"Ich sehe einen Mann mit Farben", soll die Wahrsagerin einstmals zu seiner heutigen Frau gesagt haben. Martin Ludwig lächelt, wenn er sich an diese Geschichte erinnert. Ein Mann mit Farben ist der Kronacher geworden, denn er lebt ein Leben als Kunstmaler. Nun hat er den Landkreis Lichtenfels für einen Kalender zum Thema gemacht. Mit Fotos von Motiven in Acryl auf Leinwand und für 2015.

Der Landkreis lässt sich umblättern. Elf Mal und das bei 50 Exemplaren. So hoch ist die Auflage des Kalenders, der vom Kleinziegenfelder Tal ebenso erzählt wie von Weismain und dem Dreigestirn am Obermain.
Wie er zu seinen Motiven kam, ist ungewöhnlich und unterscheidet die Arbeit zum Landkreis Lichtenfels von den anderen Kalenderarbeiten, die Ludwig in benachbarten Landkreisen abschloss. Dort nämlich seien ihm oft Orts- oder Landschaftsmotive zugesendet worden. Aus Lichtenfels gab es keine Zusendungen, hier musste er die Motive ansteuern.
"Wir wandern viel und gerne. So habe ich Motive angesammelt. Das Handy hatte ich auf Wanderungen immer dabei, um Fotos zu knipsen", berichtet der 52-Jährige von seiner Vorgehensweise.

Bauwerke an einer Stelle, wo sie in Wirklichkeit nicht zu finden sind

Doch manchmal entdeckt der aufmerksame Betrachter auf seinen Kalenderbildern Bauwerke an einer Stelle, wo sie in Wirklichkeit nicht zu finden sind. "Ich mache Skizzen mit ganz flüssiger Farbe ... während des Entstehens habe ich das Gefühl, das Bauwerk passt hier an dieser Stelle besser rein", erklärt Ludwig. Um die rein naturgetreue Wiedergabe des Gesehenen gehe es ihm nicht, meint Ludwig. Viel mehr spiele auch das Erfassen des Charakters oder der Seele einer Landschaft oder eines Ortes eine Rolle.

Etwas Unterbewusstes

Und ganz nebenbei kann es sein, dass sich auch etwas Unterbewusstes auf die Leinwand bringt. So wie die verschwimmend wirkenden Menschen am Plateau des Staffelberges, die wie unkenntliche Massai anmuten, oder die Palme vor Vierzehnheiligen, die nur angedeutet und darum annehmbar wirkt. Afrikanische Impressionen, durch Urlaube im Hinterstübchen mitgeführt.

Die Seele spielt in der Tat eine Rolle bei Ludwigs Bildern. Das, was eine Landschaft oder eine Jahreszeit ausmacht, findet sich akkurat und doch nicht an starre Formen gebunden in den Bildern wieder.
Manchmal ist es erstaunlich, wie viel Gegenständlichkeit mit wie wenigen Strichen erreicht werden kann. Auch den jeweiligen Quartalen gibt Ludwig farbliche Attribute bei, zu sehen im vorherrschenden Blau für Wintermonate und in flirrendem Rot für den Sommer. Es sind reizvolle Bilder, die der Autodidakt in Sachen Malerei geschaffen hat. Aber sie dienen auch einem Marketingkonzept, denn über die Verbreitung des Kalenders möchte Ludwig Interesse an den Originalen wecken.
Das könnte ihm in Lichtenfels demnächst in größerem Ausmaß gelingen; denn eine Einzelhändlerin hat Interesse bekundet, seine Bilder ins Schaufenster zu hängen.