Immer mehr Menschen sind von Wohnungslosigkeit bedroht - auch in Nürnberg. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. schätzt, dass im aktuellen Berichtsjahr 2018 etwa 678.000 Wohnungslose in Deutschland lebten, gut vier Prozent mehr als im Vorjahr. Das teilt die Technische Hochschule Nürnberg mit.

Im Projekt „Securing Housing. Wohnen, Wohnraumverluste und Wohnungslosigkeit in Nürnberg und Wien“ erforscht Prof. Dr. Frank Sowa von der Fakultät Sozialwissenschaften der TH Nürnberg gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Benedikt Rösch, wie sich Wohnraumverlust und Wohnungslosigkeit verhindern lassen. Die Ergebnisse der Langzeitstudie sollen Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Maßnahmen zum Erhalt von Wohnraum sowie zur Vermeidung und Überwindung von Wohnungslosigkeit liefern.

Dafür analysiert das Projektteam in „Securing Housing“ verschiedene Faktoren: Auf der Makroebene analysiert es den gesellschaftlichen Rahmen und die städtischen Diskurse über Wohnen, Wohnraumverlust und Wohnungslosigkeit. Auf der Mesoebene beleuchten die beiden Wissenschaftler die bestehenden Konzepte, Maßnahmen und Unterstützungsangebote durch professionelle Organisationen und Einrichtungen. Und auf der Mikroebene untersuchen sie schließlich die Situationen, in denen sich die von Wohnungslosigkeit Betroffenen befinden. Oftmals stecken diese in einer Abwärtsspirale aus Verschuldung, gesundheitlichen Problemen und fehlenden Netzwerken.

„Innovative Forschung kann einen wesentlichen Beitrag leisten, nachhaltige Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln“, erklärt Prof. Dr. Frank Sowa. „Das kann zum Beispiel eine bedarfsgerechte und angemessene Wohnraumversorgung für alle Bevölkerungsgruppen sein. Insbesondere bei der Frage nach der Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen zur Vermeidung und Überwindung von Wohnungslosigkeit können unsere Forschungsergebnisse Aufschluss geben.“

Um die gesellschaftliche Relevanz und die individuellen Problemlagen zu untersuchen, führt das Projektteam die Studie in zwei Städten durch, die erhebliche Kontraste aufweisen: Wien und Nürnberg. Die österreichische Hauptstadt ist die fünftgrößte Stadt der Europäischen Union und zählt knapp zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Der Ausbau des sozialen Wohnungsbaus begann hier bereits nach dem 1. Weltkrieg und der Kooperationspartner „Wiener Wohnen“ gilt mit seinen 220.000 Gemeindewohnungen als größte kommunale Hausverwaltung Europas. Nürnberg ist mit knapp 520.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die zweitgrößte Stadt Bayerns. Hier hatte der soziale Wohnungsbau nie einen vergleichbaren Stellenwert wie in Wien und ist stark rückläufig.

Das Projekt „Securing Housing“ wird in enger Kooperation mit verschiedenen Nürnberger und Wiener Einrichtungen aus Schuldnerberatung, Sozialer Arbeit und sozialem Wohnungsbau durchgeführt. „Unsere Projektpartner kennen die Schwachstellen im institutionellen Netz der Wohnraumsicherung. Dadurch gewährleisten sie eine praxisorientierte Forschung und vereinfachen den Feldzugang zu Menschen, die Wohnraum verloren haben oder bei denen der Wohnraumverlust verhindert werden konnte“, sagt Prof. Dr. Frank Sowa. Das Projekt der Nürnberger Forscher läuft noch bis zum Jahr 2024 und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert.