• Wetter-Extreme nehmen zu - eine Folge des Klimawandels
  • Welche Sorgen haben die Meteorologen?
  • Worauf müssen wir uns einstellen?
  • CO2, Wasserspiegel und der Golfstrom  
  • Welche Chancen haben wir noch, um etwas zu ändern?

Fluten, Waldbrände, Stürme - auch in Deutschland führen zunehmend Wetter-Extreme zu großen Schäden. Diese Phänomene sind nachweislich, wenn auch nicht alle, die Folge des allgemeinen Klimawandels, weshalb wir uns in Zukunft darauf einstellen müssen, regelmäßig gefährlichen Wetterereignissen ausgesetzt zu sein. 

Wetter-Extreme nehmen zu

Von der Flutkatastrophe Mitte Juli 2021 in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinlandpfalz hat sich die dort lebende Bevölkerung noch nicht wirklich erholen können. Zu groß und nachhaltig sind die Schäden, die die Wassermassen angerichtet und dabei Existenzen vernichtet haben. Über 180 Menschen haben ihr Leben lassen müssen. Auch der heißeste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland 1881 liegt noch nicht so weit zurück. Im Jahr 2019 wurden im August Spitzenwerte von 41,2 Grad gemessen. Der Sommer 2019 zählte überdies zu den heißesten Sommern (2003, 2018, 2019) der Messgeschichte. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat jüngst ermittelt, dass es in Deutschland im zurückliegenden Jahr 2021 wärmer, feuchter und sonnenscheinreicher war als im vieljährigen Mittel (1961-1990). Auch noch nicht ganz vergessen ist der Kyrill (2007), einer der teuersten Stürme der Versicherungsgeschichte.

In seinem Faktenpapier zu Extremwetter in Deutschland geht der DWD davon aus, "dass sich die globale Erwärmung [...] in den kommenden Dekaden fortsetzen und damit verschärfen wird." Aus wissenschaftlicher Sicht sind sich die Experten einig, dass Wetter-Extreme wie Starkregen oder "langanhaltende Phasen mit Tageshöchsttemperaturen von 30 Grad Celsius und darüber [...] die Folge der rasch fortschreitenden Erwärmung des Klimasystems" sind.

Jedoch nicht nur hierzulande und in Europa, sondern weltweit lassen sich vergleichbare und teils noch schlimmere Wetter-Extreme immer häufiger und regelmäßig beobachten. Neben regenbedingten Sturzfluten und Überschwemmungen, Hitzewellen und Dürren, gehören auch Orkane, Stürme, Hurrikans und Tornados zu den verwüstenden Wetterereignissen. Anzumerken ist an der Stelle, dass Meteorologen nicht pauschal alle auftretenden Wetter-Extreme auf den Klimawandel zurückführen und deshalb differenzierte Analysen vornehmen.   

Darauf müssen wir uns einstellen

Wenn Wetter-Extreme also im allgemeinen Klimawandel gründen, werden wir weiter und zunehmend diesen Phänomenen begegnen. Abgesehen vom Erleben der unmittelbaren Wetterereignisse selbst, bedeutet das u.a.:

  • Eine zunehmende Schadensgefahr, was neben der potenziellen Vernichtung von Existenzen auch Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft sowie deren Policen und Tarife mit sich bringen wird.
  • Der Ausfall von Ernten wird die Verfügbarkeit und Preisgestaltung von Grund- und Genusslebensmitteln (z.B. Wein, Kaffee, Tee, exotisches Obst und Gemüse) nachteilig beeinflussen. 
  • Weil wir in einer vor allem wirtschaftlich globalisierten Welt leben, werden sich die negativen Folgen sowohl auf die internationalen Handelsbeziehungen als auch auf die nationalen und regionalen Ökonomien erstrecken.   
  • Generell werden sich die Bedingungen in den betroffenen Lebensräumen ändern und in Teilen dramatisch sogar verschlechtern. Gerade auch dann, wenn sich nach Katastrophenlagen in Folge mangelnder Hygiene zusätzlich Krankheiten verbreiten. 

Nicht wenige Menschen verbinden mit dem im Gange befindlichen Klimawandel für unsere Breiten die durchaus positive Vorstellung eines angenehmen mediterranen Klimas. So nach dem Motto "Dann haben wir Mallorca halt vor der eigenen Haustüre". Dieser Fantasie widerspricht Klimaforscher Professor Thomas Stocker entschieden. Er geht vielmehr von steigenden Sommertemperaturen, erhöhten Regenmengen und zunehmenden Windgeschwindigkeiten bei Herbst- und  Frühjahresstürmen aus. "Das bedeutet konkret: mehr Stürme, Überschwemmungen, Sturmfluten und Hitzewellen." Daher schließt er sich auch den allgemeinen Forderungen an, dass wir die Erderwärmung deutlich drosseln müssen. "Wenn es nicht gelingt [...] dann würde etwa statt alle 20 Jahre alle zwei bis drei Jahre eine Hitzewelle auf uns zukommen. Das bedeutet für Mitteleuropa ein völlig anderes, noch wechselhafteres Klima."

