• Wie konnte Franco sich an der Macht halten?
  • Wie gingen andere Länder mit Spanien um?
  • Was hatte Franco für die Zeit nach seinem Tod geplant?
  • Wie wurde Spanien am Ende wieder demokratisch?

1939 hatte Franco es geschafft. Seine Herrschaft über Spanien wurde international anerkannt, der Weg in die Diktatur war beendet. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Weltordnung, Spanien stand mehr oder weniger isoliert da. Franco hielt an seiner Herrschaft trotzdem noch weitere 30 Jahre fest. Wie gelang ihm das und was führte am Ende dazu, dass Spanien die Fesseln der Diktatur abstreifen konnte?

Spanien im zweiten Weltkrieg und die Neuordnung Europas danach

Offiziell verpflichtete sich Spanien während des Zweiten Weltkrieges zur Neutralität. Wie kam es dazu? Am 7. April 1939 kündigte es den Beitritt Spaniens zum Antikominternpakt zwischen dem Deutschen Reich, dem Königreich Italien und dem Kaiserreich Japan an, gefolgt vom Austritt aus dem Völkerbund am nächsten Tag. Als Franco vom Hitler-Stalinpakt erfuhr, war er außer sich. Dass Spanien dadurch zum Verbündeten Russlands wurde, empörte ihn. Am Tag des Deutschen Überfalls auf Polen erklärte er die Neutralität Spaniens. Er begründete dies unter anderem mit dem Mangel an Waffen und Flugzeugen. Allerdings war ihm auch von Admiral Canaris, dem Chef der deutschen Nachrichtendienste, davon abgeraten worden, an der Seite Deutschlands in den Krieg zu ziehen.

Die Briten, vertreten durch zahlreiche Spione in Spanien, kontrollierten die Neutralität und warnten Franco, dass eine spanische Kriegsbeteiligung unweigerlich zum Einmarsch Großbritanniens führen würde. Hitler ließ jedoch nicht locker und verlangte nach der verlorenen Luftschlacht um England, dass Spanien in den Krieg eintreten sollte. Sein Ziel war es, mithilfe der Spanier das unter britischer Herrschaft stehende Gibraltar einzunehmen. Davon versprachen sich die Deutschen freien Zugang zum Mittelmeer und die Kontrolle über die dortige Meerenge. Hitler bot dem spanischen Diktator im Gegenzug Kolonialgebiete in Nordafrika an. Franco weigerte sich hartnäckig, fürchtete es doch den Verlust der Kanarischen Inseln und der Balearen an die Briten. Allerdings entsandte Franco 1941 einen Freiwilligenverband, die "Blaue Division", um Deutschland im Krieg gegen die Sowjetunion zu unterstützen.

Das Verhalten Francos war teils widersprüchlich. Zwar unterstützte Franco öffentlich die Repressalien Hitlers gegen die Juden, doch lieferte er keine spanischen Juden aus und schützte auch die Juden in Marokko weitgehend. Spanien gehörte zu den Ländern, die während des Krieges die meisten flüchtenden Juden aufnahm. Auch lieferte Franco weiterhin Rohstoffe nach Deutschland, dies war das Resultat der Hilfe durch die Deutschen im Bürgerkrieg. Weiterhin gestattete er den Bau einer Versorgungsstation durch den deutschen Ingenieur Gustav Winter auf Fuerteventura. Die Halbinsel Jandia wurde abgesperrt, die Bewohner mussten die Gegend verlassen. Erst 1950 durften sie wieder zurückkehren. Über dem Stützpunkt wurde 1946 die "Villa Winter" errichtet, die zum Ausschleusen von Nazi-Größen nach Südamerika diente. Auch in Spanien selber wurde hochrangigen Nazis Unterschlupf und Hilfe gewährt. 

