"Das wäre so mein's gewesen: Pfarrer!" Immer wenn der eifrige Kirchgänger Thomas Gruber am Sonntag die einzelnen Pfarrer bei ihrer Predigt beobachtete, meldete sich diese Wunschvorstellung. Aber mit Realschulabschluss, ohne Abitur, war an den Traumberuf nicht zu denken. Und so lernte der junge Mann aus Schwürbitz zunächst einmal bei EP. Rosenbauer Michelau Elektroinstallateur. Heute liegt sein beruflicher Schwerpunkt im Bereich der Kinotechnik. Doch dann kam das mit dem Lektorenamt.

Beispielloser Beitrag

Und deshalb freut sich die Schwürbitzer Kirchengemeinde heute über einen ehrenamtlichen Mitarbeiter, der nicht nur als Lektor, sondern auch als Mesner und als Mitglied im Kirchenvorstand einen beispiellosen Beitrag zum Gemeindeleben leistet. Dafür wurde er nun im Rahmen eines pfarrweiten Gottesdienstes besonders geehrt.

Seit 25 Jahren ist Thomas Gruber Lektor im Dekanatsbezirk Michelau, seit 30 Jahren ehrenamtlicher Mesner in der Schwürbitzer Kirche und seit 20 Jahren Mitglied im Kirchenvorstand der Kirchengemeinde. Pfarrer Matthias Hain, der sichtlich stolz auf seinen treuen Mitarbeiter, ist rechnet dies gern auf insgesamt 75 Dienstjahre hoch.

Doch was bringt einen jungen Mann dazu, in einer Zeit zunehmender Kirchenaustritte, sich derartig kirchlich zu engagieren? "Das ist so gewachsen," verrät Thomas Gruber. "Ich war schon sehr früh fasziniert von den Geschichten von Josef und Jesus im Kindergottesdienst und später im Religionsunterricht." Mit zwölf Jahren reifte der Entschluss, die alte Mesnerin Sofie Gick etwas zu unterstützen. Da durfte er sonntags schon mal die Kerzen anzünden oder die Glocken läuten. Mit 13 Jahren bekam er dann seine eigenen Kirchenschlüssel. "Da war ich ganz stolz drauf." Diesen Dienst als Messner verrichtet er bis heute ehrenamtlich.

Unter dem damaligen Pfarrer Reißenweber, der dieses Vorhaben kräftig unterstützte, tauchte dann die Idee mit dem Lektorenamt auf. Lektor wird man nicht so einfach. Der Kirchenvorstand muss einen Beschluss fassen, der Dekan muss einverstanden sein, dann erteilt die Landeskirche ihr Placet und erst dann beginnt die Ausbildung. Für Thomas Gruber war es ein Kurs an zwei Wochenenden. Am Ende steht eine Prüfung. Damit durfte nun Thomas Gruber selbst auf der Kanzel stehen und predigen. Der Entwurf der Predigt wird von der Landeskirche vorgegeben, die der Lektor dann unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten personalisiert hält.

"Es ist mir immer leicht gefallen, zu predigen, da mein Berufswunsch von Beginn an Pfarrer war und weil ich mich schon in meiner Jugend viel mit der Bibel beschäftigt habe. Ich hab immer versucht, die Hintergründe herauszufiltern. Da wo andere in die Disco gegangen sind, hab' ich mich zu Hause hingesetzt und hab' die Bücher gewälzt. Und wenn man mit zwölf jeden Sonntag in der Kirche sitzt und die Predigt hört, dann bekommt man eine Menge mit", sagt Thomas Gruber.

Heute ist er Teil eines Teams. "Am liebsten machen wir Gottesdienst miteinander," verrät Pfarrer Matthias Hain. "Thomas Gruber ist eben eine Konstante in der Kirchengemeinde." Er ist immer behilflich, sei es bei einem Wechsel in der Pfarrstelle oder im Kirchenvorstand. "Diese Hilfsbereitschaft hat es auch mir bei meinem Dienstantritt unheimlich erleichtert, in die Gemeinde reinzuwachsen", gesteht Pfarrer Hain. Auch seine Vorgänger, Pfarrer Reißenweber und Pfarrerin Lucia Ernsberger haben auf diese Weise profitiert.

Neue Akzente setzen

Dabei ist Thomas Gruber jemand, der über den herkömmlichen Weg der Glaubensvermittlung hinaus neue Akzente setzt. So erlebt man Thomas Gruber zusammen mit Suzan Baker und Denis Lüddicke bei den Weihnachtskonzerten oder gemeinsam mit Pfarrer Matthias Hain als Petrus und Johannes im Fischerboot auf dem Rudufersee oder als Filmvorführer in der Kirche mit dem Film "Sein letztes Rennen" .

