Die Archäologen dachten zuerst, sie hätten die Überreste einer ungarnzeitlichen Wallanlage gefunden. Damit ist eine frühmittelalterliche Befestigung gemeint, die bei der Abwehr einfallender ungarischer Reiterhorden helfen sollte. Da hatten sich die Experten allerdings geirrt: Was das Forscherteam um Dr. Petra Wolters dann fand, war allerdings weitaus spektakulärer: "Das ist auf jeden Fall eine Sensation. Fast wie eine Sechser im Lotto", sagt die Ausgrabungsleiterin. Der Sechser im Lotto kommt in Form eines Sakralbaus aus der Karolingerzeit - mit ihrem berühmtesten Vertreter Karl dem Großen - daher. Dieses Gotteshaus war, erklärt Wolters, Teil des repräsentativen Zentrums einer Königspfalz. Eine solche diente als vorübergehender Aufenthaltsort des Königs - im vorliegenden Fall für den König des Frankenreichs. "Wir bewegen uns zeitlich absolut sicher in der Zeit zwischen 700 und 1000", erklärt die Ausgrabungsleiterin.

Der Fund ist auch deshalb so spektakulär, weil die so entdeckte Pfalz in der Nähe von Bad Neustadt eine von erst fünf aus der Karolingerzeit ist, die Forscher deutschlandweit bisher fanden. Die Ergebnisse auf den entdeckten Sakralbau und den Pfalzkern zu beschränken, würde allerdings zu kurz greifen. So entdeckte das Forscherteam der Universität Jena in den vergangenen Jahren auch frühmittelalterliche Gräberfelder oder etwa die Überreste einer Handwerkersiedlung am Fuße des Veitsbergs.

Sensationsfund: Hochwasserereignisse von Menschenhand - "ein topaktuelles Thema"

Warum die Siedlung vor Jahrhunderten wüst gefallen war? Auch dafür haben die Experten des Forschungsprojekts einen Erklärungsansatz: Wegen zahlreicher Rodungen im Uferbereich der Saale rutschten Sedimente ins Flussbett und hoben es allmählich an. Die Folge waren wiederkehrende Hochwasser in dem Gebiet. "Also Hochwasserereignisse durch menschliche Eingriffe in die Natur - ein topaktuelles Thema", erklärt Wolters.    

Darüber hinaus gäbe es auf dem großen Areal um die Ausgrabungsstelle aber noch viel mehr zu erforschen, wie die Ausgrabungsleiterin betont: "Wir haben nur einen winzig kleinen Teil angekratzt." Das hat jedoch seinen berechtigten Grund. So seien moderne Archäologen darauf bedacht, mit möglichst wenigen Eingriffen und geringem Schaden möglichst viele Fragestellungen zu beantworten, erklärt die Archäologin.  

Eine dieser Fragen ist mittlerweile durch den Einsatz der Archäologen beantwortet: Stand in den folgenden Jahrhunderten ebenfalls eine Befestigungsanlage an dem Ort, an dem einst der Kern der Königspfalz gewesen war? Die Antwort fanden Petra Wolters und ihr Team im Zentrum der Ausgrabungsstelle. Dort war einst eine hochmittelalterliche Turmhügelburg zu finden - also ein runder Steinbau, der von einer runden Palisade und einem Graben umgeben war. 

Ausgrabungsergebnisse sollen in Bad Neustadt ihren Platz finden

Was aktuell noch an der Ausgrabungsstelle zu sehen ist? Wolters Antwort klingt erst einmal ernüchternd: "Nichts, es wurde alles wieder zugeschüttet." Die Ergebnisse will sie der Öffentlichkeit natürlich trotzdem präsentieren - in einem Museum, das in der Alten Amtskellerei in Bad Neustadt seinen Platz finden soll.