Das Gründstück ist schön gelegen. Der Garten fällt leicht ab, hinten schimmert der Neuensee durch. Gudrun und Helmut Gick begannen 2006, dort ihr Haus zu bauen. Die nördlich gelegene Nachbarfläche war unbebaut. Als der Pächter der Fläche eines Tages Pflanzen setzte, fragte Helmut Gick nach, denn er kannte das Gewächs nicht: "Ginseng, bekam ich zu hören." Und er dachte sich erstmal nichts dabei. Doch als die Pflanzen immer größer wurden, kam ihm die Sache komisch vor. Es war Elefantengras, ein Chinaschilf (Miscanthus), das ursprünglich aus Südostasien stammt. Es gehört zur Gattung der Süßgräser und wird bei uns häufig als Ziergras in Gärten gepflanzt. Es wächst unglaublich schnell - und inzwischen wird es auch als alternativer Energielieferant angesehen. Das hatte auch der Pächter vor.
Über den Winter hin sterben die über dem Boden befindlichen Teile ab, im Spätfrühjahr wird das trockene Elefantengras geerntet.
Doch bald ragten die Gräser, die bis zu fünf Meter hoch werden, bis in die Dachrinnen vom Haus der Familie Gick hinein - und es begann ein rechtliche Auseinandersetzung, deren vorläufig letztes Kapitel vor wenigen Tagen vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth geschrieben wurde. Mit dem Ergebnis, dass zunächst alles so bleiben darf wie es ist.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Anpflanzung auf den rund 900 Quadratmeter Fläche Gemeinde, Feuerwehr und Gerichte beschäftigt. Auch die Nachbarn unterstützen es, dass sich etwas ändern sollte. Bereits in einer Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde Michelau im Oktober 2007 kam das Thema zur Sprache. Ein Gemeinderat merkte damals an, dass das Elefantengras bereits die anliegenden Grundstücke beeinträchtige. Der Pächter soll in einem Gespräch gesagt haben, es handele sich ja nur um eine Probebepflanzung. Es sei Sache der Nachbarn, da laut Gesetz bei so einer Höhe ein Abstand von zwei Metern einzuhalten sei, hieß es damals im Bauausschuss.


Gericht weist Klage ab

Helmut Gick nahm die Sache in die Hand, doch der Ansicht wollte das Amtsgericht Lichtenfels im Jahr 2009 nicht folgen. Und das Landgericht Coburg wies eine Berufung ab. Denn man könne sich in dem Fall nicht auf Bestimmungen des Nachbarrechts zum Mindestgrenzabstand von Büschen und Bäumen berufen. Die seien nämlich für Stauden nicht anzuwenden, auch eine besondere Brandgefahr konnte das Gericht nicht erkennen.
Anläufe, die Dinge anders zu regeln, habe es natürlich gegeben: "Wir waren bereit, einen Nutzungsausfall zu zahlen für einen Abstand", sagt Gudrun Gick. Sogar ein Grundstückskauf wäre denkbar gewesen.
So gingen die Jahre ins Land. Nachdem sich Gicks beim Lohnunternehmer beklagt hatten, der mit einer großen Erntemaschine die kleine Fläche aberntete und dabei das Ausblasrohr kräftig Häcksel zwischen die Deckziegel des Daches gepustet hatte, mähte der Pächter die Fläche mit der Motorsense ab, bis in diesem Jahr wieder die Erntemaschine anrückte, das abgenähte Elefantengras aber nur auf dem Grundstück verteilte.


Petitionsausschuss angerufen

In der Zwischenzeit hatten Gicks über einen anderen Weg nachgedacht. Nach dem Brand eines Feldes mit Elefantengras in Lichtenfels im April 2015 wendeten sie sich über den CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner an den Petitionsausschuss in München. "Durch das Feuer in Lichtenfels wurde erst wirklich klar, welche Gefahr drohen kann", sagt Helmut Gick. Die Flammen auf dem Feld breiteten sich in Minuten aus.
Die Familie trug vor dem Ausschuss vor, dass es keine rechtliche Grundlage gebe, trotz einer Brandgefahr einen Anspruch auf einen Grenzabstand zu haben. Doch der Petitionsausschuss sah das nicht so. Eine Kommune könne in dem Fall schon handeln. Man konnte in München auch eine "die Annahme einer konkreten Gefahr durch das angebaute Elefantengras zumindest für den Zeitraum März bis April" nachvollziehen. So heißt es in einem Schreiben aus dem Dezember 2015 vom Landtagsamt. Im März 2016 schrieben Gicks zusammen mit fünf Nachbarn noch einmal an die Gemeinde und forderten eine Brandschutz-Anordnung.
Daraufhin erließ die Gemeinde Michelau auch im Frühjahr einen Bescheid, dass der Pächter künftig einen Sicherheitsabstand von fünf Metern zu den bebauten Grundstücken einhalten müsse, basierend auf einer Stellungnahme von Kreisbrandrat Timm Vogler, der sich vor Ort über die Situation informiert hatte.
Doch die Besitzerin des Areals, eine Frau aus dem Landkreis Bamberg, klagte gegen den Bescheid. Nach einer Erörterung der Rechtslage vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth vor wenigen Tagen beschloss die Gemeinde, den Bescheid zurückzunehmen. Im Hintergrund steht eine Auslegung des VVB, der Verordnung zur Verhütung von Bränden in Bayern. Ein Knackpunkt sei gewesen, die Gefahr einer möglichen Selbstentzündung nachzuweisen, sagt der geschäftsleitende Beamte der Gemeine Michelau, Norbert Eiser. Man wolle nun die schriftliche Begründung abwarten. "Aber wir beobachten das natürlich weiter."
So ganz hat er die Hoffnung auch noch nicht aufgegeben, dass der Pächter von selbst aus die Lage entschärft.
Und Gicks? Die überlegen, eventuell doch noch einmal auf den Petitionsausschuss zuzugehen. Denn es sei ja eben nicht zu erkennen, auf welcher rechtlichen Grundlage man den Fall lösen könnte.