Neben besorgten Bürgern zählten auch Vertreter aus der Kommunalpolitik und Vertreter großer Vereinigungen, allen voran der Bund Naturschutz oder der DGB, zu den Teilnehmern der Aktion des Bündnisses "Lichtenfels ist bunt". Der Protest gegen die AfD und die gleichzeitig im Stadtschloss stattfindende AfD-Versammlung erfasste alle Altersgruppen von Schülern und Jugendlichen bis hin zu den "Omas gegen rechts". Auf zahlreichen Transparenten und Plakaten formulierten die Teilnehmer ihre Meinungen zur "Alternative für Deutschland".

Assoziationen und Metaphern

Da wurden mit dem Parteinamen die Begriffe "Asozial, Faschistisch, Diabolisch" assoziiert. "Kein Platz für Nazis" forderten die Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Einige fanden die AfD und ihre umstrittenen Äußerungen nur ekelig oder in Erinnerung an die NSDAP als eine "Katastrophe für Deutschland". Noch drastischer stand da zu lesen: "Braune Flaschen gehören in den Altglascontainer und nicht in die Politik".

Der Aufruf "Lichtenfels ist bunt" ging weit über die Kreisstadt hinaus: "Unser Landkreis ist bunt" dafür standen auch die zahlreichen Teilnehmer an der Kundgebung, die aus allen Richtungen des Landkreises nach Lichtenfels gekommen waren.

Ziel: kein AfD-Vertreter im Stadtrat

Die Initiatorin der Bewegung, Pfarrerin Anne Salzbrenner, fasste den Protest vor dem Lichtenfelser Rathaus in Worte: "Wir brauchen die AfD in Lichtenfels nicht, ebenso nicht an anderen Orten." Beschämend fand es Anne Salzbrenner, wie die AfD mit einem Gut wie der Demokratie umgeht, mit dem Ziel, zu spalten, zu schwächen und zu chaotisieren, nur um den eigenen Einfluss zu stärken. Als erklärtes Ziel wünschte sich die Pfarrerin, dass nach der Kommunalwahl kein AfD-Vertreter im Lichtenfelser Stadtrat sitzt.

Gleichzeitig bedankte sie sich unter dem Applaus der Anwesenden für die starke Polizeipräsenz, die die Sicherheit der Teilnehmer gewährleiste. Eine massive Absperrung in der Stadtknechtsgasse, auf halbem Weg hoch zum Stadtschloss, sorgte dafür, dass der Zug des Bündnisses hin zum Versammlungsort der AfD schon am Irish Pub "Paddy´s Rest" endete, wo die eigentliche Kundgebung stattfand.

Anne Salzbrenner plädierte für ein Miteinander, über die Parteigrenzen hinweg: "Wir brauchen keine Hassparolen und zündelnde Brandstifter." Damit erinnerte die Pfarrerin an die Reichspogromnacht und politische Gräueltaten, die heute von der AfD bagatellisiert würden.

Heftige Kritik übte Anne Salzbrenner an jüngsten Äußerungen von AfD-Vertretern: Da werde einem Waldkindergarten im Harz "Frühsexualisierung" vorgeworfen. Die CSUler würden in Sachsen als "Mehrheit der Sozialisten" gesehen. Ziel der AfD sei es, Subventionen zu streichen, da diese nichts anderes als die Belohnung des Versagens seien. Dabei sehe sich die AfD andererseits als Vertreter der Bauern. Auch seien seitens der AfD Waffen für alle gefordert worden.

"Eine Chance für jeden"

Auch Bürgermeister Andreas Hügerich wandte sich als Teilnehmer des Protestes gegen die AfD an die Versammlung: "Alle Generationen haben sich heute in Lichtenfels versammelt, um für eine Gesellschaft einzutreten, in der jeder eine Chance hat und akzeptiert wird. Wir treten für eine Gesellschaft ein, die keine Spalter braucht." Dafür bedankte sich Hügerich bei allen Teilnehmern.

"Klimakatastrophen zu leugnen, das ist ein Fehler, der die Menschheit das Leben kosten kann." Mit dieser Aussage erinnerte Pfarrerin Anne Salzbrenner an die negativen Einstellungen der AfD zum Erneuerbare-Energien-Gesetz.

"Mit offenen Augen durch die Welt"

Anton Reinhardt als Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lichtenfels wies darauf hin, "dass wir Gefahr laufen, unseren Planeten kaputt zu machen. Dies sei eine wissenschaftliche Erkenntnis, die von der AfD seit Jahren ignoriert werde.

"Wir sollten mit offenen Augen durch die Welt gehen, und nicht mit Scheuklappen. Wir brauchen eine europafreundliche Politik", forderte Reinhardt.

Plädoyer für Integration

Pfarrerin Tanja Vincent beschloss den Reigen der Redner mit einer Stellungnahme zu Hansjörg Müller, dem stellvertretenden Vorsitzender der AfD in Bayern. Dieser trat als Gastredner beim AfD-Treffen im Stadtschloss auf. Gleichzeitig hinterfragte sie die Inhalte der Wahlplakate der AfD, die zwar auf den ersten Blick nachvollziehbar klängen, bei genauerem Hinsehen aber Ausgrenzung beinhalteten.

Als Pfarrerin plädierte sie für Religionsfreiheit und den Respekt der Glaubensrichtungen untereinander. Das beinhaltet nach ihrer Meinung auch einen staatlich genehmigten Religionsunterricht des Islam.

"Wir brauchen Lösungen für alle", forderte Tanja Vincent, und das schließt nach ihrer Meinung auch Migranten ein. So plädierte sie für Integration anstelle einer generellen Abschiebung.