• Röthenbach: Junge rettet verletzten Radfahrer nach Kollision mit Lkw
  • Lkw-Fahrer fährt Radler an und daraufhin weiter - Opfer hilflos
  • "Nicht weggucken": Eltern legen Wert auf Zivilcourage
  • Lorenz wird von Regierungspräsident Mittelfrankens geehrt

Der heute neunjährige Lorenz Werner aus Röthenbach (Nürnberger Land) blickt auf ein Erlebnis zurück, das nahe geht. Auf seinem Weg von der Schule nach Hause wurde er Zeuge einer Kollision zwischen einem Lkw und einem Radler. Der Lkw-Fahrer ließ den 19-Jährigen verletzt zurück, doch Lorenz zeigte Zivilcourage. 

Junge wird Unfallhelfer in Röthenbach: desorientierter Radler "hätte so nicht weiterfahren können"

Am 6. Juli 2021 befand sich Lorenz nach dem Unterricht in der Röthenbacher Seespitzschule zu Fuß auf dem Weg nach Hause, als er Zeuge eines Unfalls wurde. Wie sein Vater Christian Werner im Gespräch mit inFranken.de nachzeichnet, habe ein Lkw einen etwa 19-jährigen Radfahrer angefahren. "Er ist ausgestiegen, hat kurz mit dem Radfahrer gesprochen, seinen Seitenspiegel eingesammelt und ist weitergefahren."

Der junge Mann sei merklich desorientiert gewesen. "Er hätte so nicht weiterfahren können", so Werner, der um die Ecke auf seinen Sohn gewartet habe. "Lorenz kam und sagte 'komm mal mit, das ist ein Unfall passiert'. Dann sind wir zusammen hingegangen. Wir haben den Radfahrer hingelegt. Er hatte sichtbare Knochenbrüche im Gesicht." Lorenz habe daraufhin nach Anweisung seines Vaters ein Handy geholt und den Notruf abgesetzt. "Er kennt die Rufnummern von Feuerwehr und Polizei", ergänzt Werner. 

Bis Rettungsdienst und Polizei antrafen, seien die beiden bei dem Verletzten geblieben. "Die Polizei hat Lorenz dann auch befragt." Der Unfall habe einen mehrtägigen Klinikaufenthalt für den Radler zur Folge gehabt. Nachträglich habe er das Blumengeschäft von Christian Werner aufgesucht und sich bedankt.

Röthenbacher Vater erklärt Erziehungsstil: Kinder sollen erkennen, "wenn etwas falsch läuft"

"Lorenz war bei dem Ereignis natürlich ein bisschen aufgeregt", erinnert sich sein Vater. "Aber ich war ja dabei und wir hatten die Situation im Griff. Ich verhalte mich bei hektischen Situationen auch immer besonders ruhig. Das überträgt sich auf Kinder. Er hat es gut weggesteckt." Werner habe bei der Bundeswehr eine Ausbildung zum Offizier absolviert und sei danach Reserveoffizier geworden. "Ich bin auch bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv und habe eine Sanitätsausbildung", führt er fort.

Unfälle, verletzte Personen und Zivilcourage seien daher alltägliche Gesprächsthemen in der Familie. "Wir erziehen unsere Kinder zum Hinsehen. Sie sollen bei Mobbing, Rassismus oder Ungerechtigkeit nicht weggucken. Sie sollen erkennen, wenn etwas falsch läuft und dagegen ohne Gewaltanwendung angehen. Das kann natürlich Konflikte zur Folge haben, aber die Alternative ist, dass es einem egal ist."

Vor allem auch durch das Sprechen über das Erlebnis habe Lorenz es seelisch und emotional gut verkraftet. Am Dienstag (13. September 2022) wurde er für sein Verhalten in der Residenz Ansbach von Mittelfrankens Regierungspräsident Thomas Bauer mit einer "Patrona-Bavariae"-Medaille geehrt. 

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