Dass die Wintergerste im Mai erfroren ist, kam bestimmt in den letzten 120 Jahren nicht vor, sagt Landwirt Lothar Teuchgräber: "Kein Landwirt kann sich daran erinnern, und auch den Vorfahren ist das nicht passiert." Der April war in diesem Jahr sehr trocken und warm. Das Getreide sei deshalb schneller gewachsen. "Die Wintergerste braucht keine Insekten zur Befruchtung und gerade als die Befruchtungsbeutel an den Ähren soweit waren, kamen die Eisheiligen pünktlich."

Dass sich schließlich keine Körner ausbilden konnten, bewertet der 49-Jährige, der Mastrinder hält und Getreide anbaut, als einen "ungünstigen Zusammenfall vieler Negativfaktoren". Die Wintergerste wird bereits im September oder Oktober ausgesät. "Sie braucht einen Kältereiz, um zu wachsen", berichtet der Unterzettlitzer.

Dass die Getreidesorte während der Wintermonate erfroren ist, kam bereits häufiger vor. "Zum Beispiel durch den sogenannten Kahlfrost, also wenn bei strengem Frost keine Schneedecke da ist", erklärt Teuchgräber, der im Jahr 1996 seinen Hof in Unterzettlitz übernommen hat. Auch sei es bereits passiert, dass die Wintergerste vom Schnee erdrückt wurde.

Mais verträgt Trockenheit

Seine Felder bestückt Teuchgräber in diesem Jahr mit Mais, Erbsen, Gerste und Weizen. "Allerweil schaut es wettertechnisch in diesem Jahr besser aus als in den Vorjahren", zieht er vorläufig Fazit. Generell sei der Mais die Sorte, mit der in trockenen Jahren noch die höchsten Erträge pro Hektar erzielt werden können. Weil in Deutschland verboten ist, gentechnisch veränderte Pflanzen anzubauen, müssen Sorten gezüchtet werden, die mit der Trockenheit besser klarkommen. "Das ist ein langer Prozess."

Um in einem trockenen Sommer Wasser bei der Bodenbearbeitung zu sparen, setzt Teuchgräber auf Mulch. "Wenn man die Restpflanzenteile liegen lässt, ist die Verdunstung geringer", sagt er.

Fleischmarkt hat abgenommen

Neben den klimatischen Bedingungen hat die Landwirtschaft in diesem Jahr außerdem mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Für einige Wochen waren die Gaststätten geschlossen, Volksfeste werden in diesem Jahr wohl kaum noch stattfinden. "Die Nachfrage auf dem Fleischmarkt ist gesunken", sagt Teuchgräber.

Der Skandal um den Schlachtbetrieb Tönnies habe die Situation weiter verschärft. Das Unternehmen hat auch im Bamberger Schlachthof Schweine schlachten lassen. "Die Schweine aus der Region werden in Bamberg geschlachtet und anschließend zur Verarbeitung nach Rheda-Wiedenbrück transportiert", berichtet Teuchgräber. Anschließend würden die Produkte hier in der Region als regionales Fleisch verkauft. Vor allem im Norden Deutschlands, aber auch in der Region, komme es deshalb zu Engpässen in den Mastbetrieben. "Die Schweine wachsen weiter, weil sie nicht geschlachtet werden, und gleichzeitig kommen neue Ferkel auf die Welt", sagt der Landwirt. Wenn die Schweine mehr Masse zulegen, sinkt deren Wert gleichzeitig, weil der Fettanteil steigt.

Prozess nicht zu stoppen

"Corona hat die Landwirtschaft geschockt - wenn Getreide ausgesät ist oder Tiere befruchtet sind, kann der Prozess nicht einfach aufgehalten werden", sagt Teuchgräber. Er ist froh, dass er seine Rinder auf der Weide halten kann und deshalb, was den Platz betrifft, jonglieren kann. Die Preise, die der Milchhof Coburg für den Liter Milch bezahlt, seien konstant geblieben. "Der Preis wird halbjährig festgelegt und ist vom Lebensmitteleinzelhandel abhängig. Im Einzelhandel wurde auch während des Lockdowns weitergekauft."