Dass diese Arbeit ein dicker Brocken war, musste man nicht betonen. Als Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz gestern das 400 DIN-A4-Seiten umfassende Werk im Lichtenfelser Landratsamt auf den Tisch legte, wusste man Bescheid. Der Planfeststellungsbeschluss für den Neubau der B 173 zwischen Michelau und Zettlitz ist der umfangreichste, den die Regierung von Oberfranken jemals erstellt hat.

Ein wesentlicher Aspekt war die Vereinbarkeit des Straßenbauprojektes mit den Naturschutzgebieten von europäischem Rang im Oberen Maintal. Die im Jahr 2000 bereits genehmigte Ausbauplanung ("Bahntrasse") war 2002 vor dem Bundesverwaltungsgericht daran gescheitert. Der Auftrag an die Planer lautete danach, einen alternativen Trassenverlauf zu finden, der die geringstmöglichen Umwelteingriffe aufweist. Einer entsprechenden Studie zufolge ist dies die nun geplante Variante Süd.


So verläuft die Trasse

Sie beginnt an einer neuen Anschlussstelle Michelau (mit neuer Anbindung des Ortes), führt Richtung Südosten weiter und nördlich des Ortsrandes von Trieb Richtung Hochstadt. Sie verläuft dann zwischen dem Hauptort und Wolfsloch, womit die große Ablehnung vor allem aus diesem Ortsteil zu erklären ist. Gut 90 Prozent hatten dort beim Bürgerentscheid im Oktober eine Klage gegen diesen Trassenverlauf befürwortet. Eine nördliche Umgehung Hochstadts war aber in der Untersuchung zur Umweltverträglichkeit für nachteiliger erachtet worden.
Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz betonte, die planfestgestellte Südtrasse minimiere die Konflikte mit der Natur in vorbildlicher Weise. Der Beschluss setze sich selbstverständlich auch mit dem Tangieren der Menschen dort auseinander.

Den Ortskern von Hochstadt soll die Umgehungsstraße erheblich entlasten, indem sie den Durchgangsverkehr - wie auch in Trieb - zu mindestens 75 Prozent aus dem Ort verbannt. Wie die Regierungspräsidentin darlegte, wird es sich um eine Entlastung von 13 000 bis 14 000 Fahrzeugen am Tag handeln.


450 Meter lange Brücke

Zwischen Hochstadt und Wolfsloch wird sich die künftige B 173 in einer tiefen Einschnittslage befinden, abschirmend flankiert von überschüssigem Erdaushub. Im weiteren Verlauf werden Mainaue und Bahnlinie westlich von Horb mit einer 450 Meter langen Brücke überquert. Es folgt ein Dammbauwerk in der Mainaue. Die B 289 wird westlich von Horb überquert, dort ist eine weitere Anschlussstelle vorgesehen. Rund 20 Brücken und Stützbauwerke sind Teil der Planung auf dem acht Kilometer langen Abschnitt. Die Baukosten werden auf rund 88 Millionen Euro geschätzt. Die Regierungspräsidentin bezeichnete den Planfeststellungsbeschluss als Meilenstein für ein herausragendes Verkehrsprojekt in Oberfranken.

Die zweibahnige und vierstreifige Verbindung, die in Richtung Kronach weitergeplant wird, soll den Rufen nach einer leistungsfähigen Infrastruktur für den nördlichen Teil Oberfrankens gerecht werden, um die Region attraktiv zu halten. Dies unterstrich auch der Leiter des Staatlichen Bauamtes Bamberg, Jürgen König, dem der Planfeststellungsbeschluss am Montag offiziell übergeben wurde. Jetzt werde man konkrete Planungsschritte wie den Grunderwerb angehen. König ging hierfür von einem Zeitfenster von mindestens ein bis zwei Jahren aus. Dies parallel zu möglichen Klagen, die nun auf den Weg gebracht werden. Eine, die der Gemeinde Hochstadt, gilt nach dem klaren Ergebnis des Bürgerentscheids dort als sicher. Nicht zu vergessen sind aber auch die durch den Flächenbedarf existenzgefährdend betroffenen Landwirte. Wie sie sich zu dem Projekt stellen, wird sicher auf die konkreten Gespräche mit ihnen über Entschädigungsmöglichkeiten ankommen. Landrat Christian Meißner (CSU) freute sich darüber, dass die für den Landkreis essenzielle Straße nach langer und gründlicher Vorbereitung eine weitere Hürde genommen habe. Und er hofft, "dass wir zügig weiterkommen".