Vierzehnheiligen
Jubiläum

Georg Hagel will mit seiner Musik die Herzen emporheben

Seit 25 Jahren lässt Georg Hagel in der Basilika Vierzehnheiligen die Pfeifen erklingen. "Ich habe ein eheähnliches Verhältnis zu meinem Instrument entwickelt", erzählt er.
Georg Hagel vor "seiner" Orgel in der Basilika Vierzehnheiligen Foto: Manuel Stark
Georg Hagel vor "seiner" Orgel in der Basilika Vierzehnheiligen Foto: Manuel Stark
Es ist 17.23 Uhr. Georg Hagel streicht sacht über die weißen Tasten seiner Orgel in der Basilika Vierzehnheiligen. Um ihn herum haben sich die 25 Teilnehmer einer Führung versammelt und blicken in das weitläufige Kirchenschiff. "Wunderbar, oder?", fragt er mit der weichen Stimme eines Märchenonkels.


In ein goldenes Licht getaucht


Der Großteil der Besucher nickt, nur wenige durchbrechen den Augenblick mit einem zustimmenden "Ja".
Das Abendlicht scheint durch die großen Fenster und taucht die weißen Wände des Gotteshauses in ein goldenes Licht, das seinen Fokus am Rokoko-Altar zu finden scheint, auf dem goldene Statuen der 14 Nothelfer die Mitte des langen Kirchenschiffes ausfüllen. "Das jetzt ist die schönste Lichtstimmung während des gesamten Tages. Einfach traumhaft", sagt Hagel.

Er selbst kann in diesem Moment nur wenig von diesem Licht sehen. Seine Position auf der Sitzbank seiner Orgel gewährt nur einen Blick auf das bemalte Deckengewölbe der Basilika. Doch zugunsten seiner Besucher verzichtet Georg Hagel gerne, schließlich hatte der 47-jährige Bamberger schon oft die Möglichkeit, das Spektakel zu genießen.


In 17 Jahren ans Herz gewachsen

Seit 25 Jahren bespielt er die Orgel von Vierzehnheiligen, vor 24 Jahren wurde er offiziell zum fest angestellten Organisten der Basilika ernannt. Er war damals erst 23 Jahre alt und noch Student. Während der letzten 17 Jahre ist Georg Hagel die 1999 installierte Orgel ans Herz gewachsen.

Das 1,6 Millionen Euro teure Gebilde mit seinen mehr als 1000 Pfeifen und 68 klingenden Registern ist für Hagel etwas unbeschreiblich Wertvolles, auch wenn es nur aus Holz besteht.


Ein Sinnbild des Lebens


Die Orgel ist für ihn ein Sinnbild des Lebens. "Ich habe ein eheähnliches Verhältnis zu meinem Instrument entwickelt", erzählt er. Jedes Vibrieren der tiefen Klänge, jedes schrille Pfeifen der hohen Töne hört der Organist nicht nur, vielmehr spürt er es durch seinen Körper schwingen.

"Meine edelste Aufgabe ist es, die Herzen meiner Zuhörer empor zu heben und sie auf dieser Schwingung der Klänge zu tragen", beschreibt Georg Hagel seine Arbeit als Organist. Als ob er nicht warten könnte, dieser Aufgabe Folge zu leisten, dreht er sich ohne ein weiteres Wort um und fängt an zu spielen. Hoch und tief, schnell und langsam, gewaltig und schüchtern sind die Klänge, die er aus der Orgel beschwört, während seine Hände mit geschmeidigen Bewegungen über die Tasten huschen.


"Ich spiele einfach"


Die Finger gekrümmt, den Rücken gerade durchgedrückt, so sitzt Georg Hagel da und schließt die Augen. Gibt sich für einen Moment selbst dem Zauber hin, den er so oft für seine Zuhörer entfesselt. Als das Stück schließlich endet, dauert es einen Moment, ehe der Organist die Augen wieder öffnet. "Wenn ich mich hierher setze, denke ich nicht mehr nach. Ich spiele einfach", sagt er. Ein spitzbübisches Grinsen überzieht sein Gesicht.

"Sie haben die Orgel für uns wirklich zum Leben erweckt", sagt eine der Zuhörerinnen fast ehrfürchtig. Rundherum zustimmendes Nicken. "Vielen Dank", erwidert Hagel, "ich versuche immer mein Bestes zu geben. Ob es klappt oder nicht, das müssen andere beurteilen."


"Jeder hat seine Qualitäten"

Schlecht dürfte das Urteil wohl in den seltensten Fällen ausfallen, schloss Georg Hagel doch als Jahrgangsbester die als äußerst elitär geltende Hochschule für Musik Mozarteum in Salzburg ab. Davon will er aber nichts wissen: "Jeder Mensch hat seine Qualität und etwas, das ihn glücklich macht. Da bin ich nichts Besonderes."