Höhere Zuzahlungen und weniger Leistung: Der Bundestag hat das umstrittene Reformpaket für die Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen beschlossen. Was kommt auf Versicherte zu?
Der Bundestag hat das umstrittene Sparpaket der schwarz-roten Koalition für stabile Krankenkassenbeiträge beschlossen. Für das Gesetz stimmten 319 Abgeordnete, es gab 286 Nein-Stimmen und vier Enthaltungen, wie aus der Tagesordnung des Bundestags hervorgeht. Das Paket sieht Milliarden-Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken, Apotheken und Pharmabranche vor - aber auch höhere Zuzahlungen und Einschnitte für Versicherte. Dies soll die gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr in Milliardenhöhe entlasten und neue Erhöhungen der Zusatzbeiträge verhindern.
Zu den zentralen Punkten der Reform zählen:
- Erhöhung der Zuzahlungsbeträge z. B. auf Medikamente um 50 Prozent auf 7,50 bis 15 Euro.
- Freie Mitversicherung von Ehepartnern wird beschränkt, u. a. auf Eltern mit Kindern unter 12 Jahren.
- Höhere Preisabschläge für Pharmakonzerne.
- Streichung der Zusatzvergütungen und Begrenzung der Vergütungsanstiege für Krankenhäuser und Vertragsärzte.
- Begrenzung der Verwaltungskosten und Werbeausgaben der Krankenkassen.
Gesundheits-Sparpaket beschlossen: Kritik an umstrittener Reform hält an
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte laut der Deutschen Presse-Agentur zuvor in der Debatte: "Alle Beteiligten im Gesundheitswesen leisten einen Beitrag, denn alle profitieren auch langfristig von einer nachhaltigen Finanzierung." Die Lage der Kassen sei dramatisch und erlaube keinen Aufschub. Ohne die Reform drohe 2027 eine Beitragserhöhung von einem Prozentpunkt. Daher gelte: "Wir wollen künftig mit dem Geld auskommen, das wir haben, und nur noch das bezahlen, was nutzt."
Von der Opposition kam Kritik. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sagte, das mit heißer Nadel gestrickte Gesetz schone die eigentlichen Kostentreiber. "Es wird keine Beitragsstabilität geben, sondern Krankenhausinsolvenzen, überlastete Hausärzte und verratene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten." Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek sagte: "Sie gefährden mit diesem Gesetz Menschenleben." Nicole Hess (AfD) sagte: "Das ist keine Reform, das ist eine Einladung zum Rückzug aus der Versorgung."
Warken hatte das Sparziel für 2027 angesichts zuletzt rasanter steigender Ausgaben noch auf 18,8 Milliarden Euro heraufgesetzt. Die neue Lücke werde mit dem nun vorliegenden Entwurf geschlossen, sagte sie. Inwiefern auch noch ein etwas größerer Puffer für Unwägbarkeiten geschaffen wird, war zunächst unklar.
Vor dem Beschluss: Das wurde an der GKV-Reform verändert
Der Entwurf war zuletzt in mehreren Punkten verändert worden. Dabei wurden Belastungen für Versicherte teils abgemildert. So werden die Zuzahlungen von mindestens 5 und höchstens 10 Euro für Medikamente auf 7,50 bis 15 Euro angehoben. Gestrichen wurde aber, dass die Zuzahlungen danach auch jährlich angepasst werden sollen. Die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern wird eingeschränkt, nun aber mit weiter gefassten Ausnahmen. Erhalten bleiben soll sie etwa für Eltern von Kindern unter zwölf Jahren statt unter sieben Jahren, für Eltern behinderter Kinder, bei zu pflegenden Angehörigen und bei Erreichen der Regelaltersgrenze.