Als im Sommer 2016 das Gerüst stand, war das genaue Ausmaß der Schäden an der evangelischen Kirche noch ungewiss. Dabei hatte sich das Unheil bereits Jahre zuvor angekündigt. Pfarrerin Anne Salzbrenner erinnert sich noch gut daran, als bei einer Routinekontrolle Rost am stählernen Glockenstuhl entdeckt wurde. Der Mitarbeiter der Firma, die regelmäßig zur Wartung kommt, hatte das Geläut einmal kurz eingeschaltet und kam anschließend ins Pfarrhaus. "Haben Sie eben die Glocken gehört?", fragte er. Und als die Pfarrerin bejahte, rückte er mit der gar nicht frohen Botschaft heraus: "Das war das letzte Mal!" Es war der 9. April 2012, eine Woche vor Ostern. Das Datum weiß Anne Salzbrenner, ohne nachschauen zu müssen.

Bei der Ursachenforschung stellte sich heraus, dass Wasser in den Kirchturm eindringen konnte und dieser selbst nicht mehr sicher war. Seine Dachabdichtung war stark beschädigt.

Die Untersuchungen, Vorarbeiten und Abstimmungen nahmen viel Zeit in Anspruch. Der Chefarchitekt der Landeskirche ordnete ein Vorgehen in Abschnitten an, um möglichen zusätzlichen Sanierungsbedarf oder Mehrkosten rechtzeitig ausgleichen zu können. Böse Überraschungen gab es dann nicht mehr.

Dankbar für "ein gutes Ende"

Wenn am Freitag, 26. Oktober, der offizielle Sanierungsabschluss gefeiert wird, kann Johannes Morhard als begleitender Architekt vor Ort sogar eine Kostenunterschreitung verkünden. Auf 847 000 Euro belief sich die Planung, nun werde man auf rund 800 000 Euro kommen.

Das ist immer noch ein großer Betrag, von dem die Evangelische Landeskirche den größten Anteil trägt: 565 000 Euro. "Das ist enorm viel", stellt Pfarrerin Anne Salzbrenner fest. Doch auch viele kleinere Zuschüsse haben geholfen, die Finanzierung zu sichern. Und nicht zuletzt eine große Spendenbereitschaft in den eigenen Reihen. Seit 2012 wurden aus der Kirchengemeinde 97 392 Euro für das Gotteshaus gegeben. Die Unterstützung zeigte sich zu verschiedensten Anlässen. Auf den errechneten Eigenanteil, den man zu schultern hat, fehlen jetzt noch 49 500 Euro. Mit dem Abschluss der Arbeiten verbindet die Bauherrin und Pfarrerin vor allem Dankbarkeit - dafür, dass es keinen Unfall gegeben hat, für "ein tolles Zusammenspiel" mit den fast ausnahmslos regionalen Firmen, dass alle Mitarbeiter durchgehalten haben. Dieses gute Miteinander über so einen langen Zeitraum hinweg sei ein Segen. "Wir sind glücklich!" Die Glocken haben übrigens schon zu Weihnachten wieder geläutet.

Doch zum Zurücklehnen und Aufatmen bleibt Anne Salzbrenner nicht wirklich Zeit, nachdem die Kirchensanierung geschafft ist. Nach Rohrbrüchen im Pfarrhaus und mehreren Monaten auf der Baustelle wohnen war sie 2016 dort ausgezogen. Um eine Generalsanierung des zweigeschossigen Ziegelbaus mit Ecktürmchen wird man nicht umhinkommen. Zumal mit der Feststellung einer Belastung durch das hochgiftige Holzschutzmittel Lindan an den Fenstern sich eine neue Brisanz gezeigt hat.

Unbewohnbares Pfarrhaus

Das Ausräumen wird beginnen, sobald nebenan im Gemeindehaus Platz wird. Dort hat die Kindertagesstätte "Körbla" provisorisch ihren Betrieb aufgenommen. Sie hätte eigentlich zum Beginn des Kindergartenjahres in der Reitschgasse eröffnen sollen. Doch der Umbau des einstigen Ärztehauses wurde nicht rechtzeitig fertig. Die Kinder werden deshalb im Myconiushaus, dem Gemeindehaus, betreut. Während der Pfarrhaus-Sanierung wird da wiederum das Pfarrbüro eingerichtet. Und danach wird man sich um das Myconiushaus kümmern müssen, denn auch dort hat es schon zum Dach hereingeregnet. Es ist also kein Ende der Baustellen in Sicht, und die Gemeinde wird als nächstes fürs Pfarrhaus wieder einen erheblichen finanziellen Part leisten müssen.

Die Pfarrerin selbst sorgt bereits - gemeinsam mit Freunden - für erhebliche Einsparungen, indem sie bei diesen eingezogen ist. Sonst müsste die Gemeinde nämlich seit zwei Jahren schon und bis zum geplanten Wiedereinzug Mitte 2020 für eine adäquate Wohnung aufkommen. Es sind die nicht selbstverständlichen Dinge des Miteinanders, die eine Last erträglicher machen.

Abschlussfeier

Die Feier mit der Gemeinde, Nachbarn in der Kronacher Straße, Spendern, Planern und am Bau beteiligten Firmen beginnt am Freitag, 26. Oktober, 17 Uhr. Abschluss ist um 19 Uhr mit einer Dankandacht.