"Jetzt machen wir mal was anderes", lautet der Wahlspruch von Thomas Gruber, "etwas, an das sich die Leute lange erinnern. "Ich denke immer, wenn Jesus ein Langweiler gewesen wäre, wären nie Menschen kilometerweit zu ihm hingelaufen, hätten nie Leute ihre Existenz aufgegeben, um ihm nachzufolgen. Jesus muss eine besondere Ausstrahlung gehabt haben. Das ist mir persönlich sehr wichtig", meint Thomas Gruber. "Aber natürlich geht es auch ums Inhaltliche, damit die Menschen nach Hause gehen und wissen, das hab ich verstanden."

Thomas Gruber lebt aktiv alle drei Bereiche seines Ehrenamtes. "Da ich als Mesner angefangen habe, gefällt mir das auch heute noch, wenn ich die Kerzen anzünde oder meine Glocken läute oder die Kirchentür zusperre, weil das einfach mein Kirche ist, die ich liebe. Und genauso gut mag ich es, auf der Kanzel zu stehen und zu predigen. Ich mag es aber auch, im Kirchenvorstand Beschlüsse zu fassen die die Kirchengemeinde weiterbringen. Da schließt sich der Kreis." Manchmal ist es etwas schwierig, den Hauptberuf mit dem Kirchenamt zu verbinden, dann nämlich wenn Thomas Gruber im Kino am Samstagabend Spätschicht hat. "Dann komm ich von Bamberg früh um 2 Uhr nach Hause und am Sonntag steht früh um 8.45 Uhr Neuensorg auf dem Plan." Denn innerhalb der Pfarrei kommt Thomas Gruber nicht nur in Schwürbitz, Michelau und Neuensorg, sondern auch in Schney oder Buch am Forst zum Einsatz.

Weit mehr als ein Lückenfüller

Thomas Gruber ist innerhalb des Teams, bestehend aus Pfarrer Matthias Hain, Pfarrer Gundolf Beck, Prädikantin Dorothea Benecke, Pfarrerin Tanja Vincent, eine feste Größe. "Dabei sollen Lektoren und Prädikanten nicht nur Lückenfüller sein, sondern sie kommen wie die hauptamtlichen Pfarrer regelmäßig in den Kirchengemeinden zum Einsatz", ergänzt Pfarrer Matthias Hain.

Am Sonntag feierte die evangelische Kirchengemeinde Schwürbitz in einem pfarreiweiten Festgottesdienst das Dienstjubiläum von Thomas Gruber. Für sein jahrzehntelanges umfangreiches ehrenamtliche Engagement als Mesner, Lektor und Kirchenvorstand sollte Thomas Gruber Danke gesagt werden.

Musikalisch ausgestaltet wurde die Feier von der Schwürbitzer Kirchenband "Wolkenlos" und den Mitgliedern des vereinten Posaunenchors aus Michelau und Neuensorg. Bei herrlichem Wetter fand der sehr gut besuchte Festgottesdienst im Schwürbitzer Pfarrgarten statt.

Umfangreiches Wirken

Mit den Worten "Schau, alle diese Gottesdienstbesucher sind heute eigens gekommen, um Dir persönlich Anerkennung zu zollen, für das, was Du in dem zurückliegenden Vierteljahrhundert in unseren Kirchgemeinden geleistet hast", wandte sich Pfarrer Matthias Hain an Thomas Gruber. Die Dekanin Stefanie Ott-Frühwald, Pfarrer Matthias Hain und Pfarrer Gundolf Beck segneten und dankten Thomas Gruber für sein umfangreiches Wirken.

Grußworte, verbunden mit Geschenken, richteten Horst Habermann für die katholische Kirchengemeinde, Jutta Günter für die Kirchengemeinde Neuensorg, Ute Herold für die Kirchengemeinde Michelau und Julia Engel für die Kirchengemeinde Schwürbitz an den langjährigen Mitarbeiter. Sie alle lobten die gute Zusammenarbeit und die gewinnende Art und den Ideenreichtum von Thomas Gruber. Der aufgrund der Corona-Situation verhinderte Michelauer Bürgermeister Dirk Rosenbauer ließ herzliche Grüße ausrichten.

Für seine Predigt hatte Thomas Gruber das Gleichnis vom guten Hirten ausgewählt. Das Bild des guten Hirten sei für ihn zum Leitbild seines Lebens geworden, sagte er. Er selbst fühle sich in dieser Vorstellung geborgen: "Ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht." Und er schloss mit dem Bibelwort "Ich werde wohnen und bleiben und wirken im Hause des Herren immer und so lange ich kann."kag