CO2, Wasserspiegel und der Golfstrom

Unstrittig, weil messbar, erwärmt sich die Erdatmosphäre zunehmend durch den sogenannten Treibhauseffekt. Hier spielt insbesondere CO2 eine gewichtige Rolle, wobei es zunächst einmal einen natürlichen Bestandteil unserer Erdatmosphäre darstellt. Darüber hinaus wirkt CO2 wie eine Art Schutzschild für unsere Erde. Denn es verhindert das Entweichen von Erdwärme ins Weltall. Ohne Treibhausgase, wozu nicht nur CO2 gehört, läge die Durchschnittstemperatur auf unserem Planeten von Experten berechnet um etwa 33 °C niedriger.

Sowohl die seit Beginn der Industrialisierung vermehrte Verbrennung fossiler Stoffe wie Erdöl oder Kohle, als auch schmelzende Polkappen und die dadurch freigesetzten Gase sowie u.a. die weltweite Entwaldung tragen dazu bei, dass große Mengen an Treibhausgasen in unsere Atmosphäre entweichen. Hierdurch nimmt der Treibhauseffekt zu und das Erdklima erwärmt sich zusehends. Das allein führt nicht allein zu erhöhtem Ausstoß von CO2. Zusätzlich tragen Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche oder der Tsunami vom 11. März 2011 in Japan durch schwere Zerstörungen dazu bei, dass viele tausend Tonnen klimaschädlicher Stoffe freigesetzt werden. Daraus resultiert ein eindeutig belegbarer Emissionsanstieg mit nachteiliger Auswirkung auf unser Klima. Als Folge der Erderwärmung ist auch ein Ansteigen von Meeresspiegel und Meerestemperatur belegbar. Ein weiter steigender Meeresspiegel würde zunächst viele kleinere Inseln (bspw. die Malediven, Seychellen) überschwemmen, dann aber auch größere Küstenregionen in Mitleidenschaft ziehen. Nicht zuletzt würden hierdurch starke Migrationsbewegungen ausgelöst.

Für Europa besitzt der Golfstrom eine große Bedeutung. Er transportiert das warme Wasser aus dem Golf von Mexiko nach Europa und ist dafür verantwortlich, dass hier gemäßigtere Temperaturen herrschen als in anderen Gebieten auf vergleichbarem Breitengrad. Schmelzen nun die Gletscher weiter ab, verringert sich durch die steigende Wassermenge der Salzgehalt im Ozean. Da Süßwasser leichter als Salzwasser ist, verlangsamt sich bei einem abnehmenden Salzgehalt das Absinken von kaltem Wasser vor Grönland. Dies verringert wiederum die Geschwindigkeit der Zirkulation des Golfstroms. Auch wenn sich nicht alle Wissenschaftler über die tatsächlich zu erwartenden Effekte einig sind: Ein mögliches Szenario wäre, dass sich die zu erwartende Durchschnittstemperatur in Europa um 1 bis 2 Grad abkühlen könnte. Ein Umstand, der dauerhaft sicher auch für Flora und Fauna nicht unerheblich wäre.

Welche Chancen haben wir noch, um etwas zu ändern?

Die Antworten auf die Frage, was wir tun können, um den drohenden Folgen des Klimawandels zu begegnen, kannst du in drei Richtungen denken:

  1. Was kann ich persönlich tun?
  2. Was können wir als Gesellschaft gemeinschaftlich ändern?
  3. Wie schützen wir uns vor den unvermeidbaren Folgen? 

Persönlich kannst du bspw. dein Verhalten im Bereich Konsum (ökologische Produkte, Kleidung, Verpackung) und Ernährung (z.B. weniger Fleisch, weniger exotische Nahrungsmittel) anpassen. Du kannst versuchen, Energie einzusparen und bei deiner Mobilität stärker darauf achten, welche Verkehrsmittel du wie oft und zu welchem Anlass benutzt. Du kannst dich in entsprechenden Gruppen engagieren und somit Multiplikator einer Bewegung werden.

Was zunächst im Kleinen beginnt, kann auch im Großen funktionieren. Dazu kommt es neben einem kollektiv gesellschaftlichen Bewusstsein letztlich darauf an, zu handeln und die richtigen Ideen umzusetzen. Die PS muss auf die Straße. Dabei folgt die Industrie i.d.R. den Nachfragegewohnheiten ihrer Konsumenten. Hier liegt dann aber auch ehrlicherweise oft die Krux. Als Gesellschaft sind wir aufgerufen, den Strukturwandel mit innovativen Formen erneuerbarer Energie zu gestalten und die vierte industrielle Revolution auf Basis eines vorhandenen hohen technologischen Niveaus anzugehen. 

Unausweichlich: Müssen uns mit Folgen von Wetter-Extremen beschäftigen

Selbst wenn wir morgen den Ausstoß von CO2 vollständig stoppen würden, so hätten wir doch weiterhin mit den Konsequenzen unseres vorherigen Verhaltens zu kämpfen. Somit ist es auch unausweichlich, sich damit zu beschäftigen, wie wir uns gegen die Folgen von Wetter-Extremen schützen können. Dies können einerseits technologisch hoch entwickelte Warnsysteme sein (Tsunami), veränderte Bauweisen oder Schutzanlagen (Rückhaltebecken, Nebenläufe), welche die Schäden zumindest minimieren. Andererseits hilft ein vorausschauendes Handeln. Hochwassergefahrenkarten und realitätsnah entwickelte Notfallpläne sind da sicherlich nur ein Anfang. Wobei, viel Zeit bleibt uns nicht mehr.  

Warum beim Shoppen mit Blick auf Klima und Konsum weniger mehr ist, kannst du hier nachlesen.