Das Abhalten von Videokonferenzen, das Verschicken großer Datenmengen vom Homeoffice aus oder das Lernen im Distanzunterricht - die Corona-Krise hat allen vor Augen geführt, wie wichtig ein gut funktionierendes und schnelles Internet heutzutage ist. Ganz in diesem Sinne fasste der Gemeinderat am Dienstagabend in der Grundschulturnhalle einen einstimmigen Beschluss: Die Gemeinde baut ihr eigenes Glasfasernetz und übergibt den Betrieb an den wirtschaftlichsten Betreiber, im Fachjargon Provider genannt.

Bis zu 90 Prozent Förderung

Finanziert werden die durchgängigen Glasfaseranschlüsse bis ins Haus (FTTB) überwiegend aus Mitteln der bayerischen Gigabitrichtlinie, die eine Förderquote von bis zu 90 Prozent vorsieht. Freuen dürfen sich auch die Bürger. "Sie bezahlen nichts", verkündete Diplom-Ingenieur Siegbert Reuther vom Ingenieurbüro Reuther NetConsult aus Bad Staffelstein auf Nachfrage des Strössendorfer Ortssprechers Christoph Domes.

Mit dem Glasfaseranschluss im Keller ist es allerdings nicht getan. "Für die Datenverkabelung im Haus müssen die Eigentümer selbst sorgen, da die derzeitigen Internet- und Telefonanschlüsse für die moderne Technik nicht ausgelegt sind", goss der Experte Wasser in den Wein der Einwohner. Ausgenommen von dem Förderprogramm sind laut Reuther alle Hauseigentümer, die über Koaxialkabel der Kabelnetzbetreiber mit gigabitfähigen Anschlüssen versorgt sind. Hier werde man, prognostizierte Reuther, fünf bis sechs Jahre warten müssen, bis diese in die Glasfaserförderung aufgenommen würden.

Die Gemeinde Altenkunstadt hätte sich auch für das Wirtschaftlichkeitslückenmodell entscheiden können. In diesem Fall hätte der wirtschaftlichste Anbieter das geförderte FTTB-Netz ausgebaut und wäre zugleich Eigentümer desselben geworden. Das Gremium hatte sich für das eingangs beschriebene Betreibermodell entschieden, das den Berechnungen Reuthers zufolge eine jährliche Pacht von 300 000 Euro pro Jahr verspricht. "Auch wenn die ersten sieben Jahre Pachterträge von der Förderung abgezogen werden, rechnet sich das Modell", betonte der Redner. Er vertrat die Ansicht, dass ein Thema der Daseinsvorsorge wie das Interne in die öffentliche Hand gehöre. Georg Deuerling von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) schlug vor, im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit mit Burgkunstadt und Weismain ein solches Glasfasernetz providerneutral zu betreiben. Reuther sprach von einer mittelfristig guten Idee, verwies aber zugleich darauf, dass das Förderprogramm erst einmal einen Provider vorsehe.

Seit Januar neue Richtwerte

Bislang wurden Gebiete mit einer Downloadgeschwindigkeit von weniger als 30 Mbit pro Sekunde als unterversorgt eingestuft. Seit Januar 2020 gelten neue Richtwerte: 100 Mbit pro Sekunde für Privathaushalte und 500 Mbit pro Sekunde für Gewerbetreibende. Ab 2023 soll die Untergrenze für Privathaushalte sogar auf 250 Mbit pro Sekunde angehoben werden.

Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) hatte den Förderhöchstsatz pro förderfähigem Hausanschluss auf 6000 Euro und die maximale Förderhöhe auf acht Millionen Euro beziffert. Letztere Summe werde man, ergänzte Reuther, nicht erreichen, da man nicht alle Haushalte in Altenkunstadt und seinen Ortsteilen anschließen werde. Zeublitz, Trebitzmühle, Tauschendorf, der Kordigast und Woffendorf sind bereits komplett mit Glasfaser versorgt. Auch einige Haushalte in Strössendorf und Altenkunstadt verfügen bereits über Glasfaser, wie man den Karten entnehmen konnte, die Reuther zeigte. In Strössendorf erhalten alle übrigen Haushalte das superschnelle Internet, in Altenkunstadt sind es rund 130 Gebäude. Zu 100 Prozent angeschlossen werden Baiersdorf, Burkheim, Maineck, Pfaffendorf, Prügel und Spiesberg. "Insgesamt sind 775 Gebäude förderfähig, davon werden 160 überwiegend gewerblich genutzt", so Reuther.

Nach dem Lockdown im Frühjahr verhagelt der Wellenbrecher-Lockdown im November der heimischen Gastronomie zum zweiten Mal das Geschäft. Mit einer pfiffigen Idee will die Quartiersmanagerin der Gemeinde Altenkunstadt, Christina Pösch, den notleidenden Gastronomen unter die Arme greifen.

Über die sozialen Netzwerke sollen die Bürger dazu animiert werden, im Dezember Gutscheine im Wert von bis zu 100 Euro für Altenkunstadter Gaststätten zu kaufen. Pro Coupon soll die Gemeinde zehn Prozent der Kosten übernehmen. "Das wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk für die Wirte", meinte die Rednerin. "Das ist eine tolle Idee, die Leute nach der Pandemie in die Wirtshäuser zu locken", schwärmte Bürgermeister Robert Hümmer. In der Dezembersitzung soll ein Beschluss über die Aktion gefasst werden.

