An Ideen habe es nie gemangelt. Josef Breunlein hält seine Hand gut 30 Zentimeter über die Tischplatte, als wolle er einen unsichtbaren Stapel Papier nach unten drücken. So hoch sei der Stapel Ideen gewesen, sagt er. Und das seien die finanziellen Mittel und die Manpower gewesen: Seine andere Hand drückt einen unsichtbaren Stapel, etwa ein Drittel so hoch wie der erste.

Ein Verein, sie alle zu verflechten

Dann gründete Breunlein vor vier Jahren den Verein Zentrum Europäischer Flechtkultur in Lichtenfels (ZEF). Ein Verein, der alle Organisationen unter einem Dach vereint, die mit dem Flechthandwerk verbunden sind: die Flechter, die Innungen, die Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung, das Innovationszentrum Lichtenfels, das Deutsche Korbmuseum Miche lau sowie die Stadt Lichtenfels und die Gemeinde Michelau. Die Einzelbausteine zusammenführen, nennt es Breunlein.


Durch die zentrale Organisation steigen die Möglichkeiten, an Fördermittel zu kommen, beispielsweise aus EU-Programmen. Zusätzlich 60 000 Euro bekommt der Verein künftig im Jahr von der Stadt zur Verfügung gestellt. Und so steigt auch der zweite Stapel unter Breunleins Hand auf die Höhe des ersten, der Ideen.

Das große Ziel, das hinter allen Ideen steht: Die Korbstadt Lichtenfels und das Flechthandwerk bekannter machen, enger verknüpfen und die heimische Flechtkultur attraktiv und abwechslungsreich präsentieren.

Seit kurzem hat der Verein nicht nur eine eigene Geschäftsstelle in der Lichtenfelser Ringgasse, sondern auch einen Geschäftsführer. Manfred Rauh ist studierter Biologe, als Freiberufler irgendwann zum Projektmanagement gekommen und, wenn es nach Breunlein geht, genau der Richtige für den Posten.

Rauh ist 54 Jahre alt, und wenn er erzählt, wie in Südspanien mit Esparto-Gras geflochten wird, wirkt er wie ein begeisterter Junge. Eine ganz eigene Technik hätten sie dort entwickelt, das Gras sei schließlich viel feiner als die Weidenstäbe, die hierzulande verwendet werden. Es gebe kaum ein Land in Europa, das keine eigene Flechtkultur besitze, sagt Rauh. Darum auch das Projekt "Korbmarkt international".

Flechterkulturen weltweit

Jedes Jahr soll ein Gastland eingeladen werden, so der Plan, das seine Kultur inklusive der Flechttradition präsentiert. Kontakte sollen so aufgebaut werden, die Gastländer ebenfalls besucht werden. Welches Land als erstes in Lichtenfels zu Gast sein soll, das will Rauh nicht verraten. Nur so viel gibt er preis: es wurde darauf geachtet, dass es erstmal keine Sprachbarriere geben wird.

"Korbmarkt international" sei eines von insgesamt 20 Projekten, die das ZEF in unterschiedlichen Arbeitsgruppen erarbeitet hat. In den nächsten zwei Jahren werde sich zeigen, welche sich umsetzten lassen. Ganz oben auf der Liste steht für Manfred Rauh die "Mobile Flechtwerkstatt". Derzeit werde eine Art Wagen geplant, der das Flechthandwerk auf Messen, Märkten oder öffentlichen Plätzen präsentiert. Zum Anschauen und Mitmachen. Flechtkultur auf Rädern also.

Flechtkultur auf Straßen könnte ein weiters Projekt umschrieben werden. Geflochtene Bänke oder Stühle, Flechtwerk an Laternen, Fassaden und Läden - die Flechtkultur sichtbar machen, für Besucher aber auch Einheimische, das sei das Ziel, sagt Rauh.

Josef Breunlein ist bereits am Ziel angekommen. An seinem ganz persönlichen: "Was ich mir vorgenommen habe, habe ich erreicht", sagt er. Sein Amt als Vositzender des ZEF hat er vor ein paar Tagen abgegeben, an den Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD).

Ideen sind immer willkommen

Die Räume für die Geschäftsstelle hat die Stadt vermittelt. Sie liegen über dem Lichtenfelser City-Management, in der Ringgasse. Noch gibt es weder Klingelschild noch Körbe vor der Tür oder feste Öffnungszeiten für die Geschäftsstelle, das wird sich bald ändern.

Eine Anlaufstelle für alle Interessierten soll es sein. Manfred Rauh würde sich freuen, wenn vor allem Leute vorbeikämen, die beruflich mit dem Flechthandwerk zu tun haben, am besten mit neuen Ideen, wie ihr Handwerk weiterentwickelt werden kann. Denn die Ideen fallen jetzt in ein gut geflochtenes Netz.