Ein fränkischer Tankstellen-Betreiber ist verärgert über die hohen Spritpreise – denn sie schaden auch vielen Tankstellen selbst. Dafür erntet er Applaus.
Wenn die Spritpreise steigen, richtet sich der Unmut vieler Autofahrer oft gegen die Tankstellen. Doch profitieren diese wirklich von hohen Preisen?
Ein fränkischer Tankstellen-Betreiber will im Gespräch mit inFranken.de mit einem Missverständnis aufräumen. Denn hohe Spritpreise bedeuten für ihn nicht mehr Gewinn - sondern weniger. Die Antwort dürfte viele überraschen.
Tankstellen-Betreiber bei Nürnberg redet Tacheles über Spritpreise: "Leiden unter hohen Preisen"
"Wir als Tankstellen-Betreiber haben keinen Einfluss darauf, wie sich die Kraftstoffpreise entwickeln", erklärt der Betreiber. Die Preise bei markengebundenen Tankstellen wie Shell, Aral oder Esso würden nicht von den Pächtern vor Ort festgelegt. Der entscheidende Punkt, den viele Autofahrer nicht wüssten: "Wir verdienen an einem Liter Sprit immer dasselbe, unabhängig davon, wie viel er kostet." Das sei Teil des Geschäftskonzeptes von Franchise-Tankstellen – anders als bei inhabergeführten, sogenannten "freien Tankstellen":
Hohe Spritpreise schaden dem Geschäft deswegen massiv, so der Betreiber. Wenn der Sprit teurer werde, tanken die Kunden seiner Erfahrung nach weniger. "Das bedeutet für uns: weniger Tankvorgänge und damit Geschäfte, die unter den hohen Preisen leiden", erklärt er.
Im Gespräch mit inFranken.de bestätigt der Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbandes e. V., Herbert Rabl, dass pro Liter Kraftstoff in der Regel 1 bis 2 Cent an Pächter einer Filiale einer Mineralöl-Franchise-Filiale gehen. Der Rest von beispielsweise zwei Euro Benzin geht demnach zur Hälfte an den Staat und den Mineralölkonzern. Diese seien die Hauptprofiteure der hohen Spritpreise. Freie Tankstellen, die meist unter eigenem Namen selbst Kraftstoff ein- und verkaufen, betreiben demnach ein anderes Geschäftsmodell.
"Damit kann ich nicht mal den Strom bezahlen": Gewinn-Einbruch durch zu hohe Spritpreise
Seit der Corona-Pandemie habe sich das Geschäft verschlechtert und sei nie wieder auf das frühere Niveau zurückgekehrt, so der Tankstellen-Betreiber. Homeoffice, hohe Spritpreise und ein verändertes Kundenverhalten hätten dazu geführt, dass Autofahrer genauer hinschauten. Auch im Lkw-Bereich spüre man die Auswirkungen deutlich. Wenn Fahrer nach Tschechien oder Österreich fahren, tankten sie dort. "Ein Lkw tankt 800 Liter – wenn deutlich weniger vorbeikommen, merkt man das schon", so der Betreiber.
"Keine Tankstelle kann sich das Geschäft leisten, wenn sie nur Sprit verkauft. Damit kann ich nicht mal im Monat den Strom bezahlen", erklärt er. Der Großteil des Gewinns werde durch Artikel im Shop wie Zigaretten oder Getränke eingenommen. Bleiben die Kunden zum Tanken aus, nimmt demnach auch der Umsatz der Shop-Einnahmen ab.
Herbert Rabl bestätigt: Rund 60 Prozent der Tankstellen-Einnahmen von Franchise-Filialen werden durch Shop-Produkte gestemmt. "Wenn der Sprit teuer ist, vergeht den Kunden die Lust, etwas im Shop mitzunehmen", sagt er. "Die Konsequenz: Umsatzeinbrüche für die Tankstellen."
Reaktionen auf Facebook: Nutzer stärken Tankstellen-Betreiber den Rücken
Die Stellungnahme des Betreibers stößt auf Facebook überwiegend auf Zustimmung. "Die Tankstellen-Betreiber sind in der Nahrungskette ganz unten und werden selbst von diesen Heuschrecken gebeutelt", schreibt ein Nutzer. Viele Kommentatoren kritisieren, dass manche Kunden die Betreiber für Preise verantwortlich machten, auf die diese keinen Einfluss hätten. "Es ist schon traurig, dass man es in der heutigen Zeit erklären muss, dass die Tankstellen eigentlich nur mit Spritverkauf pleitegehen würden", kommentiert ein weiterer Nutzer.
Einige Kommentatoren fordern sogar Widerstand: "Ihr müsstet alle streiken", schreibt eine Nutzerin. Ein anderer richtet seinen Unmut direkt an die Ölkonzerne: "Die Preise nach oben gehen ganz schnell, aber nach unten ganz, ganz langsam. Und man glaubt, der Verbraucher bekommt das nicht mit. Der Verbraucher bekommt das mit, aber kann im Moment nicht anders."
Ein anderer Nutzer zieht einen Vergleich zur Politik: "Man sagt immer, die Politik hat sich abgekoppelt von der Realität, aber das, was in der Ölindustrie passiert, nenne ich auch Abkopplung von der Realität." Erst kürzlich kritisierte der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger die 12-Uhr-Regel an Tankstellen. Derzeit ist der Preis für E10 kurz vor einem Rekordhoch. Auch niedrige Wasserstände machen das Tanken derzeit teuer.
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