In der Eingangshalle der Alten Vogtei stehen zwei Büsten, die von Kathi und Friedrich Baur. Es ist mehr als eine Geste, dass sie da ihren Platz haben, denn hier wird ein Teil ihres Vermächtnisses lebendig. Das Unternehmerehepaar baute in Burgkunstadt den Versandhändler Baur auf, der heute zur Otto-Group gehört. Die Ehe blieb kinderlos, Kathi Baur litt an den Folgen der Kinderlähmung. Ihre Firma ging in einer Stiftung auf und blieb am Obermain - doch ein wichtiger Teil ihres Vermächtnisses wanderte nach München aus.

Das muss man im Hinterkopf haben, wenn man sich anschaut, wie "Lied und Lyrik" in die Region kam. Denn hinter der Biennale steht die Akademie der Schönen Künste in München, die Mittel aus den Baur-Stiftungserträgen erhält. Und es war nicht immer so, dass davon etwa in der Region zu spüren war.
Dieses Festspiel steht für eine Kehrtwendung - wie übrigens auch die Alte Vogtei in Burgkunstadt, ein maroder Bau, den die Stiftung von der Stadt übernahm und sanierte. Dort finden heute Veranstaltungen mit Musikern und Literaten statt, die wie ein Leuchtturm aus dem kulturellen Leben der Umgebung ragen.

Als Dieter Borchmeyer, der Präsident der Akademie, und Georg von Waldenfels, Baur-Beiratsvorsitzender, das Programm der dritten Auflage von "Lied und Lyrik" (18. bis 23. September) vorstellten, schwang dieser Geist mit. "Das Programm kann man nicht anders erklären, als durch die enge freundschaftliche Verbindung", sagt Borchmeyer zur Qualität der Künstler, die es sonst kaum in diese Ecke Deutschlands ziehen würde.

Und so wird Mario Adorf als Richard Wagner im Landestheater am Sonntag, 22. September, ab 11 Uhr mit Sibylle Canonica und Borchmeyer sowie dem Orchester des Landestheaters Coburg auf der Bühne stehen - in einer Bearbeitung der Collage "Das Tribschener Idyll", die Borchmeyer schuf, die es so vorher nicht zu sehen gab. Wie überhaupt viel nicht Gesehenes das Festivalprogramm prägt. Borchmeyer überschlägt, dass man etwa 70 Prozent des Programms so noch nicht gezeigt habe - und wohl auch nicht wieder sehen werde. Natürlich, zum 200. Geburtstag von Wagner in diesem Jahr wird hier ein Schwerpunkt liegen.

Doch "Lied und Lyrik" ist vor allem eine Begegnung mit Künstlerpersönlichkeiten wie den Sängern Christian Gerhaher, oder Thomas Hampson, die schon mal dort vertreten waren. Nicht zu vergessen Musiker wie die Altistin Ingeborg Danz und Organist Edgar Krapp, die am Donnerstag, 19. September, ab 19 Uhr in der Basilika Vierzehnheiligen auftreten. Und Akademie-Generalsekretärin Katja Schaefer freut sich auf die Sopranistin Sarah Maria Sun mit Jan Philip Schulze (Piano), die am Sonntag, 22. September, im Kaisersaal die "Ladies Voices", ein Programm zwischen Klassik und Jazz, zeigen.

Werbung für die Region

Kultur als ein Stück Standortförderung? Ja, auch dieser Aspekt kam bei der Programmvorstellung zur Sprache. Der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU) meinte: "Mancher mag zu uns nicht kommen, weil er fragt: Wo ist die Kultur? Hier ist die Kultur." Und das zum Kennenlernpreis: 36 Euro kosten die teuersten Karten. Schaefer verglich: "Ich sag jetzt nicht wer, aber für den Liederabend eines Künstlers, den auch wir hier zu Gast haben, musste man in Salzburg bis zu 120 Euro Eintritt bezahlen." Ein Blick in die Runde, alle rechneten: Dafür gibt es hier noch Hotel und Abendessen dazu. Dabei spart man auch am Ambiente: "Wir müssen uns mit den Veranstaltungsorten wie Banz, Theater, Vierzehnheiligen nicht verstecken", sagte der Coburger Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD).

Insgesamt zehn Veranstaltungen umfasst das diesjährige Programm. Eine Übersicht findet sich im Internet.