Es war im September 2019, als die Ermittler der Polizei im Landkreis Lichtenfels anrückten: Sie durchsuchten die Zimmer eines 26-jährigen Kollegen. Und sie sollten finden, wonach sie suchten.

Insgesamt rund 300 Bilder und 74 Videoaufnahmen mit Kinderpornografie waren auf Computerhardware gespeichert. Doch man stieß noch auf mehr: Zudem wird dem Mann zur Last gelegt, in 13 Fällen vermutlich unerlaubt Videos und Bilder von jungen Frauen angefertigt zu haben, zwei davon werden als jugendpornografisch eingeordnet.

Nun muss sich der Polizist am kommenden Mittwoch, 16. Dezember, um 9 Uhr vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichtes Lichtenfels verantworten. Wegen des großen öffentlichen Interesses wurde die Verhandlung in die Coburger Justizbehörden verlegt, wo größere Sitzungssäle zur Verfügung stehen.

Der Mann war nie im Landkreis Lichtenfels als Polizist tätig, doch da er zum Zeitpunkt der Durchsuchung im Landkreis wohnte, fiel die Zuständigkeit in den Bereich des Amtsgerichtes. Zudem ereigneten sich viele Taten bereits vor einigen Jahren, als der Mann noch so jung war, also 21 Jahre und jünger, dass Taten unter das Jugendstrafrecht fallen könnten. Das ist eine ganz einfache gesetzliche Vorgabe. Da er aber auch einige Taten im Erwachsenenalter begangen haben soll, wird es Aufgabe des Gerichts sein, festzulegen welches Strafmaß im Falle der Verurteilung anzuwenden ist.

Doch wie waren die Ermittler auf seine Spur gekommen? Tatsächlich gab es einen Hinweis von ausländischen Ermittlern, sagt ein Sprecher der Zentralstelle Cybercrime in Bamberg, die in die Ermittlungen eingebunden war. Ihre Aufgabe ist es, gegen Kinderpornografie im Netz vorzugehen. Das legt die Vermutung nahe, dass der Mann in Tauschbörsen oder ähnlichen Umschlagsplätzen für Kinderpornografie tätig gewesen sein muss und dort virtuelle Spuren hinterlassen hat.

Die Aufnahmen, die er selber machte, fertigte er dagegen teilweise an verschiedenen Orten im Landkreis Lichtenfels an, nach Berichten des Bayerischen Rundfunks wohl auch auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Würzburg. Sie liegen aber teilweise soweit zurück, dass sie nicht alle verhandelt würden, da sie verjährt sind, schreibt der BR auf seiner Homepage.

Opfer sollen Arbeitskolleginnen des Mannes gewesen sein, aber wohl auch andere junge Frauen. Die Taten ereigneten sich im Dienst wie auch außerhalb. Der Mann saß zwischendurch in Untersuchungshaft, ist wieder auf freiem Fuß, arbeitet aber nicht als Polizist, wie das Polizeipräsidium Oberfranken sagte.

Wird der Mann nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt, droht für die heimlichen Nacktaufnahmen eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.

Der Strafrahmen für den Besitz von Kinderpornografie liegt nach Erwachsenenstrafrecht bei drei Monaten bis fünf Jahren Gefängnis. Für den Prozess ist ein Verhandlungstag angesetzt, das heißt, dass vermutlich am Mittwoch auch das Urteil gesprochen wird.