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges änderte sich die politische Landkarte Europas drastisch. Die faschistischen Regierungen Deutschlands und Italiens existierten nicht mehr, die Faschisten hatten den Krieg verloren. Als letzter Faschist hielt sich Franco jedoch weiter an der Macht, sah aber Spanien weitestgehend isoliert. 1945 befahl er, mit den Hinrichtungen von Gefangenen im Zusammenhang mit dem Spanischen Bürgerkrieg aufzuhören. Dies werteten die Alliierten als ein Zeichen, dass Spanien aufgehört hatte, deutschfreundlich zu sein. Allerdings verweigerte die UNO die Aufnahme Spaniens in die Weltorganisation. Für eine Regierung, deren Grundsätze auf der faschistischen Ideologie beruhen, gäbe es keinen Platz in den Vereinten Nationen, hieß es in der Begründung. Der UN-Weltsicherheitsrat empfahl den Abzug aller Botschafter, einzig Argentinien unter Eva Perón unterhielt noch Beziehungen zu Spanien. Diese Ablehnung hatte massive Konsequenzen, denn Spanien erhielt dadurch keinerlei Hilfen aus dem Marshallplan und geriet daher in große wirtschaftliche Probleme. Um die spanischen Monarchisten auf seine Seite zu ziehen, verkündete Franco im März 1947 die Wiedereinführung der Monarchie. Der Staatsname wurde in "Königreich Spanien" geändert, ein Monarch wurde aber nicht ernannt. De facto war Franco Staatsoberhaupt auf Lebenszeit. 

Der Kalte Krieg und der Weg in die Demokratie

Franco verstand es geschickt, seine Macht zu festigen und auszubauen. Bereits 1945 erließ er ein Gesetz über den Volksentscheid, das es ihm ermöglichte, einzelne Gesetzesprojekte dem Volk direkt zur Abstimmung vorzulegen. Das spanische Parlament wurde in eine beratende Ständeversammlung umgewandelt und damit machtlos. Das "Grundgesetz der Spanier" enthielt zwar einzelne Grundrechte, doch es handelte sich nicht um Abwehr- oder Teilhaberechte, wie sie in anderen demokratischen Verfassungen verankert waren, sondern um staatliche Rechtsgewährungen im Rahmen der franquistischen Herrschaft. Franco verbot alle oppositionellen Parteien und nicht staatliche Gewerkschaften, Spanisch wurde als einzig gültige Landessprache verordnet. Beamter konnte nur werden, wer Katholik war, die Zivilehe wurde verboten. Damit rückte die Kirche näher an Franco heran.

Aufgrund des heraufziehenden Kalten Krieges wurde die diplomatische Isolation Spaniens durch die USA und Frankreich beendet. Man war sich der Wichtigkeit der iberischen Halbinsel bewusst. Franco erlaubte den Bau von Militärbasen der USA im Land und damit zum "Flugzeugträger der USA" im Mittelmeer. Damit ging es auch wirtschaftlich wieder bergauf, das Land konnte Kredite aufnehmen. Spanien war auf einmal ein nützlicher Partner, auch wenn das Land nicht in die NATO eintrat. In den frühen sechziger Jahren kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Mit einer Rahmenplanung griff der Staat in die Wirtschaft ein, in der Folge kam es zwischen 1961 und 1974 zu einem Wirtschaftswachstum von sieben Prozent jährlich. Spanien schaffte es vom Entwicklungsland zur zehntgrößten Industrienation Europas. 

Das Regime begann, sich zu verjüngen. In Schlüsselstellungen, in denen bis dato noch die Veteranen des Bürgerkriegs das Sagen hatten, gelangten immer mehr junge Menschen, die teilweise im Ausland studiert hatten. In ihnen wuchs durch ihre Auslandsaufenthalte die Erkenntnis, dass eine Demokratie nicht zwangsweise zum Chaos führen musste und dass politische Reformen unumgänglich waren. Dazu kamen der wachsende Tourismus sowie die Arbeitsemigration nach Westeuropa. Mit Beginn der siebziger Jahre schritt die Politisierung der Öffentlichkeit weiter voran. Immer noch gelang es Franco, den Menschen einzureden, dass Demokratie zu Chaos, Kriminalität, Pornografie und zum Verlust des erarbeiteten Wohlstandes führen würden. Und immer noch waren viele Spanier für die Diktatur. Doch es zeigten sich Risse, denen alle Maßnahmen wie die Einheitspresse und das vom Staat gelenkte Fernsehen nicht mehr entgegenwirken konnten.

