Ob aus Pflichtbewusstsein, schlechtem Gewissen oder weil der Vertrag befristet ist: Häufig schleppen sich Arbeitnehmer krank zur Arbeit, obwohl es legitim und ratsam gewesen wäre, sich krankzumelden oder krankschreiben zu lassen. Doch dieses als "Präsentismus" bezeichnete Phänomen ist nicht nur schädlich für die Gesundheit, es führt einer Studie der Uni Erlangen-Nürnberg zufolge auch zu einem volkswirtschaftlichen Schaden.

Aktuell gibt es noch keine einheitliche Definition für den Begriff Präsentismus und auch keine einheitlichen Handlungskonzepte zum Umgang damit. Da der Beschäftigte anwesend ist, wird Präsentismus nicht deutlich wahrgenommen, auch wird er im Gegensatz zur Krankschreibung nicht regelmäßig erfasst. Fehltage aufgrund einer Krankschreibung werden übrigens im Gegenzug als "Absentismus" bezeichnet.

Folge des Phänomens "Präsentismus": Die Produktivität sinkt

In Studien kommen die Bundesanstalt für Arbeitsschutz, die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin, die Felix-Burda-Stiftung, der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Deutsche Handwerkszeitung stets zum selben Schluss: Wer trotz Krankheit arbeitet, ist körperlich und seelisch beeinträchtigt und nicht so produktiv wie an gesunden Tagen. Arbeits- und Leistungsfähigkeit sind eingeschränkt und möglicherweise steigen die Häufigkeit von Fehlern sowie das Risiko von Arbeitsunfällen.

Ergebnisse der Studie aus Erlangen

Das Autorenteam der Universität Erlangen-Nürnberg hatte 2016 diverse Studien und Berichte der vergangenen Jahre ausgewertet und definierte hohe Kosten infolge von "krank zur Arbeit". So könne es zu einer späteren, dann unter Umständen umso längeren Krankschreibung oder gar dauerhaften Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters kommen. Bei Infektionen wiederum würden möglicherweise andere Mitarbeiter angesteckt, die dann ihrerseits ausfallen.

Der wirtschaftliche Schaden einer Krankheitswelle in der Firma sei erheblich höher als der Ausfall eines einzelnen Arbeitnehmers. Nicht zu vergessen der Kontakt zu Kunden: Wenn hier ein Mitarbeiter jemanden ansteckt, kann das im schlimmsten Fall Beschwerden für das Unternehmen und einen Imageschaden nach sich ziehen.

 

In jüngsten Umfragen sagten mehr als zwei Drittel, an mindestens einem Tag gearbeitet zu haben, obwohl sie krank waren. Gut ein Drittel arbeitete zwei und mehr Wochen trotz gesundheitlicher Beschwerden. Die Gründe: einfach zu viel Arbeit und Termine, Kollegen nicht hängenlassen oder beim Chef nicht schlecht dastehen wollen.

 

Dieses Engagement erscheint zunächst löblich, führt in der Praxis aber zusätzlich zu einem größeren wirtschaftlichen Schaden als der Arbeitsausfall bei Krankmeldung. Verschiedene Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass Präsentismus zumindest so hohe Kosten auslöst wie Absentismus, manche Studien gehen von doppelt so hohen Kosten aus. Möglicherweise wirkt sich Präsentismus negativ auf das Herz-Kreislauf-System aus und zieht Langzeiterkrankungen nach sich.

Die Kosten für Fehlzeiten pro Jahr pro Mitarbeiter

1199 Euro pro Jahr und Mitarbeiter : So hoch sind laut einer Studie der Felix-Burda-Stiftung die Kosten, die deutschen Unternehmen durch krankheitsbedingte Fehlzeiten entstehen. Demgegenüber belaufen sich die Präsentismuskosten auf nicht weniger als 2399 Euro und sind somit doppelt so hoch.

Deshalb ist das nicht vernünftig, sagt zum Beispiel ein Sprecher des Robert-Koch-Instituts und empfiehlt: "Wer erkältet ist, sollte direkt wenigstens ein paar Tage zu Hause bleiben, um sich auszuruhen. Dadurch sind Arbeitnehmer schneller wieder gesund und sie stecken keine anderen Kollegen an."

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