"Experiment" in Nürnberg erhitzt Gemüter: "Dachte, das wär ein Holocaust-Mahnmal"

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Der Verfasser des Posts findet deutliche Worte über das Bauprojekt in Nürnberg.
Post über den Quellepark in Nürnberg
Instagram / Screenshot: inFranken.de
Der Verfasser des Posts findet deutliche Worte über das Bauprojekt in Nürnberg.
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In Nürnberg sorgt ein Bauprojekt der Stadt für Kritik und Häme in den sozialen Netzwerken. Das sagt Bürgermeister Nasser Ahmed dazu.

Ein Bauprojekt der Stadt Nürnberg und von SÖR Nürnberg erntet aktuell online zunehmend Hohn und Spott für seine Gestaltung. Dabei geht es um den Quellepark auf dem Quelle-Areal zwischen Wandererstraße, Augsburger Straße und Adam-Klein-Straße, der 2020 fertiggestellt wurde. Die Stadt Nürnberg weist das Gelände auf ihrer Website als Quartierspark und "wichtiges Signal für den stark verdichteten Nürnberger Westen" aus.

Nasser Ahmed (SPD), Nürnbergs Dritter Bürgermeister und Baubürgermeister, beschreibt den Park gegenüber inFranken.de als wichtigen Beitrag zur Verdichtungsreduzierung im Nürnberger Westen: "Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Fläche zuvor als Parkplatz genutzt wurde und zu rund 96 Prozent asphaltiert war. Die Umwandlung in einen öffentlich zugänglichen Grün- und Spielpark stellt deshalb sowohl städtebaulich als auch ökologisch eine deutliche Aufwertung dar." Doch die Online-Community sieht das anders.

Quellepark in Nürnberg: "Fast die Hälfte Granit, Beton und Schotter"?

Den Stein erneut ins Rollen brachte unlängst der Instagram-Account "reisst.die.steine.raus", der Grün für Nürnberg fordert und oft über bauliche Gestaltung in der Metropole klagt. Konkret geht es um einen bebilderten Post über den Park. Darin bezeichnet der Account den Quellepark als ein "Experiment" der Stadt und einen "Ort, über den die Stadt nicht gerne spricht. Trotz Bürgerbeteiligung wurde fast die Hälfte der Fläche mit Granit, Beton und Schotter zugebaut".

Über den im Post so betitelten "Spielplatz der Generationen" schreibt ein User: "'Spielplatz'? Ich dachte, das wär ein Holocaust-Denkmal." Tatsächlich sind auf dem Bild große Steinblöcke zu erkennen. "Dafür sollten Leute gekündigt werden", schreibt ein anderer Nutzer. "Bodenlos hässlich und unnötig." Ein dritter Nutzer bezeichnet das Gelände gar als "Quälenpark".

Ahmed, der in seiner Funktion als Baubürgermeister für Fragen der Stadtplanung und Stadterneuerung zuständig ist, bewertet die Umgestaltung anders: "Aus fachlicher Sicht wurden wesentliche Ziele der Planung erreicht. Zugleich zeigt die aktuelle Diskussion, dass auch ein umfassendes Beteiligungsverfahren nicht zwangsläufig dazu führt, dass am Ende alle Beteiligten mit sämtlichen Elementen der Gestaltung zufrieden sind." Die Gesamtmaßnahme sei noch nicht abgeschlossen, so Ahmed. Die geplanten, weiteren Anpassungsmaßnahmen ließen laut dem Dritten Bürgermeister "auch die Möglichkeit, weitere Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen zu prüfen". Indes wurde jüngst in Nürnberg über die Zukunft eines historischen Areals entschieden.

Langer Prozess zum Quellepark: Beteiligungsverfahren der Nürnberger Bürger

Das Design des Quelleparks war ein langer Prozess, nachdem die Stadt das Gelände des früheren Quelle-Parkplatzes erworben hatte. "Ziel war von Beginn an, für die vorhandene und die künftige Bewohnerschaft dringend benötigte Grün-, Frei- und insbesondere Spielflächen zu schaffen", sagt Ahmed. "In einem breit angelegten Beteiligungsverfahren wurden rund 1500 Hinweise und Ideen gesammelt."

Diese bildeten demnach die Grundlage für die Gestaltung. Auch das kommentiert eine Nutzerin auf Instagram spöttisch: "Alle durften Vorschläge einreichen, aber dass diese Vorschläge dann auch umgesetzt werden, hat niemand gesagt."

Auch die implizite Kritik, dass die Gestaltung entgegen ihrer Intention zur Versiegelung der Stadt Nürnberg würde, weist Ahmed zurück. "Heute sind weniger als ein Drittel der Parkfläche mit Betonpflaster oder Sportbelägen befestigt. Dabei sind auch die verwendeten Kunststoffflächen wasserdurchlässig. Der Kiesbelag ist ebenfalls versickerungsfähig".

Bürgermeister Nasser Ahmed: "Kritik an einzelnen Elementen ist verständlich"

Dennoch erlaubt Ahmed eine gewisse Ambivalenz. "Kritik an einzelnen Elementen ist verständlich und kann im Einzelfall auch berechtigt sein. In der Gesamtbetrachtung ist die Entwicklung der Weststadt mit dem ehemaligen AEG-Areal, dem früheren Quelle-Versandhaus und zahlreichen weiteren Projekten jedoch ein auch über Nürnberg hinaus beachtetes Erfolgsmodell." Er weist auch auf das noch ausstehende Wachstum der neu gepflanzten Bäume – laut Ahmed 81 an der Zahl – hin.

Das Projekt "The Q" auf dem ehemaligen Quelle-Areal hat ebenso immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Insgesamt kostete die bauliche Umsetzung des Quelleparks die Stadt über zwei Millionen Euro; zusätzliches Budget konnte über eine Förderung gewonnen werden.