"Innerhalb von Sekunden" hat der Landwirt durch das Unwetter am 14. Juli 2026 "alles verloren". Der Schock sitzt tief. Warum er trotzdem keine Spendengelder annehmen will.
"Die ganze Arbeit von einem Jahr ist kaputt!" Sichtlich fassungslos stampft Martin Schneider über sein Beerenfeld in Rückersdorf im Landkreis Nürnberger Land. Das Unwetter, das am Dienstag (14. Juli 2026) über einigen Teilen Frankens gewütet hat, hat auch das Feld des Landwirts nicht verschont. Von den Pflanzen, an denen Kunden aktuell eigentlich selbst Blaubeeren pflücken können, ist nicht mehr viel übrig. Blätter und Früchte hat der Hagel abgerissen. Nur die Stängel bilden noch ein trauriges Überbleibsel des Blaubeerfeldes.
"Das ganze Jahr haben wir darauf hingearbeitet", sagt Martin Schneider im Gespräch mit inFranken.de. Doch dann reichen 30 Minuten Hagel, um alles zugrunde zu richten. Sein Vater Leonhard Schneider, mit dem er das "Beerenland" gemeinsam führt, bezeichnet die Situation der Redaktion gegenüber als "Totalschaden".
Unwetter im Nürnberger Land: "Innerhalb von Sekunden alles verloren"
"Das kann man sich nicht vorstellen. Das ist vielleicht damit vergleichbar, wenn dein Haus abbrennt", sagt er, hörbar geschockt. "Innerhalb von Sekunden verliert man alles." Dabei sei der finanzielle Schaden, den Schneider auf einen sechsstelligen Betrag schätzt, nur das eine. "Wir haben ein Jahr lang beziehungsweise unser ganzes Leben lang, unser Herzblut da reingesteckt. Meine Frau sagt immer: 'Die Beeren sind meine Babys'." Auch in anderen Orten Frankens hat das Unwetter Spuren hinterlassen. Unsere Bilderreihe zeigt das ganze Ausmaß. In Mittelfranken hat das Unwetter etliche tote Störche gefordert. Viele Tiere wurden aus ihren Nestern geweht.
Wie es jetzt weitergeht? Das weiß Leonhard Schneider noch nicht genau. Bereits gepflückte Ware werde noch verkauft. Danach "machen wir das Feld für dieses Jahr zu". Sein Sohn erklärt, er konzentriere sich jetzt darauf, das zu retten, was zu retten ist. Im Fokus stehe, neue Triebe aus den Pflanzen hervorzubringen und die Pflanzen zu stärken, die es nicht ganz so schlimm getroffen hat. Damit solle eine Ernte im folgenden Jahr wieder ermöglicht werden. Sicher ist die Aussicht auf Erfolg allerdings nicht.
"Wir müssen schauen, wie sich der Hagelschaden auf die Pflanzen auswirkt", erläutert Leonhard Schneider. "Die Sträucher müssen erst einmal überleben." In Wolkersdorf bei Schwabach und bei Fürth betreibt das familiengeführte Unternehmen zwei weitere Beerenfelder. Die hat das Unwetter Anfang der Woche verschont. Aber: "Wir sitzen wie auf Kohlen", sagt Leonhard Schneider. Das nächste Unwetter sei bereits vorhergesagt. In Oberfranken hat das Unwetter am Dienstag (16. Juli 2026) einen Dachstuhlbrand ausgelöst. Die Alarmierung hat für die Feuerwehr zu einem gefährlichen Einsatz geführt.
Betreiber lehnen Spenden ab – welche Hilfe stattdessen wirklich ankommt
In den sozialen Medien hat sich mittlerweile Hilfe für die Betreiber des "Beerenlands" formiert. Ein Nutzer hat unter das Facebook-Video von Martin Schneider einen Spendenlink gepostet, um den Betrieb finanziell zu unterstützen. Leonhard Schneider schätzt diese Anteilnahme. Spenden jedoch wolle er nicht annehmen. "Das geht gegen mein Ehrgefühl." Obwohl ihn der Hagelschaden hart treffe, gebe es andere Menschen, "denen es wirklich schlecht geht".
Martin Schneider sieht das ähnlich. "Es gibt Leute, die das dringender brauchen." Seine Devise trotz der anfänglichen Frustration: Kopf hoch und weitermachen. "Das ist halt so. Das gehört auch dazu." Beschädigungen im Feld durch Hagel seien an sich kein neues Phänomen. Ungefähr alle fünf Jahre erleide das "Beerenland" einen Hagelschaden, schätzt der Landwirt. Meistens sei er dabei mit 20 bis 30 Prozent kaputten Pflanzen "relativ glimpflich" davon gekommen. Einen Schaden wie jetzt - "so extrem haben wir das noch nie gehabt".
Auch wenn die Schneiders keine Spendengelder annehmen wollen, gibt es trotzdem etwas, mit dem Kunden dem "Beerenland" in der aktuellen Situation helfen können. "Am meisten ist uns geholfen, wenn die Leute zu unseren anderen Feldern kommen", sagt Leonhard Schneider inFranken.de. "Dort haben wir genügend Beeren." Die beiden Felder der Familie befinden sich in Wolkersdorf und Fürth. Laut den Informationen auf der Website können Kunden dort aktuell Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, rote Johannisbeeren sowie Gurken und Tomaten erwerben.