Keine Chance auf Rettung: Eine Spedition aus Mittelfranken ist insolvent und wird abgewickelt. Aber wie wird eine solche Entscheidung eigentlich getroffen? Ein Profi erklärt.
Bilder vom Hof der Spedition auf einer Auktionsplattform zeigen Lastwagen und Anhänger für Container und Wechselbrücken. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnte der Betrieb hier noch laufen. Schaut man genauer hin, sieht man: Hier fährt kein Lastwagen mehr vom Hof. Unkraut überwuchert allmählich einige abgestellte Fahrzeuge.
Die Klemens Spedition GmbH aus Schwabach hatte bereits im März einen Insolvenzantrag gestellt. Und mittlerweile ist auch klar: Die Firma wird abgewickelt. Das Amtsgericht Nürnberg hatte Rechtsanwalt Tobias Wittmann von der Kanzlei Beck & Partner als Insolvenzverwalter eingesetzt. Dieser bestätigt auf Nachfrage von inFranken.de: Für das Logistikunternehmen gibt es keine Rettung mehr.
Schwabacher Spedition Klemens mit Schulden im mittleren sechsstelligen Bereich
Dem Unternehmen mit Firmengelände im Schwabacher Südosten sind die Kosten über den Kopf gewachsen. Verbindlichkeiten konnten nicht mehr bedient werden. Nach Schätzungen des Insolvenzverwalters hätten der Spedition, die mehr als 60 Beschäftigte hatte, etwa 300.000 bis 400.000 Euro gefehlt, um den Betrieb fortführen zu können.
Ein Investor war nicht zu finden. Andere Unternehmen hätten kein Interesse an einer Übernahme der Logistikfirma gehabt. Die Folge: Zahlungsunfähigkeit. Auf der Plattform restlos.com wurde zuletzt das Inventar der Firma zur Versteigerung angeboten. Vom Sattelzugauflieger über Lastwagen-Anhänger und Gabelstapler bis hin zur Kehrmaschine, Rüttelplatte oder Kleinkram wie Besen oder Bremsbeläge: Alles kam unter den Hammer.
Sobald die Entscheidung steht, dass ein insolventes Unternehmen nicht weitergeführt, sondern abgewickelt wird, wird alles zu Geld gemacht, um die Verbindlichkeiten bei den Gläubigern zu bedienen. Im Falle der Schwabacher Spedition Klemens seien dies neben Kunden beispielsweise Versicherungen oder der Autobahnmaut-Betreiber Toll-Collect gewesen.
Wann ist eine Firma eigentlich insolvent?
Aber wann steht eigentlich fest, dass ein Unternehmen insolvent ist? Wenn der laufende Betrieb nicht weitergeführt werden könne, "dann wird es schwierig", erklärt Insolvenzverwalter Wittmann. Er rät Firmen in finanzieller Schieflage: "Besser ist es immer, frühzeitig einen Insolvenzantrag zu stellen."
Jeder Geschäftsführer müsse immer die Liquidität einer Firma im Auge haben. "Wenn ich dazu nicht in der Lage bin, dann sollte ich mir professionelle Hilfe holen", sagt Wittmann. Spezialisierte Anwälte könnten rechtzeitig beraten, ob schon die Pflicht bestehe, einen Insolvenzantrag zu stellen oder nicht. Gerade kleineren Unternehmen fehle oft das nötige insolvenzrechtliche Wissen, hält der Experte im Gespräch mit inFranken.de fest.