"Mit dem Schritt wollte ich einfach zeigen, dass einen vernünftigen Weg gibt, um eine gewisse Planungssicherheit zu haben." Als Einzelhändler kritisiere er die "zermürbende Ungewissheit“. "Wenn ich für 100.000 Euro Sachen bestelle, muss ich das ja auch irgendwie bezahlen. Ohne Ware im Haus kannst du nichts verkaufen." Er kenne viele Menschen aus der Gastronomie und anderen Bergsportläden, die ähnliche Probleme haben.
Unternehmer sieht "riesige Spaltung in der Gesellschaft"
Dabei gehe es seiner eigenen Branche noch relativ gut. "Bei Fahrrädern und Bergsport hat es letztes Jahr einen echten Auftrieb gegeben. Es gibt aber andere Branchen, die nicht so viel Glück hatten wie wir." Er selbst sei in der Lage gewesen, seinen Laden trotz zu erwartender Konsequenzen zu öffnen. "Ich habe noch die Mittel. Ich kann das Risiko noch eingehen, Bußgelder abzubekommen", hält der "Auf und Ab"-Inhaber fest. "Andere stehen da wie gelähmt. Die kommen nicht vor und zurück und müssen einfach gucken, was ihnen dieser Inzidenzwert da vorschreibt."
"Deswegen wollte ich einfach diesen Schritt wagen, um Mut zu machen und einen vernünftigen Weg aufzuzeigen." Er selbst sehe eine "riesige Spaltung in der Gesellschaft". "Da gibt es gefühlt nur Schwarz und Weiß." Einen gemeinsamen Nenner gebe es jedoch: "Ich sehe, dass viele erbost darüber sind, egal ob sie vorher die Regierungsmaßnahmen unterstützt haben oder nicht, dass es jetzt einfach langsam zu viel ist." Rummel hofft deswegen, "dass wir einen Weg finden, wie wir zusammenfinden und nicht jeder noch weiter seine eigene Mauer aufbaut. Das war eigentlich das, was mich dazu bewogen hat."
Er plädiert dafür, das Risiko einer Corona-Infektion zu minimieren und Kundenströme zu entzerren, indem man die Menschen nicht zwinge, geballt in einen Laden, sondern in mehrere zu gehen. "Das war kein Akt der Rebellion" betont Rummel. "Ich wollte einfach nur zeigen, wir können auch verantwortungsbewusst damit umgehen." Sein Appell an die politischen Entscheidungsträger: "Gebt uns die Chance, zu zeigen und zu machen."
"Wünsche mir, dass die Leute wieder ein bisschen Mut fassen"
Um Nachahmer gehe es ihm nicht. "Das muss jeder für sich entscheiden. Aber natürlich wünsche ich mir, dass die Leute einfach wieder ein bisschen Mut fassen - etwa Unternehmer, die jetzt ganz einfach auf dem Zahnfleisch laufen." Als Aufruf will Rummel seine Aktion aber nicht verstanden wissen.
"Natürlich bin ich mit dem Beispiel vorangegangen und habe es so laut gemacht, dass das andere Leute mitbekommen. Aber das muss jeder für sich entscheiden, ob er das für gutheißt." Um auszuschließen, in eine bestimmte Ecke gestellt zu werden, kommuniziert der Laufer Ladenbetreiber lieber selbst - "damit jeder von mir persönlich hört, was ich zu sagen habe."
Corona-Krise: Im Landkreis Forchheim musste ein lokales Sportgeschäft schließen, weil der Vereinssport seit Monaten verboten ist.