Nachhaltigkeit und digitale Sichtbarkeit: Unter diesen Schlagworten stand das Jahrespressegespräch des Tourismusverbandes Franken in Nürnberg am Mittwoch (9. Februar 2022). Thomas Bold, Landrat des Landkreises Bad Kissingen, stellte als Vorsitzender in der digitalen Pressekonferenz die aktuellen Schwerpunkte vor und blickte zudem auf das vergangene Jahr zurück, das erneut von Corona geprägt war, im Vergleich zu 2020 aber eine erfreuliche Entwicklung nahm. 

Allerdings gestaltete sich der Start ins touristische Jahr 2021 durchaus schwierig: "Aufgrund des monatelangen Lockdowns und den damit verbundenen Schließungen waren touristische Angebote und Aktivitäten erst ab Mai 2021 möglich", blickte Thomas Bold zurück.

Fränkischer Tourismus auf dem Weg zu alter Stärke: Wieder mehr Übernachtungen und Ankünfte 

Auch nach dem Lockdown bremste Corona den Tourismus aus: mit Reisebeschränkungen, der Absage von Großveranstaltungen sowie mit Messen und Kongresse, die meist nur digital stattfinden konnten. "Das Ergebnis ist Planungsunsicherheit sowohl aufseiten der Gäste als auch der Gastgeber", stellte Bold fest. "Dazu kommt bei Letzteren ein starker Fachkräftemangel, für den Corona wie ein Brandbeschleuniger gewirkt hat. Diese personelle Lücke zu füllen, ist eine große Herausforderung." In diesem Zuge dankte Thomas Bold der fränkischen Gastronomie, der Hotellerie und den touristischen Anbietern, dass sie sich immer wieder auf neue Vorgaben eingestellt und diese in den laufenden Betrieb integriert haben.

Dem ließ Thomas Bold konkrete Zahlen folgen: Von Januar bis Dezember 2021 besuchten rund 5,4 Millionen Gäste Franken und damit 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Übernachtungen liegen bei rund 14,3 Millionen. Dies bedeutet ein Plus von 7,0 Prozent

Bold zeigte sich zuversichtlich, dass der fränkische Tourismus mittelfristig wieder zu seiner alten Stärke zurückfinden wird. Dabei geben ihm die gesamt-bayerischen Zahlen recht: Franken zeigt sowohl bei den Übernachtungen als auch bei den Ankünften ein klares Plus auf. Und nicht nur das: In beiden Bereichen liegt Franken deutlich über dem gesamtbayerischen Schnitt und belegt bei den Zuwachsraten im Vergleich mit den anderen drei bayerischen Regionen sogar den ersten Platz.

Tourismusentwicklung 2021: Tourismusgebiete in Franken

Auch in den 16 fränkischen Tourismusgebieten, die 2020 Rückgänge von bis zu 50 Prozent bei den Übernachtungen verkraften mussten, geht es nun zum Teil wieder vorsichtig aufwärts.

Die meisten Zuwächse haben bei den Ankünften der Frankenwald mit 10,3 Prozent und bei den Übernachtungen das Romantische Franken mit 17,2 Prozent.

  • Naturpark Altmühltal: Übernachtungen 2021: 1.012.653, Veränderung im Vergleich zum Jahr 2020: +0,6 Prozent, durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Tagen: 2,2
  • Fichtelgebirge: 938.925, + 6,5 Prozent, 2,6
  • Fränkische Schweiz: 666.259, +0,8 Prozent, 2,7
  • Fränkisches Seenland: 908.786, +9,1 Prozent, 3,7
  • Fränkisches Weinland: 1.581.484, +6,8 Prozent, 2,1,1
  • Frankenwald: 603.784, +16,6 Prozent, 3,4
  • Haßberge: 229.069, +13,2 Prozent, 3,0
  • Liebeliches Taubertal: keine Angaben
  • Nürnberger Land: 247.661, -0,9 Prozent, 2,1
  • Obermain·Jura: 467.498, +10,7 Prozent, 3,8
  • Coburg.Rennsteig (ohne Mitglieder in Thüringen): 294.795, -2,2 Prozent, 3,7
  • Rhön: 2.014.048, +7,7 Prozent, 5,7
  • Romantisches Franken: 1.033.269, +17,2 Prozent, 2,3
  • Spessart-Mainland (ohne Mitglieder in Hessen): 893.039, +6,0 Prozent, 2,2
  • Städteregion Nürnberg: 2.016.884, +4,2 Prozent, 1,9
  • Steigerwald: 1.342.792, +8,9 Prozent, 2,6
  • Gesamt: 14.250.946, +7,0 Prozent, 2,6

