"Beleidigungen untereinander kommen häufiger vor. Diese gehören bei einigen Fußballern oftmals schon zum guten Ton und zu einem Spiel dazu", sagt Marcel Bargel. Der 25-jährige Bad Staffelsteiner ist Schiedsrichter und dadurch immer mittendrin im Geschehen. Meist bleibt es bei harten Wortgefechten, manchmal geht es darüber hinaus.

Wenn die Emotionen hoch kochen - sei es auf dem Feld oder bei den Zuschauern am Spielfeldrand - kann das ein Fall für die Polizei werden. Das ist allerdings nur gelegentlich der Fall, sagt Erich Günther, Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels. Den Notruf zu wählen - soweit musste Marcel Bargel bisher nicht gehen. "Als Schiri sehe ich es als meine Aufgabe an, durch meine Entscheidungen deeskalierend zu handeln", sagt der 25-Jährige. Seiner Meinung nach kann viel durch Gespräche auf Augenhöhe geregelt werden. "Das ist oft effektiver als harte Strafen. Wobei es natürlich Situationen gibt, bei denen das Regelwerk einem keine andere Wahl lässt, als eine rote Karte zu geben."

Jedes Spiel ist anders

Dennoch kann es während einer Fußballpartie auch zu Situationen kommen, bei denen unvorhergesehene Emotionen eine Rolle spielen. "Das sind die schwierigen Fälle, für welche wir Schiris zum Teil die Verantwortung tragen", sagt der Bad Staffelsteiner selbstkritisch. Durch Entscheidungen, die der Schiedsrichter getroffen hat, würden Spieler dann irrationale Entscheidungen treffen, die nicht vorhersehbar sind. Als Schiedsrichter bereitet sich Bargel, der seit zehn Jahren Fußballpartien leitet, deshalb auf jedes Spiel vor. "Es gibt Partien, bei denen Vereine aufeinandertreffen, die seit Jahren eine Rivalität pflegen, und Partien, bei denen sich die Spieler vorher noch nie begegnet sind", berichtet er. Eine pauschale Ursache für Konflikte unter Spielern gebe es nicht.

Klar ist aber: Verglichen mit den meisten anderen Sportarten hat der Fußball ein Fairplay-Problem. Neben Beleidigungen gegen Unparteiische und vor allem Gegenspieler zeigt sich das immer wieder an Phänomenen wie Zeitspiel oder Schauspielerei. Vorgelebt von den Profis, schlägt sich das nicht nur auf die Amateure durch, sondern bis in die Jugend. Doch die Vereine halten dagegen: Beim TSV Staffelstein wird bereits im Jugendbereich sehr viel Wert auf ein faires Miteinander gelegt. "Den Trainern und Betreuern ist es wichtig, dass die Spieler sich untereinander, gegenüber ihren Gegenspielern und dem Schiri Respekt zollen", berichtet Volker Ernst, der sich in den vergangenen zehn Jahren als Spielleiter engagiert hat. Wie er findet, zeigt sich das gesellschaftliche Miteinander auch im Sport. "Ein respektvoller Umgang sollte bereits in der Jugend geübt und umgesetzt werden - vor, während und nach dem Spiel."

Bis zur Geburt seines ersten Sohnes war Ernst selbst als Schiedsrichter tätig. "Man steht vor 50:50-Entscheidungen und ist unschlüssig, für wen man das Foul geben soll - es gibt Situationen, in denen man selbst unsicher ist", erzählt er aus seiner Zeit als Schiri. Seiner Meinung nach ist es, egal ob als Spieler oder Schiedsrichter, wichtig, den Fußball als Hobby zu sehen. "Jeder ist bemüht, wenige Fehler zu machen. Und der beste Schiri ist der, über den nach dem Spiel niemand mehr spricht", sagt Ernst.

Kaum Diskussionen im Faustball

Er findet es gut, dass es sich mittlerweile bei den meisten Vereinen eingebürgert hat, dass dem Schiri und seinem Team nach dem Spiel etwas zu Essen und zum Trinken angeboten wird. "Für das Miteinander ist es wichtig, dass der Gastverein und auch der Schiri nach dem Spiel noch etwas bleiben und ein Austausch untereinander stattfindet - auch, wenn das momentan wegen Corona nicht möglich ist."

Während beim Fußball regelmäßig gelbe und rote Karten nach Undiszipliniertheiten verteilt werden, geht es beim Faustball sehr fair zu. "Es gibt wirklich nur ganz, ganz selten Diskussionen und Streitereien", berichtet Bernd Donath, Trainer und Leiter der Abteilung Faustball beim TSV Staffelstein. Die meisten Spieler würden es zugeben, wenn sie den Ball mit dem Körper berühren, was beim Faustball verboten ist. "Gelegentlich wird darüber diskutiert, ob die Bälle im Aus waren oder nicht. Für Fouls ist Faustball die falsche Sportart, weil es kaum Körperkontakt zu den Gegnern gibt."

In seiner bisherigen Laufbahn konnte Donath Erfahrung in verschiedenen Ligen sammeln, so hat er selbst aktiv in der Bayernliga Faustball gespielt. Als Trainer und Schiedsrichter ist er in ganz Deutschland unterwegs. "Ich leite Spiele der Männerbundesliga, auch dort habe ich noch keine größeren Diskussionen erlebt", sagt Donath. Generell konnte er feststellen, dass Streitigkeiten, wenn überhaupt, eher in den unteren Ligen auftreten würden. "Dabei müsste es eigentlich umgekehrt sein."