Der mit Stahlzähnen versehene Radkranz der Fräsmaschine arbeitet sich Zentimeter für Zentimeter durch den Asphalt. So entsteht ein zehn Zentimeter breiter und 40 Zentimeter tiefer Graben (englisch: Trench) , in den gleich anschließend das Glasfaserkabel verlegt wird.

Bad Staffelstein war im vergangenen Jahr von der Telekom für ein Pilotprojekt ausgewählt worden, weil sie Erfahrung mit dem zeiteffizienten Trenchingverfahren sammeln wollte. Am Mittwoch hatten die Stadt Bad Staffelstein und ihre Beraterfirma Reuther NetConsulting sowie die Telekom zu einer Demonstrationsveranstaltung in die Siedlung am Kommbühl eingeladen. Elf Bürgermeister sowie zahlreiche Bauamtmitarbter, Firmen- und Behördenvertreter ließen sich über diese Art des schnellen Kabelverlegens informieren.

"Das Trenchen geht viel schneller und störungsfreier als wir gedacht haben", sagte Siegbert Reuther, der Berater der Stadt in Sachen Breitbandausbau. Was in Bad Staffelstein gemacht werde, sei ein Vorzeigeprojekt, aus dem alle Beteiligten lernen könnten.

Programm wurde aufgestockt

1800 Gebäude in der Kernstadt sollten in neun Monaten angeschlossen werden, sagte Bad Staffelsteins Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU). Dieser straffe Zeitplan konnte nicht ganz eingehalten werden, unter anderem weil das Programm von 1600 auf 1800 Häuser aufgestockt worden sei. "Die Bevölkerung ist dabei", fuhr er fort, und die Mitarbeiter des Bauamts begleiteten die Arbeiten, um jede auftauchende Frage auf dem kleinen Dienstweg zu klären. "Aus meiner Sicht führt am Trenching kein Weg vorbei", sagte er, denn "bei gleicher Manpower hätten diese Arbeiten mit einem herkömmlichen Verfahren wohl drei Jahre erfordert."

Erfahrungen gewonnen

Telekom-Projektleiter Marcel Kraus zeigte sich mit dem Verlauf der Bauarbeiten in Bad Staffelstein sehr zufrieden. 60 Kilometer Gräben mussten hier im Tiefbau ausgehoben werden, um die insgesamt 230 Kilometer Glasfaserkabel zu verlegen. Für die Telekom sei dieser Pilotversuch wichtig, weil dabei technische Methoden erprobt werden konnten, um sie für zukünftige Aufgaben zu verfeinern.

Beim Ausführen des Projekts habe die Telekom großen Wert auf die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung gelegt, fuhr Kraus fort. Gemeinsam hätten Telekom und Kommune zuvor das Verfahren durchgesprochen. Dann seien Sondierungsgrabungen vorgenommen worden und erst dann habe man entschieden, auf welcher Seite der jeweiligen Straße der Graben angelegt werden soll. Durchschnittlich seien pro Tag 300 bis 400 Meter dieser Gräben in Bad Staffelstein ausgehoben und anschließend wieder verfüllt worden. Kraus: "Während des Projektes haben wir vieles hinzugelernt." Das Trenchingverfahren sei kosteneffizient und ermögliche eine schnelle Verkabelung. Siegbert Reuther ergänzte: "Eine getrenchte Leitung jetzt ist besser als eine herkömmlich gebaute in 25 Jahren."

Alle Beteiligten profitieren

Beide Seiten, die Stadt und die Telekom, profitierten von dem Pilotprojekt. Die Telekom fand heraus, wie sich Tiefbauarbeiten effizienter machen lassen - und die Stadt Bad Staffelstein bekam ein Glasfasernetz in der Kernstadt gratis, das normalerweise zwischen sechs und sieben Millionen Euro kosten würde.

Was Bad Staffelstein betrifft versicherte Telekom-Projektleiter Kraus: Der Oberbau der Straßen und Gehwege wird heuer noch ausgeführt. Die Asphaltierungsarbeiten sollen also noch vor Wintereinbruch erfolgen.