Tourismusentwicklung 2021 der Städte (Arbeitsgemeinschaft "Die Fränkischen Städte")

"Ein Marktsegment, das erneut stark unter Corona zu leiden hatte, war der Städtetourismus", führte der Vorsitzende weiter aus.

So schwanken bei den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft "Die Fränkischen Städte" die Übernachtungen zwischen Minus 0,3 Prozent in Nürnberg und Plus 56,6 Prozent in Kulmbach.

  • Eichstätt: Übernachtungen 2021: 87.296, Veränderung im Vergleich zum Jahr 2020: +0,7 Prozent, durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Tagen: 1,6
  • Bamberg: 462.099, +4,7 Prozent, 2,0
  • Bayreuth: 297.121, +11,8 Prozent, 2,3
  • Coburg: 76.579, +3,1 Prozent, 2,1
  • Forchheim: 48.621, +50,0 Prozent, 2,7
  • Kulmbach: 78.863, +56,6 Prozent, 2,3
  • Ansbach: 92.473, +15,5 Prozent, 3,3
  • Erlangen: 281.670, -0,9 Prozent, 1,9
  • Fürth: 187.751, +9,5 Prozent, 2,6
  • Nürnberg: 1.496.915, -0,3 Prozent, 1,9
  • Dinkelsbühl: 146.611, +14,2 Prozent, 2,3
  • Rothenburg o. d. Tauber: 260.156, +9,2 Prozent, 1,7
  • Aschaffenburg: 149.693, +3,8 Prozent, 1,9
  • Schweinfurt: 136.280, +5,5 Prozent, 2,0
  • Würzburg: 479.926, +7,0 Prozent, 1,6
  • Gesamt: 4.282.054, +6,7 Prozent, 2,0

Tourismusentwicklung 2021 der Kurorte (Arbeitsgemeinschaft "Heilbäder und Kurorte")

Ebenfalls massiv betroffen waren die fränkischen Heilbäder und Kurorte. Die Bandbreite der Veränderungen bei den Übernachtungen reicht hier von Minus 15,3 Prozent in Weißenstadt bis zu Plus 36,6 Prozent in Bad Königshofen.

  • Bad Berneck: Übernachtungen 2021: 16.737, Veränderung im Vergleich zum Jahr 2020: +8,7 Prozent, durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Tagen: 1,9
  • Bischofsgrün: 91.713, -3,8 Prozent, 7,6
  • Bad Rodach: 141.929, -11,7 Prozent, 9,2
  • Bad Steben: 237.356, +11,7 Prozent, 8,7
  • Bad Staffelstein: 319.416, +12,2 Prozent, 4,5
  • Bad Alexandersbad: 34.941, -4,9 Prozent, 3,2
  • Weißenstadt: 67.829, -15,3 Prozent, 4,7
  • Bad Windsheim: 262.710, +17,8 Prozent, 5,7
  • Treuchtlingen: 47.708, +1,8 Prozent, 2,2
  • Bad Bocklet: 158.310, +13 Prozent, 11,6
  • Bad Brückenau: 189.076, +21,8 Prozent, 5,4
  • Bad Kissingen: 972.968, +4,7 Prozent, 7,9
  • Bad Neustadt a.d.Saale: 280.458, +15,0 Prozent, 10,1
  • Bad Königshofen: 65.679, +36,6 Prozent, 4,7
  • Gesamt: 2.886.830, +8,1 Prozent, 6,5

