Man muss nicht nur gewählt werden, sondern auch immer wieder das Vertrauen der Leute erhalten, wenn man 40 Jahre lang Stadtrat ist. Winfried Weinbeer ist der Einzige, der das in Lichtenfels bisher geschafft hat. Und der dabei auch noch motiviert und aktiv geblieben ist. Mit 82 Jahren hat er das Amt des Dritten Bürgermeisters inne und nimmt Vertretungen für den Rathauschef gerne wahr. Ja, der junge Mann - der noch nicht geboren war, als Weinbeer zum ersten Mal in den Stadtrat gewählt wurde - scheint den erfahrenen Kommunalpolitiker mit seinem Elan in gewisser Weise auch ein wenig zu beflügeln. Denn er äußerte sich bei der Ehrung, die ihm am Montag zuteil wurde, lobend über Hügerichs Führungsstil und Schaffenskraft. Die Stadtratsarbeit, da nickte Weinbeer während der kurzen Rede des Bürgermeisters zustimmend, bescherte in den vier Jahrzehnten nicht nur leicht zu treffende Entscheidungen. Der Bau des Dr.-Hauptmann-Ringes zur Verkehrsentlastung der Innenstadt standen an, die Sanierung des Stadtschlosses und der Bau der Stadthalle, außerdem die Neugestaltung der Innenstadt. Immer sei Winfried Weinbeer daran gelegen gewesen, dass ein Interessenausgleich gefunden wurde, stets habe er das Wohl der Menschen, die in Lichtenfels wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen, im Auge gehabt.
Winfried Weinbeer gehört den Freien Wählern an. Der Geschäftsführer im Ruhestand war schon sechs Jahre lang Kreisrat, bevor er 1978 auch Stadtrat für seine Heimatstadt wurde. Er fungierte über Jahrzehnte hinweg als Sportreferent und hat die Stadt sowohl als Zweiter wie auch jetzt als Dritter Bürgermeister nach innen und außen vertreten.


"Marathonläufer im Ehrenamt"

In wie vielen Vereinen Winfried Weinbeer Mitglied oder gar Ehrenmitglied ist, versuchte Hügerich gar nicht erst aufzuzählen. In Anlehnung an seinen eigenen sportlichen Ehrgeiz zog der Bürgermeister zu dem älteren Kollegen eine Parallele: "Du bist Marathonläufer im Ehrenamt", sagte er und würdigte dessen Einsatzfreude.
Von Freude sprach der Geehrte auch selbst. Es sei eine Freude, in diesem Stadtrat mitzuarbeiten und ein Geschenk, so lange dabei sein zu dürfen. Freilich spüre er das Alter, "speziell in Hüfte und Kniegelenk", sagte er mit einem Schmunzeln, zugleich unterstrich er seine anhaltende Begeisterung für die Aufgaben: "Unser Bürgermeister hat mich noch mal total herumgerissen." Zudem habe er "die beste Sekretärin der Stadt" an seiner Seite, seine Frau Sieglinde habe seine Termine immer mit im Blick. Für sie gab es Blumen und ein Präsent.
Welches Dankeschön wäre dann für jemanden passend, der schon viele staatliche Auszeichnungen und Ehrenmedaillen sowohl der Stadt als auch des Landkreises erhalten hat?
Noch eine Urkunde, natürlich. Zu dem noch nie dagewesenen Anlass passte aber vor allem die Spezialanfertigung, die Andreas Hügerich in einem kleinen Kästchen überreichte: Eigens für Winfried Weinbeer hatte man das Logo der Stadt, den Flechtknoten, aus Bronze herstellen lassen - dies im 3D-Druckverfahren von der heimischen Firma Concept Laser. Eine gelungene Überraschung mit Symbolcharakter und besondere Anerkennung. Aus dem Gremium gab es dazu Applaus.
In eigener Sache ergänzte Bürgermeister Hügerich (SPD), dass er die Sitzung im Mai - dem Monat seiner Amtseinführung - zum Anlass nehme, seinen beiden Stellvertretern und dem gesamten Stadtrat Dank für die "tolle Zusammenarbeit" in den zurückliegenden vier Jahren zu sagen.