Bayern möchte seinen Einwohnern ein Geschenk machen: Der Freistaat soll einen dritten Nationalpark bekommen. Die bestehenden Nationalparks im Bayerischen Wald und im Berchtesgadener Land sind vor allem Nadelwälder. Der dritte soll daher ein Laubholzgebiet werden, vorzugsweise mit Rotbuche. Unterfranken hat mit seiner Waldzusammensetzung beste Aussichten, diesen dritten Nationalpark zu erhalten.

Auch in der Rhön wird Ausschau nach einer passenden Fläche gehalten. Nicht jeder ist sofort davon begeistert. Die Rhön hätte zu wenig Wald, lauten die allgemeinen Aussagen, und die wertvollen Wiesengesellschaften der Rhön könnten verloren gehen. Es muss jedoch niemand Angst haben, dass das "Land der offenen Fernen" zuwächst. Es geht um die Wälder der Südrhön, die Eingang in einen Nationalpark finden könnten. Und diese Wälder wären durchaus eines Nationalparks würdig, sowohl was ihre Ausdehnung, vor allem aber, was ihre Qualität anbelangt. Hier gibt es ganz plötzlich die Gelegenheit, eine Entwicklung weiterzuführen, die mit dem Biosphärenreservat begann.
Ein Nationalpark würde den Status des Biosphärenreservats nicht berühren, im Gegenteil: Die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf hat in ihrer Pressemitteilung mit Zahlen belegt, welche Auswirkungen ein Nationalpark auf die wirtschaftliche Entwicklung einer Region hat: "Ein Nationalpark ist ein ökologisches Konjunkturprogramm allererster Güte. Er stärkt die Naturheimat Bayern, erhält die Artenvielfalt und treibt die wirtschaftliche, touristische und infrastrukturelle Gesamtentwicklung voran. Nationalparke sind eine Vitaminspritze für den Tourismus vor Ort", schreibt sie in ihrer Pressemitteilung. Als Beispiel führt sie den Nationalpark Bayerischer Wald an: Dort werden pro Jahr rund 1,5 Millionen Besucher gezählt. Das bringt der Region eine Wertschöpfung von über 20 Millionen Euro jährlich.
"Mit der finanziellen Ausstattung für einen ,Nationalpark Rhön' könnten wir in einem Biosphärenreservat Beispiel dafür werden, wie wir gut leben und gleichzeitig unseren Frieden mit der Natur machen könnten", meint Franz Zang, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz.
Ein Buchennationalpark soll es werden, und wo sonst kann der sein als in einer Region, die schon vor 1000 Jahren von den Mönchen "Buchonia" genannt wurde? So denken viele, die die Rhön gut kennen. Und deshalb wundert sich auch Ingo Queck, stellvertretender Vorsitzender des BN im Landkreis: "Sucht man auf der Karte des Bundesamtes für Naturschutz nach den Hotspots der biologischen Artenvielfalt in Deutschland, dann findet man die Rhön, nicht aber die Wälder, die noch in der Diskussion sind!"
Und Oswald Türbl, Artenschutzspezialist der Kreisgruppe, unterstützt diese Aussage, dass "kein anderes Waldgebiet in Deutschland so viele verschiedene Buchenwaldtypen wie die Rhön aufweist. Elf verschiedene Typen, das ist einmalig!" Das kann die Bewohner der Rhön in der Tat stolz sagen lassen, dass es nirgendwo in Bayern, ja nicht einmal in den Laubwaldgesellschaften unter den Mittelgebirgen Deutschlands, so einen Schatz gibt.
Die geologischen Verhältnisse und die unterschiedlichen Höhenlagen sind die Ursache für diese Vielfalt. Mit anderen Worten: Wer in der Rhön als Wanderer unterwegs ist, kann auf wenigen Kilometern ganz unterschiedliche Laubwaldtypen und ständig wechselnde Landschaftsformen erleben. Gerade das macht die Rhön so reizvoll und gleichzeitig wertvoll für das Ziel der Bewahrung der Artenvielfalt.
Dabei ist es wichtig zu betonen, dass im Gegensatz zu den Kernzonen des Biosphärenreservats ein Nationalpark keinen so strengen Schutzstatus hat: Besucher werden nicht ausgesperrt, in einigen Nationalparks gibt es nicht einmal ein Wegegebot. Die Kernzone muss eine Größe von mindestens 7500 Hektar haben. In der etwa 2500 Hektar großen Entwicklungszone gibt es einen großen Spielraum für waldbauliche Maßnahmen, für eine Beweidung der Freiflächen, insgesamt also Möglichkeiten die wertvollen Bergwiesen zu erhalten. Gerade solche Flächen wären besondere Anziehungspunkte für die Besucher.
Ein Verlust von Biodiversität wegen eines Nationalparks ist, anders als etwa im Spessart, kein Thema, denn die natürliche Vegetation in der Rhön wäre ein Buchenwald. Und davon gibt es genug. Im kürzlich erschienenen Naturschutzkonzept der Bayerischen Stadtforsten werden allein für den Forstbetrieb Bad Brückenau 2500 Hektar "ältere, naturnahe Waldbestände" aufgeführt. Und immer wieder muss betont werden: Die Flächen für den Park kommen ausschließlich vom Staatsforst. Elisabeth Assmann

Links zur Karte des Bundesamtes für Naturschutz:
http://biologischevielfalt.bfn.de/hotspots_karte.html
http://biologischevielfalt.bfn.de/hotspots_kurzbeschreibungen.html