Keine Bohrmaschine zur Hand? Kein Problem. Einfach mal beim Nachbarn klingeln und fragen, ob er seine ausleiht.

Das Teilen von persönlichen Gegenständen ist nicht neu. Es ist so alt wie die Menschheit. Aber die Dimensionen haben sich in den vergangenen Jahren geändert. Heute leiht man sich Gegenstände in seiner Nachbarschaft aus, ohne an der Haustüre nebenan klingeln zu müssen. Internetseiten wie zum Beispiel leihdirwas.de oder frents.com (friends rent things) zeigen ganz aktuell, wer Dinge in der eigenen Umgebung zur Verfügung stellt.

Social Web als Antreiber

Der Nürnberger Datev-Chef Dieter Kempf, zugleich Präsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), spricht von einer "Kultur des Teilens". "Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Durchbruch des Social Web zu einem Massenphänomen", sagt Kempf.
Dabei seien Treiber dieses Trends moderne Technologien wie Smartphones oder Lokali sierungsfunktionen.

Dank Internet ist es so einfach wie nie, diese neue Kultur des Teilens auf vielfältige Weise zu praktizieren. Vielfältig sind auch die Begriffe dafür: "Share Economy" oder noch kürzer "Share conomy" ist weltweit zum geflügelten Wort geworden, in Deutschland sprechen einige auch vom Kokonsum, abgekürzt für kollaborativen Konsum.

Was fällt alles unter Sharing?

Auf den Spuren des heiligen Martin, der der Überlieferung nach seinen Mantel mit dem Schwert geteilt und einem Bettler gegeben hat, wandeln dabei nur manche. Wenn es um Sharing geht, sind die begrifflichen Grenzen heute fließend. Dahinter verbergen sich Internetangebote wie das von "Airbnb", wo Leute ihre Wohnung privat vermieten können, ebenso wie das Couchsharing in der Universitätsstadt Bamberg, wo die Betreiber unentgeltlich Kurzzeit-Unterkünfte vermitteln und dabei Kontakte zu Uni-Freunden nutzen.

Will man eine erste Unterteilung der Sharing-Bewegung vornehmen, so empfiehlt sich ein Blick auf die Kosten für den Nutznießer. So unterscheidet sich das unentgeltliche gemeinsame Nutzen von Dingen wie Geräten oder Schlafgelegenheiten von einem anderen wachsenden Angebot, das man als "Mieten statt Besitzen" bezeichnen könnte. Wer etwas vermietet, tut das aber nur gegen Entgelt. Andernfalls spricht das Bürgerliche Gesetzbuch von Leihe.

Neue Geschäftsmodelle

Beim ursprünglichen Sharing-Gedanken geht es darüber hinaus um private Gegenstände und Dienstleistungen. Doch längst haben Unternehmen erkannt, dass sich mit Sharing auch gut Geld verdienen lässt. "Die Ökonomie des Teilens bringt schon heute neue Geschäftsmodelle hervor, sie stellt aber auch viele Geschäftsmodelle von etablierten Unternehmen in Frage", sagt Bitkom-Präsident Kempf.

Mit Carsharing fing es an

Ein Beispiel ist die Deutsche Bahn. "Flinkster" heißt ihr Carsharing-Angebot. Die Bahn ist Marktführer in Deutschland, wenn es darum geht, das gemeinschaftliche Nutzen von Autos zu organisieren. Mit Carsharing fing die Bewegung, immer mehr Dinge miteinander zu teilen, einst an. Mittlerweile ist das Angebot in diesem Segment enorm. Einer Umfrage zufolge kann sich jeder zweite Autofahrer vorstellen, so einen Dienst zu nutzen.
Aus der ursprünglichen Form, bei längeren Fahrten jemanden aus Umweltschutzgründen mitzunehmen, ist in vielen Fällen inzwischen aber ein profitorientiertes Geschäftsmodell geworden. 1998 fing die Plattform Mitfahrzentrale.de an, über das Internet Fahrgemeinschaften zu vermitteln. Was heute Unternehmen wie Flinkster oder Car2Go anbieten, ist freilich nichts anderes mehr als Autovermietung, nur eben individuell und smartphonegetrieben. Allerdings spricht bei Sixt oder Europcar niemand von der Kultur des Teilens.

Eingriff in Wirtschaftskreislauf

Ganz deutlich wird das Problem des profitorientierten Teilens von Mitfahrplätzen im Auto beim Angebot des amerikanischen Online-Vermittlungsdienstes Uber. Uber versucht, Regeln zu umgehen und auf Sicherheitsvorschriften zu verzichten. Konkurrenz macht das Unternehmen den Taxifahrern trotzdem und greift damit extrem in den Wirtschaftskreislauf ein.

Motivation unterschiedlich

Unabhängig von Profitgier und sozialem Engagement findet sich jedoch eine Komponente bei fast allen Sharing-Angeboten: Sie führen zu unkomplizierten Begegnungsmöglichkeiten. Gemeinsam lautet das Schlagwort. Egal, ob Wissen, Gegenstände oder Dienstleistungen - man kann Dinge gemeinsam nutzen, anstatt sie alleine zu besitzen und anderen vorzuenthalten. Ob man damit Geld sparen, Geld verdienen oder einfach nur einen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten möchte, bleibt dem Teilenden selbst überlassen. Die Angebote der fränkischen "Sharing-Landschaft" sind jedenfalls ganz unterschiedlich. Die Meinungen darüber auch.