Deutschland
Tempolimit

Neue Berechnung zeigt: So viel Sprit würde ein Tempolimit auf Autobahnen wirklich einsparen

Dass sich durch ein Tempolimit Sprit und CO2 einsparen lassen, ist bereits hinreichend belegt. In einer Erhebung des Umweltbundesamtes ist nun deutlich geworden, wie viel tatsächlich eingespart werden könnte.
Tempo 100 auf Autobahnen
Ein Tempolimit würde könnte dazu beitragen, die Emissionsziele für 2030 zu erreichen. Zudem der Spritverbrauch signifikant verringert werden. Foto: Friso Gentsch/dpa

Deutschland arbeitet mit Nachdruck an Möglichkeiten, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Nicht nur vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges und den Rekordzahlungen an Russland in Höhe von 4,4 Milliarden Euro, sondern auch um den Klimaschutz voranzubringen. 

Die Rekordzahlungen an Russland hängen auch mit den erhöhten Spritpreisen zusammen. Schließlich bezahlte die Bundesregierung in diesem Jahr deutlich mehr Geld für deutlich weniger Öl und Gas. Um den Verbrauch einzuschränken und damit auch das Klima zu schützen wird daher – wiederholt – über ein Tempolimit auf Autobahnen debattiert, so auch jetzt.

Tempolimit sorgt für signifikant geringeren Spritverbrauch

Denn: Je schneller Autos oder Motorräder fahren, desto mehr Sprit wird benötigt. Die logische Schlussfolgerung: Mit einem gültigen Tempolimit lassen sich demnach große Mengen Diesel und Benzin einsparen. Wie viel man tatsächlich sparen kann, das war Gegenstand jüngster Untersuchungen des Umweltbundesamtes (UBA). Das UBA analysierte insgesamt sechs Studien, die sich mit verschiedenen Szenarien zur Treibhausgasneutralität beschäftigt hatten. Das angepeilte Klimaschutzziel, im Jahr 2030 maximal 85 Millionen Tonnen CO₂ im Verkehrssektor auszustoßen, wurde bei der Untersuchung lediglich von einer der Studien, „GreenSupreme“, erreicht. 

Zwei weitere Szenarien hätten zwar ein früheres Sektorziel erfüllt, die aktuellen Ziele seien jedoch jeweils um vier bzw. neun Millionen Tonnen überschritten worden. Im Szenario „GreenMe“ wurde das Klimaziel ebenfalls überschritten, um rund 12 Millionen Tonnen, jedoch liegt dieses „in der Bandbreite des Klimaschutzplans“, wie es in der Erhebung des UBA heißt. Laut Bundesregierung werde derzeit ein Ausstoß von 95 bis 98 Millionen Tonnen CO₂ angestrebt. Die Szenarien „GreenLate“ und „BDI 95“ überschritten das Ziel der Co2-Emissionen für 2030 um 42 respektive 31 Millionen Tonnen CO₂.

Laut UBA zeige die Auswertung der sechs Studien, dass „alle CO₂-Vermeidungsstrategien im Verkehrssektor zeitnah und ambitioniert verfolgt werden müssen, um das deutsche Sektorziel erreichen zu können.“ Prinzipiell seien mehrere Kombinationen von CO₂-Vermeidungsstrategien denkbar. Da jedoch die Emissionen bereits in kurzer Zeit signifikant reduziert werden müssten, gebe es jedoch einen „begrenzten Lösungsraum“. Ein ausführlich diskutierter Punkt des UBA war das CO₂-Minderungspotenzial durch „alle Formen der Geschwindigkeitsbegrenzung“, heißt es in einem Zwischenbericht. Damit sei es möglich, den „kompletten Bestand an Autos, motorisierten Zweirädern und Nutzfahrzeugen kosteneffizient zu adressieren“. Denn: Es brauche keine neuen, potenziell teuren Technologien, gleichzeitig werde der Kraftstoffverbrauch reduziert.

Umweltbundesamt und Deutsche Umwelthilfe sprechen sich für Tempolimit auf Autobahnen aus

Zwei Effekte eines Tempolimits wurden von der UBA gesondert herausgehoben. Die niedrigere Geschwindigkeit durch ein Tempolimit auf Autobahnen verringere den Energieverbrauch durch einen gesenkten Luftwiderstand. Und durch die niedrigere Reisegeschwindigkeit könnte es zu einer Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene kommen. Laut den Berechnungen des UBA könnte ein Tempolimit von 120 Kilometer pro Stunde auf Autobahnen die CO₂-Emissionen um 2,6 Millionen Tonnen verringern. Etwas weniger CO₂ könne man mit einem Tempolimit von 130 Kilometer pro Stunde sparen. Hierbei würde der Ausstoß schätzungsweise um 1,9 Millionen Tonnen CO₂ verringert. 

Bei einer noch drastischeren Einschränkung von maximal 100 km/h könnten etwa 5,4 Millionen Tonnen CO₂ gespart werden. Das UBA gibt an, als Bezugsjahr für die Berechnungen das Jahr 2018 gewählt zu haben. Zudem handele es sich bei den Daten um „konservative Abschätzungen, da nur die direkten CO₂-Minderungen berücksichtigt werden“ könnten. Außerdem habe man Benzin- und Diesel-Verbrauch auf Autobahnen zusammengefasst, „da die CO₂-Emissionen der durchschnittlichen und damit typischen Fahrzeuge in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit sehr ähnlich sind“. Demzufolge geht das UBA beim Verbrauch eines Liters Benzin von 2,5 Kilogramm CO₂ aus. 

Wendet man das Tempolimit auf die Daten während der Corona-Pandemie an, so zeigt sich, dass im Jahr 2020 bei einem Tempolimit von 130 Kilometer pro Stunde insgesamt 600 Liter Benzin hätten gespart werden können. Bei einem Tempolimit von 120 Kilometer pro Stunde ist eine Ersparnis von 800 Millionen Liter Kraftstoff möglich. Rechnet man mit einer Begrenzung auf 100 Kilometer pro Stunde, dann sei sogar eine Ersparnis von 1,7 Milliarden Liter Sprit (vier Prozent des Gesamtverbrauches) möglich. 

Tempolimit rettet Leben, sagt die Deutsche Umwelthilfe

Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) rette ein Tempolimit auch Leben. Demnach würden mehr als 400 Menschen jährlich wegen auf deutschen Autobahnen sterben. „Viele davon wegen nicht angepasster Geschwindigkeiten“, heißt es von der DUH. Jährlich gebe es in Deutschland pro 100 Kilometer Autobahn drei Verkehrstote. Zudem helfe ein Tempolimit gegen Staus, wie in einer Studie festgestellt werden konnte