Ausführlich ermöglichte Bürgermeister Georg Seiffert den Stadträten, sich zum Thema Nationalpark zu äußern. Es gab kritische und mahnende Stimmen aber vorwiegend sprachen sich die Stadträte für Offenheit aus, um die Chance, die ein "Nationalpark Rhön" mit sich bringe nicht zu vergeben.

Manfred Makert schilderte seine Eindrücke von der Informationsfahrt in den Nationalpark Bayerischer Wald und sagte: "Sie wollten uns keinen Nationalpark aufschwatzen. Die sehen einen dritten Nationalpark als Konkurrenz an." Als "ehrlich, informativ und aufrichtig" bezeichnete Jörg Rössler die Gespräche im Bayerischen Wald.
Patrick Bauer habe sich in Bischofsheim ein Stimmungsbild gemacht und viele Gespräche über die verschiedenen Altersstufen hinweg geführt. "Bis auf einen Einzigen gab es keine ablehnende Stimme. Die Bürgerversammlung in Frankenheim hat zum Umdenken angeregt. Die Bürger meinen auch: Warum hört man es sich nicht mal an? Wir verschenken uns gar nichts. Die Chancen sind deutlich größer als die Nachteile, die es gilt abzuschwächen. Wir dürfen jetzt nicht abblocken."
Auch Egon Sturm war dieser Ansicht. Es sei eine Möglichkeit, die Region interessanter und attraktiver zu machen. "Wer das ablehnt hat zu kurz gedacht."
Alfred Thalheimer sprach sich für ein "deutliches Signal nach München" aus. Das Päckchen Nationalpark liege aber noch nicht vor der Türe der Rhöner, sondern in München und habe noch keinen Adressaufkleber. "Die Region weiter zu entwickeln, das heißt etwas verändern, damit es besser wird. Wir müssen das Signal geben, dass wir mitreden wollen. Das Signal muss deutlich machen: Ja die Rhöner wollen."
Mit Hinweis auf das Abstimmungsergebnis in den Walddörfern meinte Thalheimer, dass die Nachbarn aufgeklärt und ihnen ihre Ängste genommen werden müssen. "Dazu muss man aber mal zuhören und nicht nur abblocken." Dann können die Informationen aufgenommen, Ängste abgebaute und die Botschaft ankommen werden: "Ihr liegt falsch, eure Bedenken können ausgeräumt werden. Es geht um mitreden und mitgestalten."
Rudi Büttner sah das anders. Wie er schon in der Bürgerversammlung in Frankenheim sagte, fühle er sich überrumpelt, die sozio-ökonomische Studie könne gesteuert werden und die 10 Millionen für Arbeitsplätze sei nur eine Verlagerung von bisher schon Vorhandenem. "Ich glaube nicht daran, dass wir durch einen Nationalpark mehr gewinnen. Die Bevölkerung bleibt, nicht wegen eines Nationalparks sondern wegen Arbeitsplätzen. Mit Brennholzkonzept und Wildtiermanagement kann ich nichts anfangen, das sind nur Schlagworte." Natürlich seien diese Dinge noch nicht ausgearbeitet, entgegnete Seiffert. "Viele Antworten kann jetzt noch niemand geben, das muss in der Konzeptphase erarbeitet werden."
Auch Christian Enders sprach sich gegen einen Nationalpark und weitere Gespräche aus. Er griff das Bild des Päckchens auf und sagte: "Ich will das Päckchen gar nicht haben." Seiffert: "Lassen wir uns doch überraschen."
Kritisch sah es Manfred Reder, dem das auch alles viel zu schnell gehe und der im Gutachten "Kaffeesatzleserei" sah. "Im Vorfeld wird viel versprochen. Wir hören nur positives, aber bei so etwas gibt es auch Verlierer."
Edgar Schöppner war für den Eintritt in die Konzeptphase, ebenso wie Thomas Wagner. "Irgendeiner beschwert sich immer", meinte er. "Jetzt zu sagen, ich will nicht, halte ich für einen Fehler. In der Konzeptphase können wir die Fragen klären und dann sagen ich will oder ich will nicht. Wer jetzt sagt, ich will nicht, der ist deutlich zu kurz gesprungen."
Joachim Schmidt war ebenfalls mit Bürgermeister Seiffert im Bayerischen Wald und informierte sich vor allem über die landwirtschaftliche Sicht. "Wir vergeben uns etwas, wenn wir jetzt nicht weitermachen", sagte er. "Kritische Fragen sind ehrlich beantwortet worden." Besonders habe ihn die geringe Arbeitslosigkeit von 2,2 Prozent in dieser Grenzregion überrascht. "Dort gibt es Arbeitsplätze, es geht etwas voran. Bäcker und Metzger sind noch vor Ort, die Leben auch vom Tourismus. Wir sollten auf jeden Fall weiter machen."
Alfred Thalheimer ergänzte: "In die Rhön wird keine Industrie kommen. Das kleine Handwerk und die Dienstleister müssen gefördert werden. Diese Chance sollten wir sauber durchprüfen und das Alleinstellungsmerkmal Nationalpark nutzen." Ein Nationalpark habe einen ganz anderen Stellenwert als ein Biosphärenreservat. Auch dürfe die Konkurrenzsituation mit den drei weiteren in Frage kommenden Regionen nicht unterschätzt werden.
Benjamin Lenhardt: "Ein National ist kein Konjunkturpaket. Er steht für sich selbst. Es geht um Arten- und Naturschutz und Biodiversität. Wer dafür nichts übrig hat, wer da dagegen stimmt und es abwürgt, den kann ich nicht verstehen." Dieser Auffassung war auch Joachim Schmidt: "Naturschutz sollte uns etwas Wert sein, auch für unsere Nachkommen." Da kommt eine riesige Aufgabe auf uns zu", befand Marc Trum. Der dritte Bürgermeister Wolfgang Enders fasste zusammen: "Wir sollten die Chance nutzen". me