Kaum war im Juli 2011 die Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten eröffnet worden, gab es Probleme: Aus einer undichten Fuge in der Anlage schwappte Salzwasser ins Erdreich und richtete Schäden in einem Waldstück des Zoos an. Folge waren eine Reihe von Gutachten, Schuldige wurden gesucht, die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Während die rechtlichen Verfahren noch in der Schwebe sind, starteten jetzt immerhin die Praktiker ihre Arbeit: Die Lagune wird repariert.

Wegen der Bauarbeiten können vorläufig keine Präsentationen in der Anlage stattfinden. "Nach dem Austreten des Salzwassers haben wir lokalisiert, dass eine Fuge zwischen Plattenbelag und Becken nicht wasserdicht verschlossen ist", sagt Dag Encke, Direktor des Tiergartens. Als Notmaßnahme sei der Wasserspiegel in der Lagune abgesenkt worden, danach hätte es keine weiteren Schäden gegeben.


Arbeiten sollen zügig vonstatten gehen

Parallel sei nach Lösungen für die Reparatur des Beckens gesucht worden, wofür man mehrere Verfahren getestet habe. Schon vor einem Jahr hat sich Encke zufolge eine Option als erfolgversprechend abgezeichnet, die jetzt auch umgesetzt wird: Die Beckenkopfanlage werde mit einem Quellband abgedichtet. "Da die Arbeiten wetterabhängig sind, ist es noch nicht vorhersehbar, wann sie abgeschlossen werden können", sagt Tiergarten-Sprecherin Nicola Mögel. "Wir gehen aber davon aus, dass sie zügig vonstatten gehen".

Während des Umbaus ändere sich Encke zufolge für die Besucher wenig. "Lediglich das Wasser im großen Becken wird ein bisschen abgesenkt, damit an der Fuge gearbeitet werden kann." Und natürlich sei das Becken tierfrei. Dafür seien die Delfine in den beiden anderen Becken der Lagune zu sehen - und mit etwas Glück auch durch die Unterwasserscheibe im Tunnel unter der Lagune. Diese ist allerdings am großen Becken angebracht, "und die Delfine spielen am liebsten im kleinen Becken", sagt Direktor Encke. Das heißt, die Besucher müssten sich gedulden, bis die Delfine vorbeikommen - oder sie eben im Freien betrachten.


Im Winter ins Haus

Dort werden sie sich aufhalten, bis das Thermometer unter fünf Grad plus sinkt. "Wenn es draußen zu kalt wird, kommen die Tiere unter die Traglufthalle und ins alte Delfinarium", erklären Encke und Mögel. Die Beckenanlage sei durchlässig, so dass die Delfine ohne Eingrenzung von draußen ins Haus schwimmen könnten. Die komplette Lagune wird mit Meerwasser gespeist, der aufdringliche Chlorgeruch im Delfinarium ist also passé. Da die Lagune im Eintrittspreis inbegriffen sind, können Besucher die Tiere während der kalten Jahreszeit jederzeit - auch außerhalb der Vorführungszeiten - im Haus betrachten.


Moby und Nami: Der Älteste und die Jüngste

Der Tiergarten hält zurzeit zehn Delfine. Aber: "Drei Bullen haben keine Zuchtempfehlung für Nürnberg und wechseln deshalb in andere Delfinarien", sagt Encke. Man habe sie übernommen, als das Delfinarium im Zoo Soltau geschlossen wurde. Sobald die männlichen Delfine abgegeben sein werden, bestehe die Gruppe aus sechs Weibchen - und Moby. Er war einer der letzten Wildfänge und ist Schätzungen zufolge 55 Jahre alt. "Er ist immer noch putzmunter und macht überall mit", sagt Mögel. Sein Pendant am entgegengesetzten Ende der Altersskala ist das "ebenfalls putzmuntere" Delfinweibchen Nami. Ihre Geburt am 31. Oktober 2014 wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, da zuvor 16 Jahre lang keine Delfinaufzucht im Nürnberger Tiergarten gelungen war. Alle Jungtiere starben nach wenigen Tagen. Das spielte Kritikern in die Hände - die Delfinhaltung ist höchst umstritten. In Deutschland gibt es außer in Nürnberg nur noch ein weiteres Delfinarium in Duisburg.