Nach außen gibt sich Markus Söder gelassen. Innerlich dürfte der Finanzminister freilich brodeln, nachdem sich eine Zeitung aus München mit der Überschrift "Söder posiert vor falschem Dürer" über die Umbenennung des Nürnberger Flughafens lustig gemacht hatte. Ausgerechnet vor einer Kopie des berühmten Dürer-Gemäldes "Selbstbildnis im Pelzrock" präsentierte Söder kürzlich den neuen Namen: "Albrecht Dürer Airport".

Geflogen ist der 1471 geborene Maler zwar nie. Dennoch soll der berühmteste Sohn der Stadt den defizitären Flughafen wieder in bessere Zeiten führen. "Vom weltweiten Bekanntheitsgrad Albrecht Dürers wird auch die Außendarstellung des Flughafens profitieren", ist sich der Finanzminister sicher. Bei der Vorstellung der neuen Werbestrategie für den Flughafen zu Beginn diesen Monats durfte denn auch ein Gemälde des Meisters nicht fehlen. Dumm nur, dass man den Finanzminister vor einem "gefälschten" Dürer für die Kameras posieren ließ.
Kommentieren wollte der Finanzminister die kleine Anekdote nicht.

Wurmen dürfte es ihn freilich, dass ausgerechnet eine Zeitung aus München die Posse um den falschen Dürer aufgedeckt hat. Im Umfeld des Ministers war man freilich "not amused", dass die 500.000 Euro teure Werbekampagne durch den Kakao gezogen wurde. Mehr Lokalpatriotimus und weniger Scharfsinn hätte sich der Flughafen und vielleicht auch Markus Söder selbst von der "Süddeutschen Zeitung" insgeheim gewünscht. Schließlich hängt der echte "Dürer im Pelzrock" in der Alten Pinakothek in München. Das weiß in Nürnberg jedes Kind.

Seit Jahrhunderten leiden die Nürnberger darunter, dass die Originalgemälde des berühmtesten Sohnes der Stadt nicht in der Heimat des großen Meisters zu sehen sind. Bereits 1627 versuchte die alte Reichsstadt, den bayerischen Kurfürsten Maximilian I. mit "glänzend gemalten" Dürer-Kopien davon abzubringen, die berühmten "Vier Apostel" nach München zu entführen. Der Kurfürst holte den Dürer trotzdem an die Isar. Daraufhin wollten die Nürnberger seine Gemälde wenigstens in adäquaten Kopien besitzen. Auf diese Weise sei im Laufe der Jahrhunderte ein bedeutender Bestand zusammen gekommen, schreibt das "Albrecht Dürer Museum" stolz auf seiner Homepage im Internet. In dem malerischen Geburtshaus des Künstlers unterhalb der Kaiserburg sind viele der kopierten Meisterwerke zu sehen. Auch die berühmt gewordene "Flughafen-Fälschung" kann man im "Dürer-Saal" am Tiergärtnertorplatz bewundern.

Werbeagentur als "Kunstbanause"

Peinlich war der "falsche Dürer" nicht nur für Söder und den Flughafen. Auch die zuständige Werbeagentur stand nach dem Fauxpas plötzlich als "Kunstbanause" da. Die Werbeleute verwiesen nach dem peinlichen Vorfall darauf, dass niemals ein "Anspruch auf historische Originalität" beansprucht worden sei. Vielmehr hätten wirtschaftliche Motive dazu geführt, sich mit der billigen Kopie zufrieden zu geben. Denn das Bildmotiv sei kostenlos auf den Internetseiten der Museen der Stadt Nürnberg zur Verfügung gestanden. Hätte man die digitalen Bildrechte für den echten "Dürer im Pelzrock" erwerben wollen, hätte man Lizenzgebühren bezahlen müssen. Kurioserweise hätte der staatliche Flughafen das Geld an den Freistaat überweisen müssen. Denn die digitalen Bildrechte befinden sich genauso wie das Originalgemälde im bayerischen Staatsbesitz.

In der Zwickmühle scheint sich der fränkische Finanzminister in Sachen Dürer zu befinden. Einerseits ist die neue Markenkampagne des Flughafens durch den "falschen Dürer" bereits beschädigt. Andererseits dürften die Rufe der Nürnberger in Richtung München lauter werden, die Werke des berühmtesten Sohnes der Stadt den Franken zurückzugeben. Fraglich ist freilich, ob selbst Einfluss und Macht des amtierenden Finanzministers aus Franken dafür ausreichen. Schließlich hatte sich Söder bereits im Jahr 2012 vergeblich dafür eingesetzt, das berühmte "Selbstbildnis im Pelzrock" für die große Dürer-Schau im Germanischen Nationalmuseum zumindest zeitweise von München nach Nürnberg zurückzuholen. Noch nicht einmal leihweise ließen die Münchner den echten Dürer nach Franken ziehen.