Laden...
Michelau
Handicap

Unterwegs mit dem E-Mobil: Michelauer mit Handicap beklagt mangelnden Respekt

Hans-Jürgen Scherer ist gehbehindert und mit E-Mobil unterwegs. Dabei erlebt er einiges.
 
Aufgrund seiner Gehbehinderung ist Hans-Jürgen Scherer auf sein E-Mobil angewiesen. Die Höchstgeschwindigkeit des Straßenfahrzeugs liegt bei 25 km/h.  Fotos: Klaus Gagel
Aufgrund seiner Gehbehinderung ist Hans-Jürgen Scherer auf sein E-Mobil angewiesen. Die Höchstgeschwindigkeit des Straßenfahrzeugs liegt bei 25 km/h. Fotos: Klaus Gagel
+1 Bild

Hans-Jürgen Scherer will kein Mitleid. Er erwartet lediglich den Respekt, der jedem von uns im Umgang miteinander zusteht. Der Michelauer ist gehbehindert, deshalb ist er oft mit seinem einsitzigen E-Mobil, einem batteriebetriebenen Krankenfahrstuhl, unterwegs. Trotz der niedrigen Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern stößt er bei anderen Verkehrsteilnehmern nicht selten auf Unverständnis, bei Fußgängern ebenso wie bei Radlern und Autofahrern.

"Da könnt' ich mich ärgern, über dieses Verhalten. Diese Missachtung beobachte ich ja nicht nur mir gegenüber, sondern auch bei anderen älteren Menschen, die mit einem Rollator unterwegs sind." Etwa beim Bezahlen an der Kasse im Supermarkt. Da hört man dann von ungeduldigen Zeitgenossen so Sätze wie "Kann die Alte nicht gleich verschwinden?". Nach seinen Beobachtungen sind das auch keine Jugendlichen, die sich so äußern, sondern Menschen im Alter von 40 bis 50 Jahren. "Die vergessen anscheinend, dass sie auch einmal alt werden."

Aufregung auf dem Radweg

Ihm selbst ist es auch schon so ergangen. Vor einem Jahr hatte er noch einen Krankenfahrstuhl, der 15 km/h schnell war. Auf dem Radweg nach Schwürbitz waren drei Radfahrer unterwegs. Einer davon hatte einen Anhänger, in dem ein Hund saß. "Ich fahr ganz langsam vorbei. Am Tag zuvor hatte es geregnet, sodass an einer kleinen Unebenheit mein E-Mobil etwas weggerutscht ist. Darüber regte sich die Frau unheimlich auf und wollte mich sogar verfolgen", erinnert er sich.

Bei einer Rundfahrt über Weidhausen traf er auf eine Gruppe Radfahrer, von denen einzelne zu viel getrunken hatten. Jedenfalls verfolgte einer von ihnen den Krankenfahrstuhl, um zur Gaudi ständig aufs Dach des Fahrzeugs zu klopfen. Erst als der Radfahrer ins Straucheln kam und stürzte, war der Spuk vorbei.

Bei einer weiteren Fahrt auf einem ausgebauten Waldweg wollte er ein Ehepaar überholen, das auf dem Fahrrad nebeneinander fuhr. Auf die Aufforderung, ihn vorbeizulassen, reagierte der Ehemann mit Beschimpfungen. "Mit seinem Fahrzeug dürfe er (Scherer) auf dem Waldweg eigentlich gar nicht fahren und zudem müsse er einen Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten."

Schmale Durchgänge im Supermarkt

Dabei hat es Hans-Jürgen Scherer auch in anderen Situationen nicht leicht. Um in einem Supermarkt einzukaufen, braucht Hans-Jürgen Scherer einen Rollator. Dazu benötigt er zunächst ein faltbares Modell, das er hinten in seinem E-Mobil mitnehmen kann. Manchmal sind die Durchgänge in den Märkten so schmal, dass er nicht durchkommt, vor allem bei Gegenverkehr.

Als junger Mann war Hans-Jürgen Scherer als Fernfahrer unterwegs viel im europäischen Ausland. "Natürlich hat man als Fernfahrer viel geraucht." Die Rechnung bezahlt er heute mit massiven Atembeschwerden. Seit gut zwei Wochen erhält er Sauerstoff. Die Gehbehinderung belastet ihn seit rund fünf Jahren. Auch von Diabetes blieb er nicht verschont. Sein Medikamentenplan ist zwei Seiten lang.

Trotzdem ist Hans-Jürgen Scherer Optimist. Dabei hilft ihm sein zuweilen etwas bissiger Humor. Und den braucht er auch, wenn er zu Hause auf Sauerstoff angewiesen ist oder mit seinem E-Mobil im Straßenverkehr unterwegs ist. Laut § 2 Nr. 11 b der Fahrzeugzulassungsverordnung fällt das dreirädrige Gefährt mit seiner Höchstgeschwindigkeit in die Kategorie Kleinkraftrad. Damit ist Hans-Jürgen Scherer gezwungen, auf der Straße zu fahren wie ein ganz normaler Autofahrer. Dass andere Verkehrsteilnehmer dabei auf ihn Rücksicht nehmen müssen, versteht sich bei 25 km/h von selbst.

Gehwege sind für das Kleinkraftfahrrad tabu. Selbst für Radwege benötigt er nach Auskunft der Verkehrspolizei eine Sondergenehmigung der zuständigen Verkehrsbehörde.