Inzwischen machte sich das Regime auch Gedanken über die Zeit nach Franco. Die Vertreter eines strikt antireformistischen Kurses fühlten sich durch die zunehmende Anzahl von Streiks und auch Attentaten in ihrer Auffassung bestätigt, dass eine Liberalisierung, so vorsichtig sie auch vorgenommen würde, zum Umsturz führen würde. Noch waren sie die Macht im Staate, auch wenn die Kirche sich mittlerweile vorsichtig distanzierte. Die Zahl der wilden Streiks und Attentate durch die ETA stieg, vor allem im Baskenland. Die Anhänger Francos forderten ein härteres Auftreten von Polizei und Militär. In Burgo fand ein aufsehenerregender Prozess gegen Mitglieder der ETA statt, die zum Tode verurteilt wurden, was allerdings auf dem Gnadenweg wieder aufgehoben wurde. Ein weiteres Problem war die steigende Bereitschaft der Arbeitnehmerschaft zum Streik. Die regimenahen offiziellen Gewerkschaften fanden immer weniger Anklang. 

Vor dem Hintergrund dieser innenpolitischen Konflikte signalisierte Franco am Ende des Jahres 1972 ein gewisses Einlenken. Sein Vize-Regierungschef, Admiral Carrero Blanco, schlug Anfang März 1973 die Zulassung politischer Vereinigungen vor, die auch der systeminternen und der gemäßigten Opposition die Möglichkeit zur offiziellen Betätigung bieten sollte. Als Franco am 8. Juni 1973 die Ernennung Carreros zum Vorsitzenden des Ministerrates bekannt gab, bildete der Admiral ein Kabinett, in dem die Gegner von Reformen wieder eine starke Rolle spielten. Innerhalb der spanischen Regierung wuchs der Einfluss der Ultrarechten. Die Ermordung Carreros am 20. Dezember 1973 durch die baskische Separatistenorganisation ETA verstärkte ihren Einfluss noch. Sein Nachfolger Arias Navarro bekannte sich zwar zu einer Modernisierung der Diktatur, aber selbst vorsichtige Reformschritte scheiterten am Widerstand der Falken im Regierungsapparat.

Franco war inzwischen schwer erkrankt und griff nur noch ganz selten in die Tagespolitik ein. Nach seinem Tod folgte ihm der Bourbone Juan Carlos am 22. November 1975 auf den Thron. Damit hatte Spanien wieder einen König. Die Proklamation durch die franquistischen Cortes sollte dem Monarchen zeigen, in welchen Bahnen er sich zu bewegen habe. Er bestätigte Navarro in seinem Amt, der ein neues Kabinett bildete, in dem erstmals auch Politiker der gemäßigten Opposition saßen. Ein grundlegender Wandel der politischen Institutionen blieb aus. Da tauchte Anfang Juli 1976 ein neuer Ministerpräsident auf der Bühne auf: Adolfo Suarez.

Das Ende der Diktatur und die Aufarbeitung

Der neue Mann war außerhalb Spaniens kaum bekannt. Adolfo Suarez, Jahrgang 1932, hatte im Regime Karriere gemacht. Er galt als charmant, kontaktfreudig und opportunistisch. Doch warum ernannte Juan Carlos ihn? Anfang des Jahres 1972 zeigte es sich, dass nur ein konsequenter Übergang zur Demokratie die innenpolitischen Probleme Spaniens lösen konnte. Arias Navaroro gelang es nicht, die Eskalation im Baskenland zu verhindern und die Streiks einzudämmen. Der König und seine Berater erkannten, dass die Zukunft der Monarchie in Gefahr war, wenn der Eindämmungsprozess nicht von oben gesteuert würde. Die USA sagten Juan Carlos ihre Unterstützung zu, allerdings war dessen Einfluss noch durch die Ultrarechten im Parlament sehr stark eingeschränkt. Seit März 1976 suchte er nach einem Ersatz für Navarro. Der neue Ministerpräsident musste eine demokratische Politik glaubhaft verkörpern und sich in der Hinterzimmerpolitik der Diktatur auskennen. Er musste in der Lage sein, mit der illegalen Opposition zu verhandeln und gleichzeitig die Armee, die letzte Hoffnung der Ultrarechten, zu beschwichtigen. Das Projekt eines friedlichen Übergangs setzte außerdem voraus, dass die franquistischen Cortes ihre Selbstauflösung beschließen würden, um für ein frei gewähltes Parlament Platz zu machen.