Tourismus als Wirtschaftsfaktor: Corona sorgt für 4 Milliarden Euro Umsatzausfall

Diese Entwicklung sei umso wichtiger, da der Tourismus in Franken einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt. Bold zitierte hierfür eine Studie des "Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr" (Basis: Tourismusbilanz für 2019). Danach erwirtschaftet der fränkische Tourismus jährlich einen Bruttoumsatz von rund 10,4 Milliarden Euro. Das entspricht 166.300 Personen, die in Franken ihr Haupteinkommen aus dem Tourismus beziehen.

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Dieselbe Studie hat sich auch mit dem Umsatzausfall beschäftigt, der Corona im Übernachtungs- und Tagesausflugsbereich verursacht hat. Er beläuft sich für 2020 auf knapp 4 Milliarden Euro.

Bevor Thomas Bold auf die Jahreshöhepunkte 2022 einging, stellte er zwei besondere Wegmarken des vergangenen Jahres heraus. Im Sommer wurde Bad Kissingen als Teil der "Great Spa Towns of Europe" zum UNESCO-Welterbe erhoben. Damit liegen nun fünf der insgesamt zehn bayerischen UNESCO-Welterbestätten in Franken: Neben Bad Kissingen sind dies die Bamberger Altstadt, das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, die Würzburger Residenz und der Obergermanisch-Raetische Limes. Im Juni 2021 fiel zudem der Startschuss für das Projekt "Spielraum Franken". Damit zeigt der Tourismusverband, dass Franken eine lange und lebendige Tradition als Spielzeugland besitzt und es sich hier hervorragend wertvolle Familienzeit erleben lässt. Neu ist, dass das Projekt konkrete Angebote nicht nur vorstellt, sondern diese über die entsprechende Website auch direkt online buchbar sind (www.spielraum-franken.de).

"Typisch Franken?": Jahreshöhepunkte 2022

Als Höhepunkte für das laufende Jahr präsentierte Bold die Bayerische Landesausstellung "Typisch Franken?", die von 25. Mai bis 6. November 2022 in der Ansbacher Orangerie stattfindet. Sie geht den unterschiedlichen Einflüssen auf den Grund, die Franken geprägt haben. Einem künstlerischen Jubiläum widmet sich Bamberg. Die Stadt feiert "200 Jahre E.T.A. Hoffmann" und damit einen herausragenden Komponisten, Zeichner und Schriftsteller der "Dunklen Romantik", der von 1808 bis 1813 in Bamberg lebte. Weitere Glanzpunkte sind die 125. "Kinderzeche" in Dinkelsbühl sowie die Eröffnung des "Christian Schad Museums" in Aschaffenburg. Zu den fränkischen Kultur-Schwerpunkten gehört weiterhin das Jubiläum "550 Jahre Cranach der Ältere". Cranach wurde 1472 im fränkischen Kronach geboren und zählt neben Albrecht Dürer zu den größten Malern der deutschen Renaissance. Als enger Freund und Porträtist von Martin Luther war er zudem ein wichtiger Wegbegleiter der Reformation. Im Jubiläumsjahr begegnet man ihm bei Ausstellungen und Führungen in Kronach, Coburg, Aschaffenburg und Nürnberg.

Als äußerst wichtig bezeichnete Thomas Bold den Ausbau der digitalen Angebote, die der Tourismusverband bereits seit Jahren forciert. Auch die Web-Auftritte des Verbandes wurden einer Frischekur unterzogen. Aufbauend auf den digitalen Angeboten Frankens werden dort außerdem seit 2021 digitale Touren präsentiert: Sie verknüpfen die Reiseplanung mit virtuellen Angeboten der Verbandsmitglieder und machen somit Appetit auf das reale Erlebnis. Auch dieses Angebot wird weiter ausgebaut.

