"Ein Wohnung für Leute, die geprügelt sind und denen es schlecht ergangen ist." In einem Satz brachte Initiator Alois Dechant den Zweck des neuen Asylbewerberheims auf den Punkt, das nach knapp dreimonatiger Bauphase am Samstagmorgen eingeweiht wurde.

Vor rund 50 geladenen Gästen, darunter Vertreter von Religionen und Behörden, Stadträten, Mitarbeitern der beteiligten Firmen sowie ehren- und hauptamtlich in der Unterkunft Beschäftigten, hob er die schnelle Umsetzung hervor. "Eine enorme Leistung" hätten die Mitarbeiter der Firma Dechant und diverse Handwerksfirmen erbracht, indem sie das unmittelbar neben der bestehenden Flüchtlingsunterkunft in der Geutenreuther Straße gelegene Haus nach Baubeginn Mitte Oktober "in Rekordzeit" fertig stellten. Dechant unterstrich die gute Zusammenarbeit mit der Oberfrankenregierung, die sich offen für seinen Vorschlag gezeigt habe, auf einen Neubau anstelle einer weniger nachhaltigen Containerlösung zu setzen. Daneben lobte er das Landratsamt, das binnen einen halben Stunde die Baugenehmigung erteilt habe, und den Weismainer Stadtrat, weil er auf eine Petition gegen eine weiteres Asylbewerberheim im Städtchen verzichtet hatte, die kurzzeitig im Gespräch war. Nicht verkneifen konnte sich der Bauunternehmer einen Seitenhieb in Richtung Landeshauptstadt: In einem Fernsehbeitrag sei ein mit Stacheldraht eingezäuntes Flüchtlingsdomizil in München zwischen Gerichtgebäude und Polizeistation als Errungenschaft präsentiert worden. "Unser Heim ist, umgeben von Wald und Stadion, viel schöner. Da kann München von Oberfranken noch etwas lernen."

Den Blick auf einen anderen Aspekt lenkte Pfarrerin Claudia Jobst von der evangelischen Gemeinde Buchau-Weismain. "Du kannst nicht für die Werte des christlichen Abendlandes eintreten und sie gleichzeitig mit Füßen treten", kommentierte sie die Pegida-Demonstrationen, bevor sie gemeinsam mit dem katholischen Stadtpfarrer Gerhard Möckel die Segnung des Neubaus vornahm. Neben Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit gehöre zu eben diesen Werten auch die Überzeugung, dass jedem Menschen eine eigene Menschenwürde zukomme, die unantastbar sei - basierend auf Vorstellung, dass wir alle als Geschöpfe Gottes einander Mitmenschen seien "Wenn wir hier Häuser bauen, um Menschen, die auf der Flucht sind, aufzunehmen, dann tun wir genau das, worum es im Kern des christlichen Abendlandes geht. Dann verteidigen wird genau die Werte, auf denen es beruht". Auch der aus der Türkei stammende Bayreuther SPD-Stadtrat Halil Tasdelen und Ibrahim Kefci, Vorsitzender der islamischen Gemeinde in Kulmbach, wiesen auf gegenseitige Hilfe als Grundgedanke aller Religionen hin.
Beim anschließenden Rundgang durch das noch spärlich möblierte Gebäude ging Hermann Schuberth von der Regierung auf einige interessante Details ein: die Größe der Doppelzimmer beispielsweise, die 15 Quadratmeter beträgt; die Ausstattung, die neben Fußbodenheizung auch Fernsehanschlüsse umfasst, damit die Bewohner via Satellit Sender aus ihrer Heimat sehen können (wobei die Fernsehgeräte nicht gestellt werden); das Fehlen von Spiegeln in den Waschräumen, da diese erfahrungsgemäß schnell zerstört würden; oder eine Sicherheitsfunktion in den Gemeinschaftsküchen - damit nichts anbrennt, funktionieren die Kochstellen nur bei geschlossener Tür.
Den Abschluss der Einweihungsfeier bildete ein gemeinsames Essen im SCWO-Sportheim. Stefan Krug, Bereichsleiter für Asylbewerber an der Regierung von Oberfranken, wünschte den künftigen Bewohnern, in ihrem neuen Quartier zur Ruhe kommen zu können, und den Mitarbeitern ein gutes Händchen im Umgang mit Asylsuchenden. "Die Weismainer haben bereits gezeigt, wie gut sie mit den Flüchtlingen umgehen", lobte Krug.