Suarez suchte schnell den Kontakt zur noch illegalen Opposition. Mit dem Führer der Sozialisten, Felipe Gonzales, traf er sich im August 1976. Zu den Kommunisten nahm er über Mittelsmänner Fühlung auf. Im Fernsehen bekannte er sich unmittelbar nach seiner Ernennung zum Prinzip der Volkssouveränität und kündigte ein Referendum über die grundlegenden politischen Reformen sowie freie Parlamentswahlen vor dem 30. Juni 1977 an. Für viele Spanier schien er der ideale Politiker zu sein, dem es gelingen könnte, den Franquismus zu überwinden, ohne dass es zu einem Putsch der Armee oder zu einem neuen Bürgerkrieg käme. Die Ängste vor einem Aufstand der Streitkräfte waren nicht unbegründet. Während die Industriellen in der Reformpolitik des Ministerpräsidenten eine Chance sahen, warfen Offiziere Suarez vor, seinen Eid auf Franco gebrochen zu haben.

Im Februar 1977 begann die Zulassung politischer Parteien. Die Sozialistische Arbeiterpartei Spaniens (PSOE) konnte erstmals seit 1939 wieder legal arbeiten. Vertreter der gemäßigten Opposition aus der franquistischen Zeit sowie ehemalige Funktionäre des Regimes hatten schon im Oktober 1976 die rechtskonservative Volksallianz gegründet. Am 9. April 1977 legalisierte Suarez auch die Kommunistische Partei, nachdem deren Parteiführung sich zur Monarchie als Staatsform und zu den spanischen Landesfarben bekannt hatte. Im Offizierskorps der spanischen Armee kam es zu wütenden Protesten, doch das Militär blieb in den Kasernen. Suarez übernahm die Spitzenkandidatur der Zentrumsunion (UCD), einer neuen Partei der Mitte, deren Spektrum von gemäßigten Sozialdemokraten über die Liberalen bis hin zu den Christdemokraten reichte. Am Abend des 15. Juni 1977 stand fest, dass die Demokratie gesiegt hatte. Stärkste politische Kraft wurde die UCD mit 34,6 Prozent der Stimmen, gefolgt von den Sozialisten mit 29,4 Prozent. Dahinter folgten mit Abstand die Kommunisten mit 9,4 und die Volksallianz mit 8,4 Prozent. Die gemäßigten Kräfte hatten sich durchgesetzt.

Spanien leidet allerdings bis heute noch unter den Folgen der Diktatur. Eine Aufarbeitung oder ein Auseinandersetzen mit den Ereignissen, vor allem während der Zeit des Bürgerkrieges, findet nur schleppend statt. Es ist unklar, wie viele Menschen Franco letztlich wirklich zum Opfer gefallen sind. Es gibt inzwischen einige Mahnmale, so zum Beispiel in Berlin, doch bleiben viele Ereignisse im Dunkeln. Nach dem Tod Francos 1975 wollten die Menschen einen einfachen Übergang zur Demokratie und akzeptierten, dass die Grausamkeiten des Bürgerkriegs und der Diktatur ungestraft und kaum thematisiert blieben. Einzig das Gesetz des Historischen Andenkens von 2007 versprach staatliche, überwiegend finanzielle Unterstützung für Aufarbeitungsprojekte. Doch es scheiterte mit der Machtübernahme der konservativen Partei 2011. 

Lies hier den ersten Teil: Spanien unter Franco