Sensation in Franken: Fischadler brüten erstmals auf Hochspannungsmast in Bayern

2 Min

Erstmals brütet ein Fischadlerpaar in Bayern auf einem Hochspannungsmast. Experten erhoffen sich wichtige Erkenntnisse für den Artenschutz.

Der Experte spricht von einer Sensation: Es geht um die erste erfolgreiche Fischadlerbrut auf einem Stromleitungsmast in Bayern. Vier bis fünf Wochen sind die drei Fischadler-Küken alt, die auf einem Hochspannungsmast der Bayernwerk Netz in Mittelfranken ihre Kinderstube haben. Seit wenigen Tagen tragen die Jungvögel einen Ring am Bein, der sie künftig identifizierbar macht. So sollen wichtige Erkenntnisse für den Schutz der seltenen Greifvögel gewonnen werden.

"So nah habe ich noch nie einen Adler gesehen", berichtet Bayernwerk-Netz-Servicetechniker Alexander Dürst. Normalerweise baut, wartet und repariert der Freileitungsmonteur Hochspannungsleitungen. Dieses Mal jedoch führte ihn sein Einsatz zu einem Fischadlerhorst in rund 35 Metern Höhe. Nachdem der betroffene Stromkreis abgeschaltet worden war, um eine Gefährdung zu vermeiden, stieg Alexander Dürst gesichert auf den Mast.

Behutsam setzte er die drei Jungvögel einzeln in einen geräumigen Seesack, der anschließend von seinem Kollegen am Boden abgelassen wurde. "Ich muss sagen, ich war zunächst aufgeregt. Die Tiere waren aber ganz ruhig. Ich hatte befürchtet, dass die Altvögel ihr Nest verteidigen würden, doch sie hielten sich währenddessen in einiger Entfernung auf", berichtet Alexander Dürst von dem ungewöhnlichen Einsatz.

An der Bodenstation nahmen die ehrenamtlichen Beringer Roland und Theresa Geyer die jungen Fischadler in Empfang. Dort wurden die Tiere gewogen sowie Schnabel und Stoß vermessen, bevor jeder Jungvogel einen Ring der Vogelwarte und einen individuell lesbaren Kennring erhielt.

"Wir beringen die Vögel, damit sie später anhand der Ringnummer mit Fernglas oder Kamera eindeutig identifiziert werden können. So können wir nachvollziehen, wie sich die Tiere ausbreiten und wo sie später selbst brüten", erklärt Roland Geyer. Besonders spannend sei dabei der Brutplatz: In Mittelfranken haben in diesem Jahr lediglich zwei Fischadlerpaare erfolgreich Nachwuchs großgezogen.

Während das andere Paar auf einem Baum brütet, befindet sich dieses Nest auf einem Hochspannungsmast. Je nachdem, ob ein Jungvogel auf einem Baum oder Mast geschlüpft ist, wird der Kennring an einem unterschiedlichen Bein angebracht. So möchten die Wissenschaftler herausfinden, ob Fischadler später bevorzugt einen ähnlichen Brutplatz wählen.

"Die Beringung ist wie am Schnürchen gelaufen. Die Helfer haben das ganz toll gemacht und wir konnten die Vögel so wenig wie möglich stören", sagt Theresa Geyer. Das Brutpaar wird im Rahmen eines Artenhilfsprojekts für Fisch- und Seeadler von Ehrenamtlichen beobachtet und dokumentiert.

Nachdem die Untere Naturschutzbehörde Erlangen-Höchstadt und die Obere Naturschutzbehörde Oberfranken, in deren Gebiet sich ebenfalls ein Fischadlerhorst auf dieser Leitung befindet, allerdings noch ohne Brut, die Bayernwerk Netz um Unterstützung gebeten hatten, organisierte das Umweltteam des Energieunternehmens erstmals eine solche Beringungsaktion.

"Umwelt-, Natur- und Artenschutz spielen bei unseren Maßnahmen eine wichtige Rolle, sei es im Leitungsbereich bei Instandhaltungsarbeiten, Ersatzneubauten oder dem Bau und der Modernisierung von Umspannwerken. Deshalb stimmen wir unsere Arbeiten grundsätzlich eng mit den zuständigen Behörden ab", erklärt Ute Gellenthien vom Umweltteam der Bayernwerk Netz.

Solche Erfolge zeigen, wie sich durch gute Kommunikation und die Expertise aller Beteiligten wirksamer Artenschutz gemeinsam umsetzen lässt.

Bei diesem Text handelt es sich um eine Pressemitteilung. 

Vorschaubild: © Bayernwerk