Im vergangenen Jahr fiel der Startschuss für eine Kooperation zwischen dem Tourismusverband Franken und SAT.1 Bayern. Im Mittelpunkt standen hier die Hausbesuche aus dem Urlaubsmagazin "Freu’ Dich auf Franken" und damit Reportagen über Menschen, die in besonderer Weise mit ihrer Heimat verbunden sind. Sehr produktiv erweist sich der Tourismusverband Franken bei hochwertigem Video-Inhalt für Plattformen wie YouTube. Die bisher 83 veröffentlichen Videos auf dem YouTube-Kanal von FrankenTourismus wurden 2021 insgesamt über eine Millionen Mal aufgerufen und über 2000 Mal positiv bewertet. 

Nachhaltigkeit als roter Faden - durch Online-Buchbarkeit näher am Gast

Auf den Komplex Nachhaltigkeit und Regionalität ging Bold gesondert ein: "Diese beiden Themen sind der rote Faden unserer Arbeit im Jahr 2022 und darüber hinaus!" So steht im Frühjahr eine Kooperation mit der Reiseplattform "Secret Escapes" auf der Agenda, bei der Angebote zum nachhaltigen Urlaub in Franken direkt gebucht werden können. Gestützt wird das Engagement des Tourismusverbandes Franken von den Ergebnissen eines Forschungsprojekts der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Demnach wird die Nachhaltigkeit für den Gast weiter an Bedeutung gewinnen.

Als ebenso wichtig bezeichnete Bold Investitionen in Wissen und Informationsvermittlung: "Mit unserem TourismusNetzwerk Franken bieten wir hierfür unseren Mitgliedern ein auf sie zugeschnittenes digitales Angebot. Dadurch werden Vernetzung und Wissenstransfer deutlich einfacher – zum Beispiel mit Hilfe von eLearning-Angeboten." Eine große Rolle spielen weiterhin Informationsveranstaltungen zur Online-Buchung von Unterkünften als auch von Erlebnisangeboten. Dies sei umso wichtiger, da zwei Trends durch die Pandemie noch einmal stark an Bedeutung gewonnen haben: "Gäste wollen mehr denn je online und verstärkt kurzfristig buchen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen diese Bedürfnisse unbedingt erfüllt werden", so Bold mit Nachdruck.

Ein weiteres Argument: "Gebiete, die die Möglichkeit der Online-Buchung nutzen, haben gleichzeitig ein wirksames Instrument zur Lenkung von Besucherströmen an der Hand.”

Neues Urlaubsmagazin 

Die zunehmende Bedeutung der Digitalisierung schmälert nicht die Rolle der Printmedien des Tourismusverbandes Franken. 2021 haben die Prospektanfragen in der Geschäftsstelle des Verbands erneut die Marke von 20.000 Anfragen überschritten. Stellvertretend für die Vielfalt aus Themenzeitungen, Broschüren und Serviceheften nannte Bold das 148 Seiten starke Urlaubsmagazin "Freu' Dich auf Franken".

Neu in der Ausgabe 2022 ist die Rubrik "Perfekte Tage", die den Lesern konkrete Programmvorschläge für einen Tag in Franken an die Hand gibt. Neu aufgelegt wurde auch das Recherche-Booklet für Medienschaffende, das viele Inspirationen zu individuellen Recherche-Touren und Gruppen-Pressereisen enthält.

Abschließend verwies Thomas Bold auf die aktuelle Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft "Urlaub und Reisen", nach der die Pandemie das Reisen zwar eingeschränkt habe, doch die Reiselust an sich nicht signifikant schmälern konnte. "Deshalb blicken wir, auch wenn uns Corona sicher noch dieses Jahr begleiten wird, zuversichtlich in die Zukunft – als gut aufgestellter Verband, der mit seinen Partnern, Gebieten und Mitgliedern bestens vernetzt ist. Und als touristische Destination, in der unzählige Menschen ihre Leidenschaft und Energie dem Tourismus widmen."

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