Nürnberg
Gespräch

Nürnberger Christkind im Interview: "Bemerkt einmal, wie privilegiert wir eigentlich leben"

Im Interview mit "Gesichter der Demokratie", einer Initiative, die sich seit 2017 für den Schutz und die Stärkung der Demokratie einsetzen, erklärt das diesjährige Nürnberger Christkind, was Demokratie für sie ganz persönlich bedeutet, wo Grenzen der Meinungsäußerung liegen und gibt persönliche Eindrücke in ihr Leben.
 
Im Gespräch mit dem Nürnberger Christkind: Benigna Munsi gibt den Menschen eine ganz besondere Weihnachtsbotschaft mit auf den Weg. Foto: Daniel Karmann/dpa
Im Gespräch mit dem Nürnberger Christkind: Benigna Munsi gibt den Menschen eine ganz besondere Weihnachtsbotschaft mit auf den Weg. Foto: Daniel Karmann/dpa

Benigna Munsi ist das diesjährige Nürnberger Christkind und damit zugleich die Symbolfigur des Nürnberger Christkindlesmarktes. Sven Lilienström, Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie, spricht im Interview mit Benigna über Respekt, Nächstenliebe und über ihre Weihnachtsbotschaft an die Menschen.

Benigna Munsi über Demokratie und "Multikulti"

In seiner letztjährigen Weihnachtsansprache bezeichnete der Bundespräsident die Fähigkeit zum Kompromiss als Stärke der Demokratie. Was bedeutet Demokratie für Dich ganz persönlich Benigna?

Demokratie bedeutet für mich, dass alle Menschen in ihrer Vielfalt gesehen werden. Wichtig ist, Meinungen und Ansichten auszutauschen und zusammen einen Kompromiss zu suchen, der das Interesse der Einzelperson, aber vor allem auch das Wohl aller berücksichtigt.

Die Mehrheit der Deutschen ist weltoffen und sieht kulturelle Vielfalt als Bereicherung. Dein Vater ist gebürtiger Inder, Deine Mutter und Du sind in Deutschland geboren. Wie viel "Multikulti" steckt in Dir?

Den Begriff Multikulti finde ich nicht sehr schön, er hat eine ja schon fast negative Konnotation bekommen. Ich bin - wie jeder andere auch - von verschiedenen Ideen und Einflüssen geprägt, aber mein "indischer" Teil ist nicht so ausgeprägt wie andere Teile von mir, da mein Lebensmittelpunkt nun mal hier - in dieser Gesellschaft - ist. Ich bin eine sehr offene Person und setze mich gerne mit neuen Sprachen, Menschen und Kulturen auseinander.

"Jeder Mensch ist verschieden, hat unterschiedliche Ideale und eben eine persönliche Meinung"

Stichwort Meinungsfreiheit und Social Media: Wo liegen Deiner Meinung nach die Grenzen der freien Meinungsäußerung in sozialen Netzwerken und welche Erfahrungen hast Du mit "Hatern" gemacht?

Ich setze eine absolute und klare Grenze dort, wo ein Mensch durch seine Meinungsäußerung einen anderen Menschen verletzt, ihn persönlich angreift und nicht respektvoll mit diesem umgeht. Jeder Mensch ist verschieden, hat unterschiedliche Ideale und eben eine persönliche Meinung - genau deshalb darf man niemanden verurteilen.

Heutzutage ist es aber leider so, dass auf den Social Media-Plattformen die Hemmschwelle der Menschen so niedrig ist, dass sie nicht darüber nachdenken, was ein Kommentar oder Post bei Menschen bewirken kann. Es ist leichter, einen Kommentar zu verfassen und abzuschicken als mit der Person und ihren Gefühlen direkt konfrontiert zu werden.

Mit Hatern habe ich persönlich keine Erfahrungen. Es gibt aber immer Menschen, die andere Ansichten haben als man selbst. Kommt es dann zu einer Diskussion, einem Gespräch oder einem persönlichen Austausch, umso besser!

Benigna Munsis Weihnachtsbotschaft

25 Mädchen haben sich als Nürnberger Christkind 2019/2020 beworben. Was macht Dich zu einem tollen Christkind und welche Weihnachtsbotschaft möchtest Du den Menschen mit auf den Weg geben?

Ich bin mir sicher, dass alle 25 Mädchen und vor allem natürlich alle fünf, die mit mir in der letzten Runde waren, hervorragende Christkinder geworden wären. Jedes eben auf seine Art und Weise, mit seiner jeweiligen Ausstrahlung - so wie ich es jetzt bin.

Ich denke, dass ich mich gut auf die vielen verschiedenen Menschen, die ich in sämtlichen Einrichtungen treffen werde, einlassen und ihnen durch meine Art auch in schwerer Zeit ein Lächeln schenken kann, um ihnen zu zeigen, dass sie auch dazugehören und ernst zu nehmen sind. Für mich sind alle Menschen ähnlich, Unterschiede sollten nichts Trennendes sein, sondern als Bereicherung gesehen werden. Jeder Mensch verdient Respekt - so wie ich behandelt werden will, gehe ich mit anderen um, zumindest versuche ich es.

Meine Weihnachtsbotschaft: Genießt die Momente mit Euren Liebsten, legt das Smartphone zur Seite und schaut Euch um. Wenn Ihr in den öffentlichen Verkehrsmitteln - den U-Bahnen, Zügen und Bussen - sitzt, dann fangt vielleicht ein Gespräch an oder schenkt einfach mal jemandem ein Lächeln. Auch im Auto kann man freundlich sein. Nicht hupen, sondern einfädeln lassen - so geht es für jeden schneller.

Besinnt Euch und bemerkt einmal, wie privilegiert wir eigentlich leben. Denkt nach, ob und wie Ihr andere unterstützen könnt, denn Weihnachten heißt auch Nächstenliebe. Wobei dies natürlich eine Aufgabe für unser ganzes Leben ist, aber an Weihnachten bekommt man einen Schubser in die richtige Richtung.