"Wie hoch müssen die Immobilienpreise in Bamberg denn noch steigen?" fragt Landrat Christian Meißner (CSU) mit einem Hauch von Resignation. Die Domstadt boomt als Wohnstandort, und die A 73 ermöglicht es vielen, die im Landkreis ihren Arbeitsplatz haben, in nicht viel mehr als 15 Minuten von Stadtrand zu Stadtrand zu kommen.
Fluch und Segen zugleich ist die gute Anbindung von Lichtenfels in Richtung Süden und nach Coburg. Auch wenn die Stimmung in der heimischen Wirtschaft nicht schlecht ist, wie aus einer aktuellen Unternehmensbefragung herausgelesen werden kann: Die Bereitschaft, hier zu leben, Familie zu gründen und seine Steuern zu zahlen, könnte ausgeprägter sein.
Der Staffelsteiner Tobias Noras, Student der Betriebswirtschaftslehre (BWL) an der Hochschule Coburg, hat im Auftrag des Landratsamtes einen Fragebogen entworfen, an 1000 Unternehmen verschickt und die Antworten von 293 Firmen ausgewertet.
Mit der Rücklaufquote von gut 29 Prozent war er sehr zufrieden.
Aufschlussreich sind die Zahlen beim Fragenkomplex Standortbewertung. Sie untermauern die oben beschriebene Tendenz: 32 Unternehmen haben derzeit einen Bedarf an 90 hoch qualifizierten Arbeitskräften. Die Situation bei den Arbeitskräften allgemein wird von 60 Prozent der Befragten als weniger gut oder gar schlecht eingeordnet.
Auch bei den Auszubildenden ist nicht alles in Butter: Jeder zweite Betrieb würde Azubis einstellen, wenn es denn welche gäbe. Vor allem das Handwerk schaut oft dumm aus der Wäsche. Vielleicht sind da Social Media ein Fingerzeig auf die Behebung der Misere. Nur 75 Unternehmen (ungefähr ein Viertel) sind nämlich auf Facebook unterwegs. Die anderen können die Jugendlichen also nicht da abholen, wo sie tagtäglich unterwegs sind.
Einen deutlichen Handlungsauftrag an die Kommunen sehen Landrat und die Mitglieder des Ausschusses für Kreisentwicklung bei der mittelfristigen Ausweisung von Industriegebieten.
Hoffnungsfroh stimmt dagegen die Absichtserklärung von 80 Prozent der Befragten, in naher Zukunft die Beschäftigtenzahl beizubehalten. Jeder vierte Betrieb will mehr investieren.
Einige der Ausschussmitglieder setzen ihre Hoffnung auf das duale Bildungssystem, das Studium und Arbeitspraxis eng miteinander verbindet.
Acht Unternehmen im Landkreis Lichtenfels nehmen daran teil.