In einem Zug nach Würzburg hat ein 17-Jähriger am Montagabend mehrere Fahrgäste mit einem Beil und einem Messer angegriffen. Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten zur Tat in Würzburg-Heidingsfeld zusammengefasst.


Axt-Anschlag in Zug - Was wir über die Tat wissen:

- Der Jugendliche verließ am Montagabend gegen 20 Uhr seine Pflegefamilie in Ochsenfurt und packte eine Axt und ein Messer in seinen Rucksack.
- Der 17-Jährige trug nach LKA-Angaben ein weißes T-Shirt mit Schriftzeichen, die der IS-Symbolik ähnelten. Er habe auch ein schwarzes T-Shirt getragen.
- In Ochsenfurt stieg er in den Zug nach Würzburg und attackierte die Reisenden.
- Mit Axt und Messer ging er auf Fahrgäste los und schrie: "allahu akbar" ("Allah ist groß")
- Opfer: Die vier Verletzten im Zug gehörten zu einer Urlauberfamilie aus Hongkong. Vater (62), Mutter (58), ihre Tochter (26) sowie deren Freund (30) wurden verletzt. Ein fünfter Mitreisender, der 17-jährige Sohn, blieb unverletzt.
- Zwei Menschen schweben in Lebensgefahr.
- Nach Angaben der Bundespolizei saßen 25 bis 30 Menschen in dem Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg. Die Bahn war kurz vor dem Ziel, als der Angreifer losschlug. 14 Menschen stehen unter Schock.
- Als der Zug per Notbremse stoppte, sprang er aus dem Zug und flüchtete.
- Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei (SEK) war zufällig bei einem anderen Einsatz in der Nähe. Das SEK verfolgte den 17-Jährigen.
- Der Täter griff auf seiner Flucht eine Spaziergängerin mit der Axt an. Er schlug ihr damit zweimal ins Gesicht. Sie wurde lebensgefährlich verletzt.
- Im Stadtteil Heidingsfeld nahe des Mainufers war der 17-Jährige dann "mit der Axt auf Polizeibeamte losgegangen". Daraufhin haben die zwei Polizisten des SEK auf den Jugendlichen mehrfach geschossen. Er starb an einem Schuss. Die Polizisten hatten nach Ermittlungen des LKA aus Notwehr gehandelt.



Attacke bei Würzburg: Bilder vom Tatort


Was wir über den Täter wissen:

- Der 17-jährige Täter kam ursprünglich aus Afghanistan
- Der Jugendliche war vor zwei Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen. Vor einem Jahr wurde er als Asylbewerber registriert.
- Er war in einem Wohnheim in Ochsenfurt untergebracht, vor zwei Wochen kam er in eine Pflegefamilie
- In seinem Zimmer wurden selbst verfasste Texte gefunden. Ein Text ist auf Paschtu verfasster, teils in arabischen und teils in lateinischen Buchstaben. Ein anderer Text lese sich wie eine Art Abschiedsbrief. Laut des bayerischen Innenministers Herrmann weisen die Texte daraufhin, dass sich der Täter selbst radikalisiert haben könnte. Zudem fand man eine selbst gemalte Flagge des IS.
- Der 17-Jährige wurde als ruhiger und ausgeglichener Mensch geschildert.
- Er sei zwar ein "gläubiger Muslim" gewesen, doch "nur zu wichtigen Feiertagen in der Moschee" gewesen und "nicht jede Woche"
- Der Angreifer habe seiner Pflegefamilie gesagt, er wolle Fahrrad fahren, als er das Haus verließ, teilte das Landeskriminalamt mit. Zwei Tage vor der Tat seien Veränderungen an seinem Verhalten festgestellt worden. Das sei eine sehr kurze Vorlaufzeit gewesen, sagte Kriminaldirektor Lothar Köhler.
- Der Jugendliche machte ein Praktikum in einer Bäckerei mit Aussicht auf eine Lehrstelle. Er sei im Rahmen der Jugendhilfe intensiv betreut worden, sagte Sozialministerin Emilia Müller (CSU) nach Angaben einer Sprecherin.
-Kriminaldirektor Lothar Köhler zufolge gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass es Angehörige des Täters in Deutschland gibt. Die Einreisedaten des Jugendlichen seien überprüft worden, sagte er. Darüber hinaus könne er nur spekulieren. Wenn er Verwandte in Deutschland hätte, wäre der Jugendliche aber wohl nicht in einer Pflegefamilie untergebracht worden.


Was wir über die Hintergründe wissen:

- Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Tat mit fünf Verletzten laut IS-nahen Medien für sich beansprucht
- Nach ersten Ermittlungen hat er seine Opfer zufällig ausgesucht.
- Im Zimmer des 17-Jährigen wurde eine handgemalte IS-Flagge gefunden.
- Bei dem Angreifer wurde auch ein Text gefunden , der darauf hindeutet, dass sich der 17-Jährige "in letzter Zeit selbst radikalisiert hat", sagte Herrmann. Doch "das ist alles noch nicht erwiesen". Es handelt sich dabei um einen Abschiedsbrief des Axt-Angreifers an seinen Vater. Er wurde in arabischer und lateinischer Schrift verfasst und ist schwer zu übersetzen.
-ie Polizei hat das Handy des Axt-Angreifers von Würzburg zwischen dem Main-Ufer und dem Nothalt des Zugs gefunden. Es müsse nun ausgewertet werden, sagte der Kriminaldirektor Lothar Köhler. Der junge Mann habe am vergangenen Samstag viel telefoniert, nachdem er vom Tod eines Freundes in Afghanistan erfahren habe. "Diese Nachricht hat wohl nachhaltig Eindruck auf ihn gemacht", sagte Köhler. Bisher sei nicht bekannt, mit wem er telefoniert habe.


Fragen, die nun noch zu klären sind:

- Welche Verbindung hatte der Täter zur Terrormiliz IS? Bisher gibt es laut Innenminister Herrmann keine Hinweise, dass der 17-Jährige Kontakt zur Terrormiliz hatte.
- Herrmann sagte, es müsse nun dringend geklärt werden, wie es sein könne, "dass jemand, der nach Wahrnehmung seiner Mitmenschen bislang eigentlich eher unauffällig war und auf keinen Fall als radikal erschien, sich mutmaßlich in kurzer Zeit plötzlich umorientiert".
- Der Staatsschutz konzentriert sich nun darauf, das Motiv des Täters aufzuklären.



Mit Material der dpa