Matthias Einwag Seinen Unmut über die bauliche Umgestaltung der Stadt hat Bezirksheimatpfleger Günter Dippold in einem Brief an Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) sowie an einige Stadträte deutlich formuliert. Vor allem die Pläne für den Neubau eines futuristischen Gebäudes an Stelle des kürzlich abgebrochenen Hauses Marktplatz 2 sind ihm ein Dorn im Auge, denn das sei "ein im Kern intaktes Gebäude" gewesen und "für unser Stadtbild bedeutsam".

Die von den Eigentümern beabsichtigte Nachfolgebebauung, die seiner Meinung nach an anderer Stelle bereichernd sein könnte, sei für diesen Platz aus städtebaulicher wie denkmalpflegerischer Sicht ganz und gar ungeeignet und schaffe einen schädlichen Präzedenzfall.

"Zersiedlung schreitet voran"

Leider stehe das Vorgehen nicht allein, fährt Dippold fort. So sei die historische Jugendherberge am Stadtgraben, eine der ältesten Bayerns, heuer sang- und klanglos niedergerissen worden. Gleichzeitig würden Neubauten, die jeden Maßstab sprengten, zu Füßen von Vierzehnheiligen errichtet. Auch an anderen Stellen schreite die Zersiedlung der Landschaft voran. "Einen bedachten Umgang mit natürlichen oder kulturellen Ressourcen vermag ich nicht auszumachen. Dabei stünde er einer prosperierenden Stadtentwicklung nicht im Wege."

Expandierende Firmen seien ein Glück für Lichtenfels, schreibt er weiter. Es sei begrüßenswert, wenn städtische Politik deren Gedeihen fördere. "Als Bürger von Lichtenfels wünsche ich mir jedoch, dass meine Stadt ihrer wichtigsten Unternehmensgruppe auf Augenhöhe begegnet und privatwirtschaftliche Anliegen mit anderen Interessen abwägt. Eine solche ergebnisoffene Abwägung erkenne ich derzeit nicht."

Professor Dippold, der für die CSU ein Kreistagsmandat innehat, schließt seinen Brief so: "Der Stadtrat von Lichtenfels hat mir 2004 die Kulturmedaille der Stadt verliehen. Darauf war ich sehr stolz. Angesichts der jetzigen Stadtpolitik auf kulturellem, namentlich auf städtebaulichem Sektor gereicht mir diese Auszeichnung nicht mehr zur Ehre. Ich gebe sie daher zurück."

Zu den Vorwürfen des Bezirksheimatpflegers sagt der Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD), die Verantwortlichen hätten sich die Entscheidung zum Abriss nicht leicht gemacht. "Das Gebäude war weder ein Einzeldenkmal noch hielt es das Landesamt für Denkmalpflege für schützenswert oder sanierungswürdig." Neben kritischen Stimmen gebe es seinem Empfinden nach sehr viele, ja sogar deutlich überwiegend positive Meinungen, "die uns als Stadt ermutigen, sich bei diesem Vorhaben nicht beirren zu lassen". Anzumerken sei, dass die Entscheidung durch ein fachlich hochkarätiges Gremium gemeinsam mit dem Bauherrn getroffen wurde.

Viele positive Projekte angepackt

Den Vorwurf, die Stadt setze leichtfertig die überlieferte Bausubstanz aufs Spiel, lässt Hügerich nicht gelten: "Wir als Stadt gehen sehr bedacht mit unserem Erbe um. Zu nennen sind hier die vielen positiven Projekte der Stadt Lichtenfels. Sanierung der Synagoge, Sanierung historisches Rathaus 1 und 2 sowie die geplante Sanierung und Erweiterung unseres marktplatzprägenden Gebäudes Marktplatz 10 - ehemaliges Hotel Krone - sind nur ein paar Beispiele, die ich aufzählen möchte."

Andreas Hügerich sagt, er sei der festen Überzeugung, dass sich die Stadt Lichtenfels sehr engagiere, wenn es um die Belange der Denkmalpflege oder städtebauliche Probleme gehe. Er bedauere den Entschluss von Professor Dippold zur Rückgabe seiner Kulturmedaille sehr, könne diesen Schritt aber aufgrund der vielen Anstrengungen zum Erhalt der historischen Baukultur nicht nachvollziehen.

Stadtrat Robert Gack (CSU) sagt: "Da bei der Objektvorstellung im Stadtrat eigentlich nur lobende und zustimmende Meinungen von den Stadträten zu hören waren, sollte die Baugenehmigung nur eine Formsache sein." Er fügt hinzu: "Wenn Günter Dippold meint, dass er wegen der positiven Entwicklung in Lichtenfels seine Kulturmedaille zurückgeben muss, so ist das seine Angelegenheit."