Lichtenfels
Haftstrafe

Falschaussage brachte Fass zum Überlaufen

Nein, ins Gefängnis möchte er nie wieder gehen, betonte der 21-jährige Angeklagte. Er wird es aber doch müssen, denn das Jugendschöffengericht verurteilte den Lichtenfelser wegen vorsätzlicher falscher uneidlicher Aussage zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft.
Am Lichtenfelser Amtsgericht wurde das Urteil gegen den 21-Jährigen gesprochen.
Am Lichtenfelser Amtsgericht wurde das Urteil gegen den 21-Jährigen gesprochen.
Ein paar Monate verbrachte der junge Mann schon in Untersuchungshaft, weil er ein Vorleben hatte, welches sich im Bundeszentralregister mit Einträgen von Diebstahl, Sachbeschädigung, Körperverletzung und räuberischer Erpressung niederschlug. "Von Läuterung keine Spur", stellte Richter Armin Wagner während der Verhandlung fest, sonst würde der junge Mann seinen Unterhaltszahlungen, den gerichtlich festgesetzten Arbeitsauflagen und einem Broterwerb nachkommen. All diese Dinge aber klappen bei dem derzeit arbeitslosen Mann nicht. Stattdessen "leistete" er sich Mitte März 2012 während eines Gerichtsverfahrens in Lichtenfels eine Falschaussage. Er nahm seinen Bruder in Schutz und behauptete, dass er selbst einem Taxifahrer einen Schlag versetzt habe, weil dieser es abgelehnt habe, ihn und seinen Bruder zu befördern.
Und das hatte nach Aussage des Fahrers auch einen guten Grund: Schon seien beiden Männer mit ihm gefahren, hätten die Fahrt aber nicht bezahlt.
Der Taxifahrer konnte sich sehr gut daran erinnern, dass es der weitaus schwerere Bruder des Angeklagten war, der ihm mit der Faust gegen den Kopf geschlagen hatte.

"Hab' mich umentschieden"

Nach einer kurzen Prozessunterbrechung entschied sich der Angeklagte dazu, nun doch seine Falschaussage zu gestehen. "Ich hab' mich halt umentschieden", kommentierte er das kurz und etwas pampig.
"Anspruchsvoll, arbeitsscheu und von Selbstmitleid geprägt" - so skizzierte Richter Armin Wagner das bisherige Verhalten des 21-Jährigen, der noch mit dem Ableisten von 200 Arbeitsstunden aus einer vorherigen Verurteilung im Verzug war. "Der Bewährungshelfer schlägt die Hände überm Kopf zusammen, der Jugendrichter weiß auch nicht, was er noch erzählen soll", redete Wagner dem Angeklagten ins Gewissen.
Von einem Bewährungsversager mit hoher Rückfallgeschwindigkeit sprach denn auch Staatsanwältin Michaela Heublein. Sie forderte zwei Jahre und neun Monate Haft. Diese würde mit den Monaten verrechnet werden, die der Lichtenfelser schon in Untersuchungshaft gesessen hat.
Eine weitere Anklage wegen gewalttätiger Übergriffe gegen seine Freundin wurde vom Gericht hinsichtlich der kommenden zu verbüßenden Jahre fallen gelassen. "Das macht das Kraut nicht mehr fett", sagte Richter Wagner. MH