Rolf Gnatzy von der Freien Wählergemeinschaft schlug vor, die Lieferangebote der heimischen Gastronomie während des Lockdowns auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen. Pösch, die im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (Isek) von der Gemeinde Altenkunstadt eingestellt worden war, kann sich vorstellen, aus dem Haus Gerbergasse 12 unweit der Raiffeisenbank ein Mehrgenerationenhaus zu machen. Das wäre für sie ein weiterer Anreiz, die Leute zu Altenkunstadts neuer Mitte, die rund um die Raiffeisenbank entstehen soll, zu locken. Zu verdanken hatte Pösch ihren Auftritt der CSU. Diese hatte sich in einem Antrag, der positiv beschieden wurde, dafür ausgesprochen, dass die Quartiersmanagerin alle zwei Monate im Gemeinderat einen Rechenschaftsbericht abgeben dürfe.

Wohnraum in Baiersdorf

Der Investor Herbert Schmitt aus Bad Staffelstein schafft im Altenkunstadter Ortsteil Baiersdorf Raum zum Wohnen. Verschiedene Auflagen machen das fünf Parzellen umfassende Baugebiet Bergäckerblick zu einem ökologischen Areal. Blühstreifen sind freizuhalten. An der äußeren Grundstücksgrenze müssen Bienen- und Insektenhotels gebaut und Nistmöglichkeiten für Vögel geschaffen werden. Gepflanzt werden dürfen nur einheimische Bäume. Die Dächer von Carports und Garagen müssen begrünt und Solarthermieanlagen verwendet werden. Beim Bau von Wegen ist auf durchlässige Versiegelung zu achten. Ferner gibt es die Pflicht, Versickerungsanlagen für Niederschlagswasser einzubauen. Das erste Grundstück befindet sich direkt an der Altenkunstadter Straße. Über zwei private Wege werden die dahinterliegenden Grundstücke erschlossen. Für die Hinterlieger werden an der Altenkunstadter Straße Stellplätze für Mülltonnen geschaffen. Anschlüsse für Abwasser, Wasser, Strom und Telefon sind an der Altenkunstadter Straße vorhanden. Nachdem bereits der Bauausschuss grünes Licht für den Bau mehrerer Häuser gegeben hatte, sprach sich nun der Gemeinderat für die Aufstellung einer Einbeziehungssatzung aus. Diese ist nötig, da sich ein Teil des 4300 Quadratmeter großen Areals im Außenbereich von Baiersdorf befindet.

Die Nachfrage nach Bauland ist in Altenkunstadt groß. "Erst kürzlich wurde ein in Baiersdorf angebotener Bauplatz von 55 Interessenten angefragt", stellte Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) fest. Baiersdorf könnte mit Wärme aus der Prügeler Biogasanlage versorgt werden. Damit das Projekt realisiert werden kann, müssen sich viele Baiersdorfer dafür erwärmen. Doch anscheinend lässt das Vorhaben so manche kalt. Rolf Gnatzy appellierte an den Bürgermeister, offensiver auf die Bürger zuzugehen, was dieser versprach. "Ein Nahwärmenetz würde dafür sorgen, dass die Wirtschaftskraft in der Region verbleibt und nicht an die Scheichs gehe", meinte Hümmer, der Widerspruch erntete.

Rebecca Mätzke-Zapf forderte die Befürworter auf, endlich zu akzeptieren, dass es auch Baiersdorfer gebe, die gegen das Vorhaben seien. Das Thema müsse ein Ende haben, damit man endlich mit der Sanierung der Straßen und der Dorferneuerung beginnen könne, meinte die Gemeinderätin aus Baiersdorf.

Unfall auf der Baustelle

Auf der Baustelle der Grundschule war es kürzlich zu einem Unfall gekommen. "Der betroffene Bauarbeiter befindet sich auf dem Weg der Besserung", teilte der Bürgermeister mit. Georg Deuerling monierte zum wiederholten Male, dass es auf der Baustelle drunter und drüber gehe, Kabel und Schläuche wild herumlägen. Hümmer erwiderte, dass man alle Firmen angeschrieben habe, die Unordnung zu beseitigen. Ohne Erfolg. So habe man zu einem anderen Mittel greifen müssen. "Eine Reinigungsfirma macht diese Woche sauber und räumt auf. Die Kosten werden auf die beteiligten Firmen umgelegt", sagte der Bürgermeister.

Ausreichendes Lüften ist in Klassenräumen wichtig, um in Corona-Zeiten Aerosole in der Raumluft zu vermeiden. Geschäftsstellenleiter Alexander Pfaff teilte auf Hinweis Gnatzys mit, dass man sich bereits Gedanken über Kohlendioxid-Ampeln, Lüftungsanlagen und entsprechende Fördermöglichkeiten gemacht habe.

Die B 289 zwischen Burgkunstadt und Mainklein ist derzeit wegen Sanierungsarbeiten komplett gesperrt. Hans-Werner Schuster (CSU) wies darauf hin, dass an den Umleitungsstrecken über Baiersdorf und Maineck das Bankett vom Schwerlastverkehr beschädigt wurde. Hümmer versicherte, das Landratsamt zu informieren - es handelt sich um eine Kreisstraße - und gab der Hoffnung Ausdruck, dass das staatliche Bauamt, das für die Sanierung der B 289 zuständig ist, die Kosten für die Behebung der Bankettschäden übernehmen werde. stö