800 bis 1000. Diese Zahlen wirken gewaltig und ereilen den Laien vollkommen unerwartet. Auf diese Anzahl schätzt der Diplom-Biologe Wolfgang Suba die heimischen Apfelsorten. Mehr noch: Er hat annähernd Gewissheit, denn er ist kundig in Äpfeln, Pomologe also. Auf Einladung der Umweltstation Weismain hielt Suba in Romansthal einen Obsterkennungskurs ab.

Michael Stromer, der Leiter der Umweltstation, hatte dem Wunsch Subas Rechnung getragen und nur 20 Personen zum Kurs zugelassen. "Ich hätte auch 60 nehmen können, das Interesse war da", so Stromer. Der Referent, den er sich ausgesucht hatte, hat es auch in sich. Die Regierung von Oberfranken hat ihn in ein Projekt eingebunden: Kartierung und Erhaltung alter heimischer Kernobste, Äpfel und Birnen. Start war im Jahr 2013. Das hatte auch den Kenntnisstand Subas befördert.
"Ich persönlich kenne etwa 500 Sorten", führte der Biologe aus, der für die interessierten Zuschauer im urigen Nebengebäude des Gasthauses "Zur schönen Schnitterin" über Schalen gebeugt Äpfel mit dem Messer auseinander nahm, das Kerngehäuse freilegte und über Oberflächen sprach. Seine Zuhörer saßen an Tischen, es wurden Äpfel zum Beschnuppern und Befühlen herumgereicht und abgestellt.


Viele Fragen zu den Sorten

Welche Apfelsorte eignet sich zur Winterlagerung? Welche hat wie viele Vitamine mehr oder weniger, und deuten braune Flecken am Obst auf eine Mangelerkrankung des Baumes hin? Manche Zuhörer machten sich Notizen. "Je kleiner, desto runder - der Danziger Kantapfel", lautete eine kursierende Faustformel.
Der Biologe aus Heidenheim ist schon bei einigen Obst- und Gartenbauvereinen in der Region herumgekommen und hat seine eigene Meinung zum allgemeinen Wissen vieler Vereinsmitglieder: "Der Kenntnisstand ist oft katastrophal." Viele moderne Menschen, auch in Obst- und Gartenbauvereinen, würden nur noch acht Sorten in Franken kennen. Acht von 1000.

Nachdem er mal wieder einen Apfel im Sinne eines Anschauungsunterrichts reichte, bemerkte ein Herr in Latzhose: "So berauschend schmeckt der net." Subals Antwort: "Das ist ein typischer Supermarktapfel." Dann stellte er aus Supermarktsicht dessen Vorzüge vor: "Bloß keine Besonderheiten!"
Ob der Rheinische Winterrambour, der in seiner heutigen Ausprägung 150 Jahre auf dem Buckel hat, in diese Maßgabe passen würde? Er ist groß, aber für seine Größe wiederum ungemein leicht, was auch mit einem "Ah" und "Oh" derjenigen, die ihn in die Hände bekamen, bestätigt wurde.
Die Welt des Apfels, so erwies es sich während des Anschauungsunterrichts, ist auch die Welt mancher Anekdote. Es ging sogar um Namen, die wie bei Urheberrechtsstreitigkeiten für Erstaunen sorgten. Die Werbung habe etwa einer längst bekannten Apfelsorte mit dem Begriff "Kaiser-Wilhelm-Apfel" zu neuer Beliebtheit verholfen. Ähnliches ließe sich auch über den Boskop erzählen, der nach Suba eigentlich Rinette von Montfort heißen müsste.
Im Anschluss zog die Veranstaltung in die Nachbarschaft um, wo am Sonntag die 16. Obstausstellung stattfand.