Dem 1492 in Staffelstein geborenen Rechenmeister Adam Ries(e) muss die Stadt kein Denkmal setzen - das gibt es schon. Sein Lebenswerk aber - die Einführung der arabischen Zahlen bei uns - kommt in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig vor.

Das soll sich ändern, wenn es nach dem Arbeitskreis "Stadtentwicklung" der Kulturinitiative geht. Die Ausschussmitglieder erarbeiteten ein Konzept, in dem es darum geht, das Alleinstellungsmerkmal "Adam Riese" deutlich herauszustellen.

KIS-Vorsitzender Hermann Hacker sagt, es komme darauf an, viele bunte Zahlen in warmen Farben im Stadtbild aufzustellen. "Es muss 'was Verrücktes sein wie bei Hundertwasser oder Gaudí. Die trauten sich was. Und man muss sich 'was trauen."


Mit Adam Riese ist zu rechnen

Die Konzeption, die im Tourismusausschuss den Stadträten vorgestellt wurde, sieht mehrere Punkte vor. Um dem "Vater des modernen Rechnens" gerecht zu werden, werde ein modernes Design gesucht, das in angenehmen, anziehenden Farben attraktiv gestaltet sei und den Erlebniswert unterstreiche. "Bad Staffelstein muss sich von anderen fränkischen Landstädtchen deutlich unterscheiden", sagt Hermann Hacker.


Griesgram mit Bart

Nun sei es aber so, dass es nur ein einziges Porträt von Adam Ries(e) gibt, das über die Jahrhunderte hinweg immer wieder von etlichen Künstlern kopiert wurde. Auf diesem Stich aus dem 16. Jahrhundert erscheine der Rechenmeister als "griesgrämiger alter Mann, der nichts hergibt", sagt Hermann Hacker. Dieses Image sollte verändert werden.

"Zahlen bestimmen unseren Alltag", fährt er fort. Es komme also darauf an, etwas aus diesen Zahlen zu schaffen. Zunächst einmal seien Zahlen freilich unattraktiv. Mit künstlerischen Mitteln lasse sich das jedoch ändern. Vorstellbar wären zum Beispiel drei bis vier Meter große Zahlen, die als dreidimensionale bunte Plastiken in der Altstadt stehen.

Beleuchtet man diese Zahlen nachts mit LED oder Laserlicht, ergäben sich phantastische Effekte - kleine Kunstwerke, die durchaus Besucher in die Stadt holen könnten.

Wichtig sei es, die künstlerische Gestaltung in warmen Farben auszuführen. Hermann Hacker denkt hier an Gemälde von August Macke, an die Architektur von Hundertwasser und Gaudí sowie an Plastiken von Niki de Saint Phalle. "Es gibt 1000 Möglichkeiten" - wichtig sei, die Hauptachsen der Stadt mit Zahlen zu versehen. "Wir haben den Riesenvorteil, Adam Riese zu haben."

Um warme Farben zu erreichen, könne mit Licht gearbeitet werden. Eine Zusammenarbeit mit der Hochschule Coburg sei hierbei durchaus wünschenswert.

Wer sich die Lichtinstallationen an den Häusern des Coburger Marktplatzes ansehe, komme ins Schwärmen. "Wir müssen etwas machen", folgert Hermann Hacker, damit die Innenstadt nicht abgehängt werde und nicht länger hinter der attraktiven Therme herhinke.

Auf die Schnelle werde das nicht gehen, da macht sich Hermann Hacker keine Illusionen. Es gelte, einen Künstlerwettbewerb auszuloben, bei dem originelle Ideen gesammelt werden können.
Teuer müssen die Zahleninstallationen nicht zwangsläufig sein. Vorstellbar wäre zum Beispiel, bunte Zahlenfelder ins Pflaster der Bahnhofstraße einzuarbeiten - das wäre schon ein Anfang.


Adam-Riese-Quiz als Indikator

Bad Staffelsteins Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) sagt, die Stadt begleite diese Idee der KIS mit Wohlwollen. Er verweist auf das Adam-Riese-Quiz, das beim Altstadtfest im Juli ausgerichtet worden sei. Es sei bewusst als Test angelegt worden, weil man sehen wollte, auf welch öffentliches Interesse Adam Ries(e) stößt.
"Wir sind erst am Anfang, was das Umsetzen betrifft", erklärt Jürgen Kohmann. "Adam Riese ist über die Stadtgrenzen hinaus eine bekannte Persönlichkeit" - und dieses Alleinstellungsmerkmal sollte herausgearbeitet und genutzt werden.