DGMG zur Männergesundheit auch weniger um eine gesunde Lebensweise und regelmäßige Arztbesuche sowie Vorsorgeuntersuchungen. Die Lebenserwartung eines Mannes läge daher mit 78 Jahren fünf Jahre unter den durchschnittlich 83 Jahren bei Frauen. Auch beim Händewaschen achteten die Frauen gründlicher auf die Hygiene, sie waschen sich durchschnittlich dreimal so oft die Hände wie Männer und könnten sich dadurch auch nicht so schnell mit Keimen anstecken.

Kurzum: Männer können sich bei einer Infektion nicht gänzlich auf die Natur berufen - ihr Schicksal liegt zumindest zu einem Teil auch buchstäblich selbst in ihren Händen.

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