• Kindertheater Pfütze Nürnberg: Parcours zum Thema Menstruation
  • Foyerbühne soll den direkten Kontakt mit dem Publikum ermöglichen
  • Menstruation als Tabu-Thema: Künstlerische Leiterin wünscht sich freien Umgang mit der Periode
  • Negative Reaktionen im Netz: "Das ist ein Appell an uns"

Unter dem Motto "Der Tag, an dem ich meine Binde in den Dünen vergrub" hat das Kindertheater Pfütze aus Nürnberg am Freitag und Samstag (16. und 17. Juli 2021) einen Parcours zum Thema Menstruation für Kinder ab zehn Jahren veranstaltet. Damit soll ein eigentlich absolut natürliches Thema enttabuisiert werden. Schon zum Internationalen Tag der Menstruation (28. Mai) gab es dazu in Nürnberg eine Ausstellung von fünf Künstlerinnen.

Kindertheater Pfütze Nürnberg will mit dem Publikum in die Diskussion gehen

"In der aktuellen Spielzeit hatten wir als Überthema für unsere Foyerbühne Sexualität", erklärt die künstlerische Leiterin Elisa Merkens inFranken.de. Die Foyerbühne soll ein Forum schaffen, das den unmittelbaren Kontakt und die Diskussion mit dem Publikum ermöglicht. In dem Zusammenhang sei dann die Idee entstanden, näher auf das Thema Menstruation einzugehen.

"Ich finde es wichtig, weil ich merke, dass es immer noch ein Tabu-Thema ist. Es ist schwer, darüber zu sprechen, ohne auch möglicherweise Menschen anzugreifen, die aus verschiedenen Kulturen stammen und unterschiedliche Umgangsarten mit dem Thema haben", erklärt Merkens. "Ich würde mir wünschen, dass Kinder und junge Erwachsene einen freien und aufgeklärten Umgang mit dem Thema haben." Aus künstlerischer Sicht gehe es ihr bei dem Parcours weniger um die Wissensvermittlung und mehr darum, die Besucher*innen anzuregen, sich eigene Gedanken zu machen.

Der erste Tag, der Freitag, war für Schulklassen reserviert. "Von den Lehrer*innen haben wir das Feedback bekommen, dass es ein sehr guter Beitrag zum Sexualkundeunterricht ist und wir das jetzt jedes Jahr anbieten sollten", sagt Merkens. Auch von den Schüler*innen habe sie nur positives Feedback bekommen. 

Aufklärung zu Menstruation: Kritik im Internet

Aufgebaut war der Parcours aus zwölf verschiedenen Stationen:

  • Erste-Hilfe-Beet: Quiz über zyklusunterstützende Kräuter
  • Publikumsbarometer: Abstimmung mit Rote-Beete-Saft über Aussagen und Fragen zum Thema Menstruation
  • Nähstation: Wie kann man Menstruations-Hygieneprodukte selbst nähen?
  • Kunstausstellung des Künstler*innenkollektivs "ArtiSchocken" Nürnberg
  • "Blutiger Geheimdienst" und Stand des FMGZ (Frauen & Mädchen Gesundheitszentrum): Möglichkeit, Antworten auf eigene Fragen zu bekommen
  • "Geschichtenraum Uterus": Raum, der die Gebärmutter symbolisiert. Dort berichten Menschen in O-Tönen von eigenen Erfahrungen mit dem Thema Menstruation
  • "Intergalaktische Begegnung": Theaterszene über zwei Außerirdische, die Vergleiche zum Zyklus und zur Menstruation auf ihrem eigenen Planeten ziehen
  • "Menstrutopia": Einwerfen von eigenen Utopien zur Menstruation in einen Briefkasten. Diese werden dann von einem Schauspieler mit Megafon laut verkündet
  • "Ich sehe rot": Sonnenschirm mit Bildern und Comics zu selbstbewusstem Umgang mit der Periode
  • Rotes Bistro: Stärkungen in Form von Himbeerlimonade, Erdbeermarmeladenbroten und Wassermelone
  • Souvenirshop: Gewinnen von Souvenirs bei einem Quiz

Das Team bekam aber nicht nur positive Rückmeldungen, sagt Merkens. "Im Netz, vor allem auf Social-Media-Kanälen, wurden wir sehr attackiert. Es gab sogar einen Artikel in der BILD, in dem Ümit Sormaz von der FDP sich negativ geäußert hat", erzählt sie. Negative Reaktionen seien aber nie von Personen erfolgt, die den Parcours tatsächlich besucht haben. "Ich fand es erschreckend, vor allem, wie sich das so schnell hochschaukelt und dass diese Menschen unsere Aktion so aus der Ferne beurteilt haben, ohne hier gewesen zu sein und gesehen zu haben, was wir machen", sagt Merkens.

Negative Reaktionen seien für sie aber keinesfalls ein Anlass, die Aktion nicht zu wiederholen. "Ich finde, das ist eher ein Appell an uns. Es zeigt, dass Menstruation immer noch ein großes Tabu-Thema ist und dass ein großer Bedarf da ist, damit umzugehen, auch wenn die Reaktionen unangenehm sind", sagt Merkens. "Aber letzten Endes ist das Theater frei und ich finde, es hat auch die Aufgabe, sich vor allem schwierigen Themen zu stellen."

Wirkt sich der Mond auf den Menstruations­zyklus der Frau aus? Eine Langzeitstudie kommt zu einem überraschendem Ergebnis: Mehr in einem Plus-Artikel des Fränkischen Tags.