Eine Villa des frühen 20. Jahrhunderts, die ein Stück oberhalb der Staffelsteiner Bahnhofstraße steht, beherbergte im 20. Jahrhundert nacheinander zwei Autoren: Friedrich Karl Hümmer und seinen Neffen August Hofmann.

Als der Staffelsteiner Bahnhof errichtet wurde, stand er weitab der Stadt, und die Straße, die dorthin führte, war unbeleuchtet und morastig bei regnerischem Wetter. So richtig und nachhaltig verbesserte sich das Straßenbild der Bahnhofstraße erst, als ab der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu beiden Seiten eine "Villenkolonie" entstand.

Pensionisten und Privatiers

Etliche Häuser wurden von Bauträgern errichtet, in erster Linie von Karl Görtler, und als Käufer hatte er nicht zuletzt auswärtige Pensionisten und Privatiers im Auge, die sich, weil die große Stadt zu teuer war, im Herbst ihres Lebens in Staffelstein niederlassen sollten. Das Geschäftsmodell war in mehreren Fällen tatsächlich von Erfolg gekrönt.

Eine der ältesten Villen an der Bahnhofstraße (früher Bahnhofstraße 38, jetzt St.-Anna-Straße 2) entstand 1902. Sie thront geradezu über der Straße. Die "Villa Marie", wie sie ihr Bauherr nannte, errichtete 1902 der Priester Friedrich Karl Hümmer. Geboren am 3. November 1855 in Staffelstein als Sohn eines Ziegeleibesitzers, empfing er mit bereits 23 Jahren die Priesterweihe. Nach kurzer Zeit als Kaplan in Auerbach und Bamberg wirkte er ab 1881 als Präfekt im Studienseminar Aufseesianum. 1883 wurde Domvikar in Bamberg. Mit einer Dissertation über ein theologiegeschichtliches Thema aus dem 4. Jahrhundert erlangte er 1890 in München die theologische Doktorwürde. Im Frühjahr 1891 wurde Hümmer als Direktor des Königlich Adeligen Julianeums nach Würzburg berufen. Das 1607 von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn gegründete und nach ihm benannte Julianum war in der Säkularisation 1803 untergegangen, aber 1880 durch König Ludwig II. unter dem leicht veränderten Namen "Julianeum" wiedereröffnet worden.

Es handelte sich um ein Studienseminar, das adligen Schülern vorbehalten war; zu Hümmers Zeiten lebten darin 17 Zöglinge. In dieser Zeit errichtete Hümmer die Villa in Staffelstein, die ihm als "Sommerhaus" für die Ferienzeit und vermutlich später einmal als Ruhesitz dienen sollte. 1903 kehrte Hümmer nach Bamberg zurück, wo er ins Metropolitankapitel aufgenommen wurde. 1913 erlangte er für kurze Zeit sogar die Würde eines Domdekans. Noch im selben Jahr aber schied er wegen eines Augenleidens aus dem Domkapitel aus. Friedrich Karl Hümmer starb am 11. März 1918 in Bamberg, wo er auch beigesetzt wurde.

Als Autor tätig

Er hinterließ diverse Veröffentlichungen zu historischen Themen, die in den Berichten des Historischen Vereins Bamberg erschienen und publizierte in einer Würzburger Zeit Fastenpredigten. 1906 verfasste er eine kulturgeschichtliche Studie über den Staffelberg, 1909 über die Giechburg. Am Beginn des Ersten Weltkriegs brachte er ein Schauspiel "Des Kriegers Weihnacht" heraus, das sich an Kinder als Publikum richtete. Nach seinem Tod erschien unter Pseudonym die Erzählung "Der Einsiedler vom Staffelberg", die im 8. Jahrhundert spielt und die Christianisierung unseres Raums zum Thema hat.

Den Domkapitular beerbte seine ältere Schwester, die Leutnantswitwe Kunigunda Hofmann geborene Hümmer (1842-1923). Als sie nach wenigen Jahren ebenfalls ihr Leben beschloss, erbten ihre beiden überlebenden Kinder. Dies waren die Hauptlehrerin Magdalena Hofmann († 1931) und der Hauptlehrer August Hofmann. Sie bewohnten fortan die Staffelsteiner Villa ihres geistlichen Onkels, die 1910 um einen Küchenanbau erweitert worden war.

Mitglied der NSDAP

Am 14. Juni 1874 in Staffelstein geboren, wurde August Hofmann am Bamberger Seminar zum Volksschullehrer ausgebildet. Nach Stationen in Lettenreuth, Zettmannsdorf, Litzendorf, Ampferbach und Reichmannsdorf war er von 1906 bis 1913 Lehrer in Zeckendorf bei Scheßlitz, anschließend bis 1920 Lehrer in Pressig, dann bis 1923 in Hohengüßbach, schließlich in Staffelstein. Er trat 1932 als Hauptlehrer aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand und starb 1935.

Noch während seiner aktiven Zeit als Lehrer wurde er in den Stadtrat gewählt. Ab 1930 bekleidete er das Amt des 2. Bürgermeisters. Hofmann gehörte der NSDAP an und übte für die Partei die Aufgabe des Kreispressewarts aus. Dass die NSDAP in Staffelstein einen hohen Wähleranteil für sich gewann, ging gewiss nicht zuletzt auf das Wirken Hofmanns zurück. Nach der Machtergreifung 1933 wurde er in die vierköpfige "Heimatschutz-Kommission" berufen. Anlässlich seines 60. Geburtstags im Jahr 1934 würdigte die örtliche Presse besonders Hofmanns schriftstellerisches Wirken, mit dem der Lehrer in die Fußstapfen seines geistlichen Onkels trat: "Der Jubilar hat sich vor allem als Heimatdichter einen Namen gemacht; seine literarischen Arbeiten, historische Abhandlungen, Romane und Gedichte atmen eine innige Liebe zur Heimat und Verbundenheit mit dem Volke, seiner Art und Sitte."

In der Tat veröffentlichte August Hofmann eine ganze Reihe von Romanen, die in der Obermainregion spielen: "Die Fischerin von Hausen", "Alberada, ein Roman vom Obermain aus dem 11. Jahrhundert", "Erik Olafson, ein Banzroman aus dem Schwedenkrieg", "Der Henker von Lichtenfels", "Der Sohn der Sünde". Zu Recht schätzt ihn Richard Kerling als "Romanautor von geradezu beängstigender Produktivität" ein. Seine Schriften seien geprägt doch "Stoffhuberei, Trivialisierung der Historie und dilettantische Erzählweise".

Zum 800. Stadtjubiläum 1930 verfasste Hofmann zudem ein Historienspiel.